dreckige Pfoten - Episode 13 - Fischig: Die Industrie. Lachs mit Läusen, überfischter Thunfisch und falsche Verspechen

Fischig: die Industrie

Lachs mit Läusen, überfischter Thunfisch und falsche Verspechen

Lachs mit Läusen, Thunfisch mit faulem Siegel, Fische als Ware: Eine Recherche über Aquakultur, Fangflotten und Siegel, die genau das verschleiern sollen.

Unter Wasser zu sein, ist wie in eine andere Welt einzutauchen. Alles wirkt gedämpft. Alles da oben oder da draußen bleibt weit, weit weg. Die riesige Farbenvielfalt. Die Abertausend Tiere hier unten. Vom Wasser umschlossen. Abgeschirmt.

Unsere Bewegungen werden vom Wasserwiderstand gebremst. Ein Ort, der einfach anders funktioniert – und meistens auch sehr gut ohne uns Menschen.

Aber als Taucher:in ist man hier nur zu Besuch. Man lässt auf sich wirken. Schaut sich um und genießt die wabernde Stille.  

Und plötzlich taucht da ein kleiner Fisch auf. Schwimmt direkt vor den Taucher:innen.

„Und dann waren wir drei, vier Taucher, und dann kam dieser kleine Reinigungsfisch, im offenen Meer an – hat quasi auf uns Taucher gewartet – kommt zu uns und dann hat [der Taucher] so sein Mundstück rausgenommen und der Fisch ist in den Mund geschwommen, hat dann so Stückchen gesucht und ist wieder rausgeschwommen; ist zu dem Nächsten geschwommen und hat vor dem Mund gewartet.“

– Annemarie Botzki im Interview

Der kleine Fisch schwimmt da vor ihrem Mund hin und her und macht keine Anstalten, zu flüchten. Große, gruselige Menschen mit blubbernder Taucherausrüstung? – Kenn‘ ich schon – jetzt mach den Mund auf!

„So eine Begegnung mit so einem Fisch, der so groß ist, dass Taucher kommen, dass der warten muss, bis er da reinschwimmen kann, und dann zum Nächsten schwimmt und dann so wirklich vor deiner Maske so hin und her schwimmt. Also, [..] das war echt noch mal so, da denkst du wirklich: Es ist ein wilder Fisch, der hier im Meer schwimmt?“

– Annemarie Botzki im Interview

Ja klar, ist ja wortwörtlich der Job von diesen kleinen Putzerfischen: in die Münder von riesigen Tieren krabbeln, um dort nach Essensresten zu fischen. Meeresbiolog:innen sehen darin sicherlich nichts Besonderes.

Aber es ist doch mehr als nur cute, dass er dieses Prinzip auch bei Menschen anwendet und sogar brav wartet, bis die ihren Mund von der Atemmaske befreit haben.

 

Und solche Begegnungen bleiben bei uns. Sie machen etwas mit uns. Verändern unsere Beziehung zu anderen Lebewesen.

Thunfische nach dem Angeln
Thunfische nach dem Angeln

Aber da gibt es eben noch eine ganz andere Seite der Unterwasserwelt. Eine Welt, die zum Schauplatz alltäglicher Grausamkeit wird. Dort, wo ein kleiner Putzerfisch als sogenannter „Beifang“ einfach leblos über Bord geworfen wird.

„Oft ist gar nicht das Bewusstsein da, dass Fische fühlende Lebewesen sind, und sie werden wirklich als Ressource gesehen, die in Tonnen gemessen werden.“

– Annemarie Botzki im Interview

In Tonnen. Nicht als Individuen. Nicht wie ein Putzerfisch, der auf Taucher:innen wartet.

„Es ist wirklich ja katastrophales Schicksal für die Fische. Auch zum Beispiel andere Tiere wie Garnelen leiden einfach, werden einfach als bloße Ressource in Kilo und Tonnen mit Maßstäben gesehen. Und ja, es ist halt auch einfach weit weg.“

– Annemarie Botzki im Interview

dreckige pfoten

Recap

Doch noch immer bleibt der Aberglaube: Fische leiden nicht. Meerestiere spüren nichts. Und sowieso ist alles Unterwasser eher eine „Meeresfrucht“s.

Genau das wird zu ihrem Verhängnis – nicht nur beim grausamen, mittelalterlichen „Fischertag“ in Memmingen, den ihr in der letzten Folge auch kennengelernt habt –

 

– sondern auch auf den Weltmeeren:

Jedes Jahr wird eine unzählbare Anzahl Tiere aus dem Wasser gezogen. Das alles in einer gefühlt unendlichen, manchmal auch rechtsfreien Weite der Ozeane. Ein riesiges Geschäft, mit schier unzählbaren Opfern.

Aus dem „Fruchtbarkeitssymbol“ Fisch, das sogar der liebe Jesus wundersam vermehrt hat, ist ein immenser Kassenschlager auf der ganzen Erdkugel geworden.

Ob „Alaska-Seelachs-Filet“ oder der „Shrimp-Cocktail“ – heute landen mehr Meerestiere denn je zuvor auf den Tellern der Menschen.

Lachs

Der Fisch-Superstar

Ein Fluss in Norwegen, irgendwann im Herbst. Auf dem Grund feiner Kies, klares, kaltes Wasser.

Da unten im Flussbett sind auch kleine Eier, der sogenannte Laich. Denn hier schlüpft ein Lachs!

Mehrere Monate – oder auch Jahre – lebt er im Süßwasser von Flüssen, jagt Eintagsfliegen, Mücken und später kleinere Fische. Diese heranwachsenden Lachse nennt man „Parr“. (fragt mich bitte nicht, warum)

Nach dem Lachs-Kindergarten geht es dann als silbriger, sogenannter „Smolt“ oder „Schmolts“ weiter. Vermutlich ähnlich, wie ein pubertierender Teenager, der sich die „Schuppen abstoßen will“, ziehen die kleinen Smolts weiter in die Welt. Dabei passt ihr Körper sich dem steigenden Salzgehalt in Richtung Meer immer weiter an.

Von den norwegischen Flüssen geht es immer weiter in Richtung Grönland. Während dieser Zeit schwimmt der Lachs tausende Kilometer. Währenddessen jagt der Raubfisch Heringe, Krill, Garnelen oder Flusskrebse.

Der silberne Fisch wächst von wenigen Gramm auf mehrere Kilogramm an. Durch die vielen Krebstiere, die so ein Lachs verspeist, färbt sich sein Inneres leicht rosa.

Hier im offenen Meer sind sie aber auch selbst anfällig, gejagt zu werden: Robben, andere Fische und auch der Mensch machen dem Fischlein das Leben zur Hölle. Nur zwischen 14 und 54 % der Millionen Lachse, die aus den kleinen Flüssen starten, überleben diese große Reise.

Und dann kommt der Moment, an dem der Instinkt kickt: wieder ein paar Babys machen!

Aber nicht hier im Salzwasser, sondern in der eigenen Kinderkrippe.

Deshalb geht’s nach ein paar Jahren im offenen Meer zurück. Gegen den Strom.

Sie springen Stromschnellen hoch, kämpfen gegen die Strömung. Sicher kennt ihr alle die Bilder von springenden Fischen. That’s them!

Tausende Kilometer geht’s zurück ins Süßwasser. Alles, um den Kreislauf wieder zu schließen. Ablaichen im norwegischen Flüsschen.

Die Lachsindustrie: Aquakultur

Aber diesen Weg können nicht alle Lachse erleben. Um genau zu sein, gibt es sehr viel weniger frei schwimmende Lachse in Norwegen, als in Netzen vor der norwegischen Küste gezüchtet werden. Für sie gibt es keinen freien Ozean, keine kilometerlange Wanderung.

In riesigen Netzanlagen werden tausende silberfarbene Lachse herangezüchtet[i]. Und auch sie werden lieber in Tonnen, statt als Individuum gezählt:

„Das hier ist die weltgrößte Fischfarm. Sie ist 385 Meter lang, 50 Meter breit. Und zur Produktionsspitze haben wir hier 10.000 Tonnen Lachs mit zweieinhalb bis drei Millionen Lachsen. Die Netze reichen 56 Meter tief ins Wasser. In dieser Anlage enthalten sie keine Chemikalien, die in anderen Betrieben eingesetzt werden, um die Netze gegen Zerfall, das sogenannte Foulingen, zu schützen. Hier werden sie von Robotern geputzt.“ – Ein Mitarbeiter der Firma „Nordlaks“ in einem Beitrag von DW Deutsch 

Norwegens Aquakulturen produzieren über 50 % des weltweiten Lachses, der dann auf den Tellern landet. In unzähligen Fischfarmen, in den Fjorden Norwegens wird der Fisch gezüchtet. Riesige Anlagen für die Massentierhaltung von Fischen.

Auf Google Maps sieht man immer wieder die kreisrunden Anlagen im Wasser: 10 bis 16 Ringnetze mit 40 Metern Durchmesser, direkt an der Küste. An den rund 760 Standorten[ii] dieser Lachsfarmen leben jeweils Hunderttausende Fische. Laut Vorgaben dürfen hier nur knapp 2,5 % gefüllt mit Fisch sein. Ob das wirklich genug ist, bei Fischen, die kilometerlange Reisen zurücklegen?

Und auch hier frage ich mich, wie das genau kontrolliert werden soll und wer das tatsächlich tut – aber das ist ein anderes Thema.

In diesen Netzgehegen, Netzkäfigen, oder wie man es auch immer nennen mag, konzentrieren sich nicht nur Fische, sondern auch Fäkalien, Futterreste und auch die sogenannten Lachsläuse: Diese kleinen Parasiten fressen Haut und Schleim der Fische, später dringen sie sogar noch tiefer ein und saugen das Blut der Wirtfische.

Dutzende der kleinen Blutsauger setzen sich auf die Fische, fressen sich manchmal sogar bis zum Schädelknochen vor, beißen große Wunden, die sich entzünden können. Die angeschlagenen und angefressenen Lachse sterben meist an den Folgen von bakteriellen Infektionskrankheiten, die sich in der Enge der Aquakultur blitzschnell ausbreiten.

„Also in Norwegen sterben jedes Jahr – verenden – sterben tun ja alle Fische aus der Industrie – aber, da verenden wirklich 100 Millionen. Es ist wirklich die offizielle statistische Zahl. Lachse vor der Schlachtung.“ – Annemarie Botzki im Interview

Annemarie hat mit der Organisation foodwatch die Lachsindustrie in Norwegen und Schottland im Report „Faule Fische – Millionen tote Lachse und katastrophale Zustände in der Industrie“ untersucht.

Dafür hat das Team von foodwatch offizielle Behördenunterlagen, Medienberichte und Studien ausgewertet. Dabei wackelt das Bild der „nachhaltigen Lachszucht in Europa“ ziemlich gewaltig:

„Die haben zwei Aufzuchtsphasen, also einmal die kleinen Lachse, die sowieso in Becken herangezogen werden. Erstmal in so einer Industriehalle und dann gibt es halt die Phase im Wasser. Und zusammengenommen sterben da wirklich – ja, 100 Millionen Lachse.“ – Annemarie Botzki im Interview

100 Millionen tote Tiere. Das sind über 180 gefüllte olympische Schwimmbecken. Voller verendeter Fische.

Jeder vierte der Smolts und jeder sechste der erwachsenen Lachse sterben in diesem System aus Netzen in den Fjorden Norwegens. Würde man diese ganzen Lachse aneinandereihen, könnte man sie zwei bis drei Mal um den Äquator wickeln[iii].

Natürlich gibt es nicht nur in Norwegen Aquakulturen. Auch beispielsweise in Island oder Schottland werden mehrere Millionen Tiere in der Massenzucht gehalten.

Und auch dort sterben Fische durch den Befall mit Lachsläusen und die resultierenden Folgeerkrankungen. In Schottland verendeten 2022 rund 17,5 Millionen Lachse in Aquakulturen. 2025 gab es sogar Vorfälle, bei denen insgesamt Millionen Fische durch „versehentliche Vergiftung“ starben. Doch statt öffentlicher, transparenter Aufklärung, versuchten die schottischen Behörden, die Untersuchungsberichte zum Vorfall zu verstecken.

Die Big Player & das System

Es gibt verschiedene, große Player in der Lachsindustrie Norwegens, die zusammen etwa 1,4 Millionen Tonnen Lachs produzieren. Insgesamt sind die Top-10-Produzenten verantwortlich für fast 70 Prozent der Gesamtproduktion. Vor 30 Jahren waren es nur knapp 19 Prozent[iv]. Mit kleinen Fischern, die für ihr Überleben fischen, hat diese Industrie also recht wenig zu tun.

Dabei ist das Unternehmen „Mowi“ mit jährlich 237.000 Tonnen getötetem Lachs der Spitzenreiter. „Nordlaks“, die wir eben gehört haben …

… sind mit ihren 35.000 Tonnen noch knapp unter den Top 10 der Lachs-Riesen.

In Deutschland stammt jeder zweite Lachs im Supermarktregal aus Norwegen.

Eine gute Sache hat diese Konzentration von Macht in der Fisch-Industrie Norwegens allerdings: Sie wird genau beobachtet und selbst das Schlimmste wird in offiziellen Behörden-Statistiken festgehalten: Auf der Seite der norwegischen Fischereidirektion können alle Menschen die Statistiken in unzähligen Excel-Listen lesen.

Natürlich völlig naiv, so etwas von deutschen Behörden in der Tierindustrie zu verlangen. Wer braucht schon Transparenz in einer der schlimmsten Industrien?

„In Norwegen ist die Industrie einfach so groß, weil die wirklich ja Hunderte von Industrieplayern die ganze Küste entlang haben und auch so viele Krankheitsausbrüche und ja, also deswegen ist das eigentlich ganz gut dokumentiert da. […] Man kann auch sagen: Bei uns in Deutschland gibt es nicht wirklich eine Tiergesundheitserhebung, also dafür aber ja auch eingesetzt, dass man wirklich die Tiergesundheit überprüft.“ – Annemarie Botzki im Interview

Der Regierung Norwegens sind die immensen Probleme in den Aquakulturen bekannt. Immerhin analysieren sie das jedes Jahr. Trotzdem bleibt das System, wie es ist: Eng und kontrolliert von der Industrie.

2016 ist die weltweite Produktion von Lachs eingebrochen, weil Lachsläuse unzählige Aquakulturen befallen haben. Die millimeterkleinen Parasiten, haben die Enge der Fischfarmen ausgenutzt und konnten sich hier extrem schnell vermehren.

Und das wiederum bedeutet, dass unzählige Lachse verendeten. Wie schon eben gesagt: Rund 100 Millionen Lachse. Jedes Jahr.

Dazu kam, dass der Preis von 5,86 Euro im Jahr 2015 auf 7,67 Euro im Folgejahr gesprungen ist. Und wie wir wissen, ist Tierleid für die Industrie nur ein Nebenfaktor, aber wenn der Absatz wegen zu hoher Kosten sinkt – das geht nicht!

Es mussten Lösungen her – natürlich nur industriefreundliche Lösungen: Chemikalien, Süßwasserkuren oder sogar andere Fische sollen die Lachsläuse bekämpfen.

Ob Wasserstoffperoxid, Heißwasser- oder Süßwasserkuren: All diese vermeintlichen Heilversprechen, töten die Lachse während der Behandlung.

Ein einkalkuliertes Risiko.

Alternativ, aber nicht weniger tödlich, werden Putzerfische ausgenutzt, die dann die kleinen Parasiten von den Lachsen fressen sollen. Leider hatte auch diese glorreiche Idee keinen gänzlichen Erfolg: Die Putzerfische, in Norwegen meist Lippfische oder Seehasen, schaffen zwar bis zu 200 Lachsläuse am Tag, aber verrecken dann selbst und werden zur Beute der Lachse[v].

Rund 50 Millionen Putzerfische[vi] werden so Jahr für Jahr neben den Millionen Lachsen, auch Opfer dieser seelenlosen Industriemaschine.

Statt die Aquakultur und das immense Leid, das durch sie entsteht, einzudämmen, werden also Kollateralschäden in Kauf genommen. Tierleid wird immer massiver, gleichzeitig werden die Profite der Konzerne geschützt.

Je weniger Netzkäfige mit Hunderttausenden von Fischen es gäbe, desto weniger Futter gäbe es für die Lachslaus. Denn eigentlich hat die Lachslaus unter Naturbedingungen recht selten die Chance, so viel Nahrung auf einmal zu finden.

Und dabei geht von dieser massiven Vermehrung der Lachsläuse auch eine Gefahr für die Fische im offenen Meer aus:

„Das Futter, die Fäkalien, die Lachsläuse, gehen auf die freien Fische über. Die Flüsse in Norwegen werden jetzt schon geschlossen zum Angeln, weil so wenig Wildlachse zurückkehren. Das heißt, in Norwegen ist ungefähr die Hälfte der Wildlachse schon verschwunden, weil halt diese Auswirkungen der Lachsindustrie auch so enorm sind.“ – Annemarie Botzki im Interview

Ausbruchgefahr

Nochmal kurz zurück zu unserer schwimmenden Riesenfarm vom Anfang, ihr wisst schon…

„Wir messen die geflüchteten Fischmengen. In den vergangenen vier Jahren sind insgesamt 40 Lachse entkommen. 36 davon haben wir wieder eingefangen. Es sind also insgesamt vier.“ – Ein Mitarbeiter der Firma „Nordlaks“ in einem Beitrag von DW Deutsch

Ich weiß ja nicht, wen dieser Mitarbeitende hier verarschen will, aber lassen wir das mal so stehen.

Studien gehen eher davon aus, dass jährlich Millionen Tiere aus den Netzkäfigen der Aquakulturen entkommen. Beispielsweise entkamen bei einem einzigen Prison-Break in Norwegen knapp 500.000 Tiere aus den Netzen von Marine Harvest.

Das war übrigens nur einer der gemeldeten Ausbrüche. Offiziell wird von rund 12 bis 29 % Escapes gesprochen.

Entkommen die Lachse aus den Aquakulturen, konkurrieren sie mit dem wenigen Wildlachs, der noch in den Gewässern zuhause ist. Gleichzeitig sind die Aquakultur-Lachse auf schnelles Wachstum gezüchtet. Das macht sie anfälliger für Krankheiten, als Wildlachs.

Wenn sich diese verschiedenen Lachsgene jetzt durch die Macht der Liebe vereinen, dann kommen dabei Lachsbabys raus, die den Naturgewalten nur schlecht gewachsen sind. Ein zusätzlicher Faktor, der die Wildlachspopulationen noch weiter dezimieren kann.

In den Ländern der Mega-Aquakultur-Farmen, Norwegen und Schottland, sind bereits jetzt knapp 23 – 42 % der Wildlachse mit Farm-Lachs gekreuzt.

Auch Krankheiten oder die Lachslaus können mit den Ausbrechern hinausschwimmen. Verschiedene Viren können sogar bis zu 100 Kilometer weit übertragen werden.

Zusätzlich begünstigen Aquakulturen die Entwicklung wesentlich aggressiverer Erreger – ähnlich, wie die multiresistenten Keime, die uns schon aus der Massentierhaltung an Land bekannt sind.

Nachhaltig? Teil 1

Einen wichtigen Faktor vergessen viele Menschen beim Lachs auch gerne: Es ist ein Raubfisch. Das bedeutet, dieser Fisch jagt nach anderen Tieren. Und die müssen irgendwo herkommen – auch in der hochgelobten Aquakultur, die sich gerne besonders nachhaltig gibt.

„Jeder fünfte gefangene Fisch landet nicht auf unseren Tellern. Er wird geschreddert und zu Pulver verarbeitet, nur um wieder an Fische verfüttert zu werden. […] Denn ohne das braune Pulver geht in vielen Aquakulturen nichts. Und das hat seinen Preis. Wir hatten die Blutdiamanten. Jetzt haben wir Blutfisch. Fischmehl steht unter Verdacht, ein schmutziges Geschäft zu sein. Immer wieder hört man von illegalen Praktiken und Ausbeutung. Man sagt, Aquakultur ist nachhaltig. Aber das ist sie nicht.“ –  ZDF-Reihe „Meer Crime – Fischmehl, ein schmutziges Business“

Eine ganz frische Doku vom ZDF unter dem Titel „Fischmehl – ein schmutziges Business“ taucht in der Reihe „Meer Crime“ in die Untiefen einer Industrie ein, die wir uns kaum schlimmer vorstellen könnten: die Produktionsstätten für Fischmehl und Fischöl.

Was einst ein Nebenprodukt des Fischfangs war, ist heute eine derart gefragte Zutat, ohne die die Aquakultur-Industrie nicht mehr überleben könnte. Und wegen der die Meere genauso leergefischt werden, wie für sogenannten „Wildfisch“.

Für „unseren“ europäischen Lachs werden unzählige Tonnen von Fischen aus entlegenen Teilen unseres blauen Planeten gefischt, die damit den Menschen fehlen, die vielleicht wirklich darauf angewiesen wären[vii].

„Die Fangschiffe gleichen schwimmenden Industrieanlagen. Die größten von ihnen ziehen an einem einzigen Tag so viele Meerestiere aus dem Wasser wie 50 Holzboote in einem Jahr. Viele stehen im Verdacht, illegal Fisch zu fangen. Immer wieder auch verboten nah an der Küste. Teils für europäische Märkte, aber auch für Fischmehlfabriken.“ – ZDF-Reihe „Meer Crime – Fischmehl, ein schmutziges Business“

In einer 25dieser Aspekt des Neokolonialismus aber nur ein Hintergrundrauschen.

Um es kurz zu machen: Für ein Kilogramm Lachs müssen sechs Kilogramm anderer Fische verfüttert werden. Diese Rechnung kann und wird niemals aufgehen.

„Die Lachse brauchen Proteine. Das ist dann Fischmehl oder Fischöl. Da gab es aber auch schon sehr viel Druck und die Industrie versucht, das zu reduzieren. Dann nutzen die auch Soja, wofür Regenwald zum Beispiel auch abgeholzt wird. Da hat Greenpeace auch mal den Nachweis gemacht. Das ist wirklich aus dem Regenwald […] Ich habe jetzt einen neuen Bericht gelesen letzte Woche, der auch auf diese Frage eingeht, und da war dann so der Tipp von einem Wissenschaftler: Mehr Abfallprodukte aus der Tierindustrie verfüttert werden sollen, also wie zum Beispiel Federn oder andere Teile von Hühnchen, die noch so überbleiben – also, muss man sich mal vorstellen. Also klar, Wiederverwertung von Produkten ist ja gut, aber dann nimmt man so Produkte aus der Schlachterei und schüttet die dann als Essen ins Meer, um die Lachse zu füttern.“ – Annemarie Botzki im Interview

Jetzt haben wir wahrscheinlich alle kurz das Bild von Eingeweiden im offenen Meer im Kopf: die nächste, große Idee in der Lachsindustrie. Aber das ist wohl vorerst noch eine Zukunftsvision von Wissenschaftler:innen, die der Industrie den Rücken stärken wollen.

Das trübt das Bild des „Superfood Lachs“ gewaltig: Hunderttausende Fische in einem Netz gefangen, angefressen von Läusen, gefüttert mit Soja aus dem Regenwald oder Resten aus der Tierindustrie. Klima- und Umweltauswirkungen, oder aussterbende Wildfischbestände gibt es noch dazu.

Lügen der Industrie

Um dieses angekratzte Image ein wenig aufzupolieren, greift die Industrie immer wieder zu Tricks und Spielchen, um es Menschen schmackhaft zu machen, Lebewesen aus dem Meer zu verspeisen. Wie schon öfter angedeutet: Ich glaube, die Marketing-Menschen dieser Industrie haben vermutlich einen Werbe-Workshop beim Teufel persönlich abgeschlossen, um so dreist zu lügen.

Die Lachsläuse in der Aquakultur sind vermutlich insgesamt ein kleineres Problem, als die Menschen, die es für eine gute Idee halten, Fische in Megafarmen zu sperren, um sie dann grausam zu töten.

Wer zum Beispiel kommt auf die unendlich fiese Idee, Tiere – also Lebewesen mit Empfindungsfähigkeit – als „Meeresfrüchte“ oder sogar „Meeresgemüse“ zu bezeichnen?

Oder aber das beliebte „Alaska-Seelachsfilet“, das so schön natürlich und gleichzeitig exotisch klingt. Ein Premiumprodukt. Oder?

„Dieser Alaska-Seelachs ist gar kein Lachs, aber die nutzen diesen Namen Lachs einfach, weil es besser klingt. Es gibt wirklich wilde Lachse in Kanada und in Alaska, die schwimmen in den Flüssen. Da gibt es aber nur noch ganz wenig Populationen, die überhaupt so stabil sind, dass man die guten Gewissens irgendwie essen könnte. Wir können jetzt nicht alle von dem Industrielachs weg und dann halt alle Wildlachs essen. Das geht gar nicht.“ – Annemarie Botzki im Interview

Es gibt also wieder ein paar Tricks, damit der Konsum von Fisch am Laufen gehalten wird: „Alaska-Seelachs“, der eigentlich ein pazifischer Pollack oder ein Dorsch ist.

„Aber da gibt es auch interessante Tricks, die ich gesehen habe. Das hat Patagonia mit einem Film mal gezeigt. […] die Lachse wachsen ja erstmal so als kleine Fische heran, kleine Smolts. Manche Leute nehmen jetzt die kleinen Smolts und setzen die in die wilden Flüsse und sagen dann, das wäre Wildlachs. […] Die kleinen Fische kommen aus der Industrie, die werden in die freie Wildbahn ausgesetzt und dann irgendwie geangelt oder gefischt. Und dann wird halt gesagt, das sei Wildlachs.“ – Annemarie Botzki im Interview

Ein Kilo totes Tier kostet dann im Laden auch mal gerne 15 bis 20 €.

Aber Wildfang – das klingt doch … gut?!

Kein Netzkäfig, keine Lachsläuse, kein Fischmehl aus Westafrika. Nur ein Boot und das offene Meer, ganz so wie vor tausend Jahren.

Auch hier trügt der Schein.

Denn das Muster, das wir gerade bei der Aquakultur gesehen haben, setzt sich auch beim Fang im Meer fort: Wenige Konzerne profitieren, ein Preisschild auf jedem Tier, Siegel und Abkommen, statt durchgängiger Kontrollen. Nur mit neuem Vokabular und anderen Zertifikaten.

dreckige pfoten

Nachhaltiger Fisch?

Von so manchen Verpackungen von Produkten aus Fischen, strahlen einem mehr Siegel und Logos entgegen, als von einem Formel-1-Rennwagen. Aber weder die Lachslaus, noch das Fischmehl sind darauf zu sehen.

Hier gibt es zum Beispiel das ASC- und das MSC-Siegel: Das eine für Meereslebewesen aus Aquakulturen und das andere für Tiere, die direkt aus dem Meer gefischt werden. Beides verspricht „Nachhaltigkeit“ und „kontrollierte“ Fischerei.

Klar, von „besonders schonend getöteten Fischen“ redet keines der Labels. Aus gutem Grund vermutlich.

MSC-Siegel

Vor Neufundland – einem Gebiet im Norden Kanadas – treffen zwei wichtige Strömungen aufeinander: der warme Golfstrom und der kühle Labradorstrom. (ja, wie der Hund.)

Und wo solche Bewegungen aufeinandertreffen, kommt es zu Verwirbelungen, bei denen dann auch Nährstoffe weiter an die Oberfläche gespült werden. Also jede Menge Fressen für Kabeljau und Co. Und damit natürlich auch für die riesigen Fangschiffe aller Nationen.

Als 1992 ganz plötzlich keine Fische mehr zu fangen waren – I mean: Wer hätte das ahnen können –, da schritt man zur Tat und schränkte nicht nur die Fischerei extrem ein, sondern der Umweltschutzverein WWF und das Unternehmen Unilever gründeten das Marine Stewardship Council (MSC).

Die seit 1999 gemeinnützige, unabhängige Organisation zertifiziert jedes Jahr unzählige Produkte und nimmt damit rund 39 Millionen Euro pro Jahr ein. Das Logo der MSC klebt dann auf Hummer, Lachs, Thunfisch, Hering und vielen anderen Tierprodukten oder eben Produkten für Haustiere. Insgesamt waren es 2014 noch 9.359 MSC-zertifizierte Produkte und 2024 waren es schon 21.859 Produkte.

Trotzdem sind das nur knapp 19 Prozent des weltweiten Fischfangs, immerhin 55 Prozent des deutschlandweiten Verkaufs. Ein guter Start vielleicht, aber auch ein bisschen Feelgood-Atmosphäre für eine eigensinnige Verwendung des Begriffs nachhaltig: Denn auf jedem Produkt mit dem MSC-Siegel steht auch „zertifizierte nachhaltige Fischerei“.

„Die Fischindustrie stellt sich wirklich gerne als eine sehr gesunde und nachhaltige Alternative dar und sagt wirklich so: Hey Leute, ja Fleisch und rotes Fleisch vor allem, ist für super viel Umweltschaden verantwortlich, aber wir sind eine gesunde Industrie.“ – Annemarie Botzki im Interview

Tatsächlich steht auf der MSC-Website auch, dass Fische aus Wildfang einen

„Das Fischlabel MSC sagt zum Beispiel auf der Webseite: Es ist eine nachwachsende Ressource. Also, die Fische wachsen ja einfach nach und wir können davon viel essen. Die Lachsindustrie sagt halt: Wir brauchen nicht so viel Futter wie eine Kuh, um die zu mästen und zu töten, sondern unser Verhältnis von Futter zu dem, was man am Ende an Fischfleisch daraus kriegt, ist viel besser.

Und so werden verschiedene Sachen halt schön gerechnet und die Fischindustrie versucht wirklich zu sagen: Wir sind eine nachhaltige, umweltschonende Alternative.“ – Annemarie Botzki im Interview

„Ich habe noch eine Recherche zum Thema Thunfisch gemacht, weil ich auch die Haie echt liebe und gesehen habe, wie viel Beifang bei den Thunfischen mit dabei ist. Und da haben mich die Zahlen wirklich geschockt.“ – Annemarie Botzki im Interview

foodwatch hat auch beim MSC-Siegel Probleme aufgedeckt, die kaum zum Image des „nachhaltigen Fischfangs“ passen können, und deshalb die Organisation abgemahnt: Auf Dosen mit Thunfisch strahlt das Logo von MSC, aber eigentlich stammen die Fische aus den gleichen Fangeinsätzen der Flotten, wo auch in überfischten Gebieten gefischt wurde.

So verkaufte REWE einen „Ja!“-Thunfisch von einer Fischereiflotte, die auch in überfischten Gebieten Thunfische aus dem Wasser zieht. Trotzdem bekommt die Dose das begehrte MSC-Zertifikat.

Das ist nicht der erste Vorfall und wird vermutlich auch nicht der letzte sein. Gleich nochmal mehr dazu.

Fangmethoden: FADs und Beifang

Wer bei Fisch aus dem offenen Meer – am besten noch kombiniert mit einem MSC-Siegel – daran denkt, dass das jetzt aber wirklich nachhaltig ist, kennt vielleicht noch nicht die üblen Fangmethoden der Industrie:

Ich habe bei Instagram einen Infopost über die Fangmethoden gemacht. Schaut gerne rein, damit ihr einen Überblick habt.

Zwar haben die Fische, die im Meer schwimmen, einen großen Vorteil gegenüber den Tieren in der Aquakultur: sie konnten zumindest einen Teil ihres Lebens in Freiheit leben. Aber der Fang ist nicht weniger grausam, als durch ein Rohr aus den Netzen der Aquakultur gesaugt zu werden.

Ja, ein Rohr wird ins Wasser der Netzkäfige getaucht, das Netz angehoben und dann werden die Fische auf ein Schlachtboot mit Unterdruck gesaugt. That’s the usual business…

Vor allem bei Thunfisch, der in Deutschland nach Lachs und dem Fake „Alaska-Seelachs“ mit 13 Prozent auf dem dritten Platz der meistverkauften Fischprodukte liegt, sind sogenannte Ringwadennetze mit Fischsammlern der traurige Goldstandard. Die Fish Aggregating Devices oder kurz FAD, gelten laut der Deutschen Stiftung Meeresschutz als eine der schädlichsten Fangmethoden.

Ein Ringwadennetz wird als Ring auf der Wasseroberfläche ausgelegt, wobei das Netz langsam nach unten sinkt. Am unteren Ende des Netzes wird dann das Netz wieder verschlossen und man hat eine Art Tasche, die mit Fischen verschiedener Arten gefüllt ist. Anschließend wird dieses gesamte Netz auf das Schiff gezogen.

Dazu kommen aber nun auch noch die Fischsammler oder FADs. Mit schwimmenden Objekten, locken Fischer seit Jahrhunderten Tiere an, um sie dann zu fangen. Skaliert eine ganze Industrie das ins Unermessliche und kombiniert das mit den Ringwadennetzen, dann haben wir ein großes Problem: In diesen Fischsammlern, verkriechen sich dutzende verschiedene Fischarten, die wiederum andere Tiere anziehen.

Wird dieser FAD, samt der umherschwimmenden Lebewesen eingefangen, landen auch jede Menge Tiere auf den Schlachtschiffen, die eigentlich nicht von Menschen gegessen werden.

„Experten schätzen, dass beim Einsatz von FADs und Ringwadennetzen allein im Indischen Ozean jedes Jahr mindestens 200.000 Seidenhaie (hauptsächlich Jungtiere) sinnlos als Beifang sterben. Weitere Beifangopfer sind: Meeresschildkröten, Delfine, andere Haiarten und Wale.“

Aufwand. Aber sie zerstören dabei oft ganze Kolonien.

Dabei ist besonders beeindruckend – im negativen Sinne –, dass 2018 von nur fünf Trawlern mindestens 8.000 Seidenhaie als Beifang gefangen wurden. Fischerboote, die durchschnittlich etwa 35.000 Tonnen Thunfisch fangen.

Auch der abgepackte Thunfisch – Skipjack, Gelbflossenthun und Großaugenthun – kommt zu 90 Prozent aus Gebieten, in denen hauptsächlich mit FADs gefangen wird[viii]. Bereits jetzt gelten sechs der acht Thunfischarten als gefährdet, andere sogar als vom Aussterben bedroht. Trotzdem werden sie nach wie vor gefangen und in unsere Supermarkt-Filialen gebracht.

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Exkurs: Beifang

Nochmal kurz zum Thema Beifang.

So bezeichnet man in der Regel Meerestiere, die statt des eigentlichen Ziels gefangen werden. Ein Fischerboot, das beispielsweise auf der Jagd nach Thunfisch ist, kann in der Regel wenig mit gefangenen Delfinen anfangen. Die Delfine sind also unnötiger Beifang.

Die Krux daran ist aber: Delfine schwimmen sehr oft mit Thunfischen zusammen. Das wissen auch die Fischereiflotten und jagen deshalb gezielt Delfinschulen, um an die eigentlich gesuchten Thunfische zu kommen.

Wird das Netz eingebracht, sind oft erschöpfte oder kleinere Delfine oder Haie mit dabei. Sie landen später meist verwundet wieder im Meer.

Die Gesellschaft zur Rettung der Delfine geht von 300.000 versehentlich gefangenen und getöteten Delfinen und Walen durch Beifang aus.

Es gibt auch noch weitere Dimensionen des Schreckens: Laut einer Studie verenden jedes Jahr sogar bis zu 200.000 Seidenhaie in FADs, ohne, dass sie offiziell als Beifang erfasst werden. Der Thunfisch aus diesen Fängen wird oft trotzdem mit einem MSC-Stempel für „nachhaltige Fischerei“ versehen[ix].

Einen Punkt muss ich hier allerdings machen: Diese Fischereiflotten ziehen pro Jahr hunderttausende Tonnen schwere Netze aus den Ozeanen. Und selbst in den offiziellen Audits sieht die Dimension des Beifangs deshalb verschwindend gering aus.

Beispielsweise wurden bei einer Fangflotte über 67.564 Tonnen Thunfisch gefangen. In den gleichen Netzen wurden auch bedrohte Tierarten gefangen. Allerdings macht dieser Beifang laut Statistik nur wenige Prozentpunkte aus. Etwa 0,25 Prozent Seidenhaie und 0,1 Prozent Walhaie. Das klingt also minimal.

Doch foodwatch rechnet das für uns vor:

„Es wurden 173 Tonnen gefährdete Seidenhaie [(Carcharhinus falciformis)] mitgefangen – das entspricht bei einem angenommenen Gewicht von 100 kg pro Hai geschätzt etwa 1.730 Individuen. 77 Tonnen streng geschützte Walhaie [(Rhincodon typus)] wurden gefangen, was etwa 4–5 Individuen, je nach angenommener Körpermasse, entspricht.“

Ein Bruchteil von den vermutlich 12,1 Millionen Thunfisch-Individuen, bleibt es trotzdem. Deshalb gab’s dann auch das MSC-Zertifikat für den Dosenthunfisch.

Alles recht ähnlich, wie die sogenannte Verlustrate bei Lachs oder in der Tierindustrie an Land: Ein kleiner Prozentsatz klingt nach wenig – ist aber jedes Mal ein Lebewesen zu viel.

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Die MSC-Täuschung

Ich stolpere in letzter Zeit immer wieder über das Scheinargument, dass ja fast alle Menschen Fleisch und Fisch essen, also sei veganer Aktivismus irrelevant. Das ist nicht nur eine billige Ausrede für den eigenen, rückgratlosen Lebenswandel – es normalisiert auch stillschweigend Tierhaltung, Schlachtung und eben die Fischerei als Standard, während einzig der Verzicht darauf als „abnormal“ markiert wird.

So ähnlich kommt es mir auch vor, wenn man sich das MSC-Siegel und die tatsächlichen Bedingungen anschaut: Spätestens mit den Zertifizierungen von ganzen Fischereiflotten, die auch auf destruktive Fangmethoden, wie FADs setzen oder in Beständen fischen, die bereits überfischt sind, hat sich diese Organisation endgültig ins Abseits katapultiert.

Bei einer Flotte, die ebenfalls MSC-zertifiziert ist, wurden laut Audit-Bericht 2022 insgesamt 70 vom Aussterben bedrohte Weißspitzen-Hochseehaie gefangen, 4.486 Seidenhaie, zwei Walhaie, drei Mantarochen und acht Meeresschildkröten. Und das sind eben nur die dokumentierten Fälle, als Beobachter:innen an Bord waren[x].

„Es soll an Bord auch mal aussortiert werden, es gibt da so ein Pilotprojekt: Die haben ein Fließband gebaut, das die Haie raussortieren und schnell zurück ins Wasser bringen soll. Aber das ist nur ein Beispielprojekt, überhaupt nicht etabliert.“ 

„Es gibt Studien dazu, die zeigen, dass Beobachter an Bord den tatsächlichen Beifang systematisch unterschätzen.“ – Annemarie Botzki im Interview

Gegen die MSC-Zertifizierung der genannten Fischreiflotte hatte sogar das Gründungsmitglied der MSC, der WWF, 2018 Einspruch erhoben. Aber dieser Move wurde uns vom Marine Stewardship Council offiziell als Erfolg verkauft:

„Die MSC-Zertifizierung [von Echebastar] ist ein sichtbares Ergebnis der langjährigen Arbeit an fischereilichen Verbesserungen – sowohl seitens der Fischerei, als auch seitens der Thunfischkommission des Indischen Ozeans.“ – Karin Lüdemann von MSC

Und es geht noch weiter: Bei Gelbflossenthunfischen werden durch den Fang ganze Generationen ausgelöscht. Laut der Blue Marine Foundation und der Indian Ocean Tuna Commission sind 97 Prozent der unter FADs gefangenen Gelbflossenthune noch nicht geschlechtsreif. Es werden also Kinder aus dem Wasser gezogen[xi].

Dann ist es auch kein Wunder, dass viele Thunfischbestände als überfischt gelten. Und trotzdem wird weiter gejagt, trotzdem werden weiterhin Siegel vergeben.

Fischfang für den massenhaften Konsum kann einfach nicht „nachhaltig“ sein. Kein Ökosystem ist auf diese maximale Ausbeutung ausgelegt.

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Die Menschen

Bei der Produktion dieser Folge ist mir wieder aufgefallen, wie schwierig es ist, über Fische und Fischerei zu reden, ohne einen Aspekt zu vergessen. Ich weiß jetzt schon, dass ich auf jeden Fall einige Teilbereiche unterbelichtet gelassen habe: die Schlachtung von Fischen, die Produktion von Fischmehl, die Marketingmaschinerie der Industrie und vieles mehr.

Aber ich möchte auf einen Aspekt eingehen, den der zügellose, globale Kapitalismus mit sich bringt:

Fischen ist für viele Küstenbewohner:innen der einzige Zugang zu günstiger Nahrung. Klar, könnte ich mich darüber echauffieren, dass sie fühlende Lebewesen mit Angelhaken und Netzen einfangen und essen – aber diese Menschen sollten nicht im Fokus unserer Kritik an der Fischerei stehen.

Denn dramatischer ist der Impact, den westliche Fischereiflotten in den Ozeanen der Welt haben: Sie verdrängen und bedrängen die lokalen Fischereibetriebe. Wo Fangquoten in manchen Fanggebieten eingebracht wurden, um die lokale Wirtschaft nicht zu schädigen, werden sie von anderen Fangflotten regelmäßig ignoriert und übertreten. Das macht dann wiederum die Situation der lokalen Fischer noch viel prekärer.

Davon abgesehen gibt es auch offene Konfrontationen von großen Fischschleppern und kleinen Fischerbooten: 2015 berichtete der Journalist Ian Urbina über einen Mord an mindestens vier Fischern durch einen Trawler unter taiwanesischer Flagge. Morde, die nur durch Zufall aufgedeckt wurden – mittels forensischer Analyse von Videomaterial auf einem verschrotteten Handy – und deren Täter nie zur Rechenschaft gezogen wurden.

Auf die Frage in einer Talkshow, ob das ein Einzelfall war, sagt der Journalist:

„Leider nicht. Ich meine, wenn man mit Decksleuten von Hochseefischereifahrzeugen über schwerwiegende Verbrechen spricht, hört man davon – die UNO hat 2009 eine umfassende Untersuchung unter Decksleuten im Südchinesischen Meer durchgeführt und festgestellt, dass 49 % der Decksleute Zeugen von Morden an anderen Besatzungsmitgliedern an Bord der Schiffe waren, auf denen sie arbeiteten. Das reicht also nicht aus.“ –

Auch die Menschen, die auf diesen Fischertrawlern angeheuert werden, tun das vor allem wegen des lieben alten Geldes. Mit ein paar Monaten Arbeit auf hoher See versprechen sie sich ein gutes Auskommen. Dabei sind die Basislöhne mit knapp 114 bis 142 US-Dollar sehr kläglich.

Dazu sind die Arbeitsbedingungen teilweise katastrophal: Arbeitsschutz ist weit ab der Küste nur ein Wort. Es gibt schlechte bis keine medizinische Versorgung, lange Arbeitszeiten bei gleichzeitig zu wenig Ruhezeiten, unfaire Vertragsbedingungen sowie verspätete oder einbehaltene Löhne[xii].

Weiter gibt es Verträge in für die Arbeiter:innen fremden Sprachen, Boni für Fangquoten, die nicht für alle gelten, oder auch Einschüchterungsversuche gegen Aufmüpfige.

Und ja, das erinnert uns sehr an die Leiharbeiter:innen, die in deutschen Schlachthöfen arbeiten müssen.

Erst 2023 streikten 2.000 westafrikanische Seeleute gegen die schlechte Bezahlung und Ausbeutung auf europäischen Thunfisch-Trawlern im Indischen Ozean. Damit gab es zwar viel Aufmerksamkeit für die unterirdische Behandlung der Arbeiter:innen, ob sich aber langfristig etwas an der Situation verändert – I doubt it.

Viele dieser Gräueltaten auf den Ozeanen der Welt, werden durch Fangflotten von europäischen, US-amerikanischen, japanischen oder chinesischen Unternehmen vollbracht. Alle haben nur eines im Sinn: Möglichst viel Geld durch die Ausbeutung der Meere machen.

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Reflexion & Transfer

Wir alle kommen nicht drumherum, uns für unsere Ernährungs- und Lebensweise zu verantworten. Oder zumindest sollte dafür ein Mindestmaß an Interesse da sein: Wer Tiere essen will, will wissen, was oder wen er da isst. Ob ich das jetzt gut oder schlecht finde, ist egal, denn die Tiere sind schließlich die Leidtragenden solcher Entscheidungen.

Es gibt viel, das langsam in eine bessere, wenn auch nicht die endgültig richtige Richtung zeigt.

Was sich tut

In Schottland hat die Organisation WildFish Bürger:innen befragen lassen: Über ein Viertel der Befragten forderte staatliche Eingriffe und sagte, dass sie einen vollständigen Ausstieg aus der Aquakultur in Netzkäfigen in Schottland unterstützen.

Selbst der normalsterbliche Fischesser sieht inzwischen ein, dass Überfischung, Beifang und Naturausbeutung einen sehr hohen Preis haben. Und ein Stopp der massiven Expansion der Fischerei und der Aquakulturen kann ein erster Schritt zur Umkehr sein.

Studien aus Kanada und Norwegen zeigen, dass die Reduktion oder Auflösung von Lachsfarmen einen Rückgang der Seeläuse auf Wildlachsen von bis zu 94 Prozent brachte. Wahrscheinlich gibt es selten einen direkteren Hinweis darauf, dass die Aquakulturen ein großes Problem sind.

Und auch am „End of Fish-Day“ im März haben zehn Organisationen einen schnellen und konkreten Wandel in der Fischerei und auch im Fischkonsum gefordert. Dabei ist auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) Ziel der Forderungen geworden: Denn noch immer rät die DGE zu viel zu vielen Produkten aus Meerestieren. Ganz abgesehen davon, dass die DGE bei der Gemeinschaftsverpflegung – die rund 16 Millionen Menschen täglich betrifft – auf Nachhaltigkeit scheißt.

In den UK fordert die Initiative „Crustacean Compassion“ die Industrie dazu auf, mehr für den Schutz von Krustentieren zu tun. Mit einem Benchmarking, das die Unternehmen nach ihrem verantwortungsbewussten Umgang mit Krabben, Hummern und anderen Zehnfußkrebsen bewertet.

Ob das Erfolg hat, kann ich sowieso nicht sagen – aber es klingt wie einer von vielen, kleinen Schritten…

Auch für die Menschen an Bord der Flotten gibt es zumindest auf dem Papier Bewegung: Die Konvention 188 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) mit dem Titel „Arbeit in der Fischerei”, soll weltweite Mindeststandards für Löhne, Verträge, Ruhezeiten und medizinische Versorgung auf See festschreiben. Ratifiziert haben sie bislang 26 Staaten. Leider sind große Fangnationen wie China, die USA oder Taiwan noch nicht dabei.

Der Streik der Seeleute von 2023 hat für einen kurzen Augenblick Aufmerksamkeit gebracht. Durch den Druck wurde zumindest ein Übergangslohn vereinbart. Doch eine Anpassung an die ILO-Standards, gab es leider auch mehrere Jahre nach dem Streik immer noch nicht.

Dieselbe Geschichte wie bei der Tierindustrie an Land: Aufmerksamkeit ist der erste Schritt. Aber jetzt ist endlich politische Durchsetzung gefragt.

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Abschluss

Draußen brutzelt die Sonne. Die Bäume und Pflanzen leiden unter Wassermangel, aber auch den Kühen, Schweinen, Hühnern und Schafen macht die Hitze in unserer Welt nach dem Klimawandel zu schaffen.

Aber hier im Supermarkt ist es dank Klimaanlage wohltemperiert. Und ihr steht gerade vor dem Regal mit den Konserven. Heute Abend soll es nur ein gesundes Salätchen geben. Viel Grünzeug, bisschen Mais und eine Dose Thunfisch. Das schmeckt kalt sicher gut.

Auf der Dose ist ein Siegel drauf, das „nachhaltige Fischerei“ verspricht. Super.

Aber wenn ihr das Teil dann in der Hand habt, beschleicht euch ein mulmiges Gefühl: irgendwas stimmt da nicht.

Bilder von Haien, Delfinen und auch dem Mord auf hoher See blitzen vor euren inneren Augen auf.

Die Dose fällt euch aus der Hand.

Aber dann kommt euch der Gedanke: Da gab’s doch eine Alternative.

Na gut, dummer Name: „Thun-Visch“ mit V. Aber immerhin kein Siegel, das mehr verspricht, als es jemals halten kann.

Die Begegnung von Annemarie mit dem Putzerfisch, oder auch Jonathans „kurze Liaison“ mit einem Fisch aus der letzten Folge, sind Begegnungen, die verändern. Unser Blick schärft sich plötzlich und sieht in diesem kleinen Wesen mehr. Ein Fisch mit einer Agenda. Mit einem Plan und mit einer Zukunft. Kein Lebewesen, das nur ein Preisschild hat.

Aber was, wenn all diese Begegnungen bald nicht mehr möglich sind? Weil die Meere zu toten, blauen Flächen geworden sind. Weil Putzerfische in Lachsfarmen zu Hunderttausenden gestorben und Lachse in der Wildnis komplett verschwunden sind.

 

Wir haben das in der Hand.

Und wenn das auch mal bedeutet, dem Ulf die Garnelen-Spieße madigzureden, die er da gerade auf euren Grill schmeißen will.

 

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Intro-Musik von: Manuel Rathje

Für diesen Podcast wurden Stimmen teilweise mithilfe von KI erstellt.

Weitere Quellen

Der Newsletter des Ethologen und Autors Jonathan Balcombe: https://www.jonathanbalcombe.com/newsletter/

FAO: „The State of World Fisheries and Aquaculture”: https://openknowledge.fao.org/items/da88cb90-9c91-4f70-9331-68fe71c91ddc

Blue Marine Foundation: Diskriminierung und Sklaverei auf Hoher See:
https://www.bluemarinefoundation.com/the-hidden-cost-of-tuna-discrimination-on-board-european-fishing-

Patagonia: „A Salmon Nation“:
https://www.youtube.com/watch?v=rfLBmMK1SAg

Delfin aus Ringwaden-Netz gerettet: https://www.morski.hr/video-herojski-cin-ribar-skocio-u-mrezu-kako-bi-golim-rukama-spasio-zapetljanog-dupina/

Alles über Fangmethoden: https://www.delphinschutz.org/delfine/gefahren-fuer-delfine/fischfangmethoden/

Deutsche Welle: „Norwegens größte Lachsfarm“: https://www.youtube.com/watch?v=VKvTyfQvxCg

SPIEGEL: „»Der Lachs, wie wir ihn kennen, ist ein Industrieprodukt«“: https://www.spiegel.de/ausland/lachs-aus-aquakulturen-der-lachs-wie-wir-ihn-kennen-ist-ein-industrieprodukt-a-61d2d4c0-32dc-4510-ac92-1f10c45728cc

Foodwatchs Bericht „Faule Fische“: https://www.foodwatch.org/fileadmin/-DE/Themen/Tierhaltung/Dokumente/2024-12-04_Faule_Fische_Report.pdf

Foodwatchs Bericht „Thunfisch: Betrug in Dosen“: https://www.foodwatch.org/fileadmin/-DE/Themen/Tierhaltung/Dokumente/Thunfisch.pdf

WWF-Artenlexikon über Lachs: https://www.wwf.de/themen-projekte/artenlexikon/atlantischer-lachs

Sehr interessantes Video über die Putzerfische und das generelle „Self-Awareness“ in anderen Tieren: Anton Petrov auf YouTube: „First Scientific Confirmation of Conciousness in a Tiny Fish“
https://www.youtube.com/watch?v=Drbl5udwk9I

 

Careless Whisper in der „richtigen“ Variante: https://www.youtube.com/watch?v=tHfpgiBoT28#

Quellen & Hintergründe

[i] DW Deutsch: „Lassen sich Lachse artgerecht und nachhaltig züchten?“
https://www.youtube.com/watch?v=VKvTyfQvxCg

[ii] Zahl aus dem Report von foodwatch: „Faule Fische“, Seite 13

Alle Fisch-Aquakulturen: https://www.barentswatch.no/fiskehelse/localities

[iii] Eigene Berechnung: Parr: 5,5 bis 10 cm, Smolts: 12 bis 16 cm, Adulte Lachse: 71 bis 90 cm => 88.500 km bis 116.000 km. Der Äquator-Umfang ist rund 40.000 km. =>  2,2 bis 2,9 x Umrunden.
https://waves-vagues.dfo-mpo.gc.ca/library-bibliotheque/282289.pdf

[iv] Konzentration der Top-10-Produzenten: 18,9 % (1996) → 69,3 % (2022) der norwegischen Gesamtproduktion.
Quelle: Fiskeridirektoratet (Norwegische Fischereidirektion): „Grow-out production of Atlantic salmon and rainbow trout – Statistics.”
https://www.fiskeridir.no/English/Aquaculture/Statistics/Atlantic-salmon-and-rainbow-trout/grow-out-production

[v] SPIEGEL: „Parasiten in der Lachsproduktion – Vampirjagd unter Wasser“, vom 26.07.2024
https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/parasiten-in-der-lachsproduktion-wie-zuechter-mit-immer-neuen-tricks-laeuse-toeten-a-ddf24b57-9c5d-4c23-9272-039f192004d7

Archiv: https://archive.is/ioG1e

[vi] ebenda

[vii] Ein wichtiger Ort für den Fischfang ist die Küste vor Westafrika. Hier werden auch Unmengen Fischmehl produziert. Insgesamt werden rund  5,6 Mio. Tonnen Fischmehl und 1,2–1,3 Mio. Tonnen Fischöl produziert.

Quelle: FAO GLOBEFISH Quarterly Fishmeal and Fish Oil Analysis, 2024/2025,
https://fao.org/in-action/globefish/species-analysis/fishmeal-and-fish-oil/en

[viii] Laut foodwatch: Thunfisch-Report

[ix] Laut foodwatch: Thunfisch-Report, Primärquelle: John D Filmalter, Robert K Bauer, Fabien Forget, Paul D Cowley, Laurent Dagorn, Movement behaviour and fishery interaction of silky sharks (Carcharhinus falciformis)

in the tropical tuna purse seine fishery in the Western Indian Ocean, ICES Journal of Marine Science, Volume 78, Issue 7, October 2021, Pages 2474–2485,

https://doi.org/10.1093/icesjms/fsab119

[x] Laut foodwatch: Thunfisch-Report, Primärquelle: Marine Stewardship Council (MSC), Surveillance Report – Year 1: Echebastar Indian Ocean Purse Seine Skipjack Tuna Fishery, veröffentlicht am 30. Juni 2023,

Tabelle 4-8, S. 22, Zugriff am 4.8.2025
https://fisheries.msc.org/en/fisheries/echebastar-indian-ocean-purse-seine-skipjack-tuna/@@assessment-documentsets?assessment_step=Surveillance+Audit&documentset_name=Surveillance+report&assessment_id=FA-03379&phase_name=Ongoing+surveillance&start_date=2023-06-30

[xi] Laut foodwatch: Thunfisch-Report, Primärquelle: Blue Marine Foundation, „Statement in Advance of the 28th Session of the IOTC,“ Blue Marine Foundation News, 02.05.2024, accessed July 24, 2025,

https://www.bluemarinefoundation.com/statement-in-advance-of-the-28th-session-of-the-iotc/

[xii] Blue Marine Foundation: „The hidden cost of tuna: Discrimination on fishing vessels“, 22.07.2025
https://www.bluemarinefoundation.com/all-resources/the-hidden-cost-of-tuna-discrimination-on-board-european-fishing-vessels/

 

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