Ein Kuhstall

Subventionen: Was der Staat der Tierindustrie schenkt

Fleisch, Fisch und Milch zahlen 7 statt 19 % Mehrwertsteuer. Das kostet den Staat 4 Mrd. € pro Jahr. Alle Zahlen aus dem Klima-Subventionsbericht 2026.

Ein Kuhstall

Fleisch, Fisch und Milchprodukte werden in Deutschland mit 7 Prozent Mehrwertsteuer besteuert. Regulär sind es 19. Was nach einer Kleinigkeit klingt, ist der größte Einzelposten unter den klimaschädlichen Agrarsubventionen: 4,06 Milliarden Euro entgingen dem Staat dadurch 2024. Das zeigt der Klima-Subventionsbericht 2026 der Bertelsmann Stiftung und des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS).

11 Millionen Euro am Tag

Teilt man die 4.056 Millionen Euro durch 365 Tage, sind das rund 11 Millionen Euro täglich. (Das ist unsere eigene Rechnung, keine Zahl aus dem Bericht.) Zum Vergleich: 2018 lag der Betrag noch bei 5,24 Milliarden Euro.

Dabei gilt der ermäßigte Satz auch für Obst und Gemüse. Pflanzliche Alternativen zu Milchprodukten sind dagegen nicht ermäßigt. Der Bericht nennt ein Beispiel: Kaffee to go mit Kuhmilch (mindestens 75 % Milchanteil) wird mit 7 % besteuert, mit Milchersatz mit 19 % (Fußnote 17, S. 72 des Klima-Subventions-Berichts).

Andere Beiträge:

Fast zwei Drittel der Ernährungs-Emissionen

Tierische Lebensmittel verursachen laut Bericht fast zwei Drittel der ernährungsbedingten Treibhausgase in Deutschland, pflanzliche rund 30 %. Würden tierische Produkte mit 19 statt 7 % besteuert, ließen sich rund 2,12 Millionen Tonnen CO₂e pro Jahr einsparen. In der Landwirtschaft selbst geht mit 34,9 Millionen Tonnen CO₂e (64,5 %) der größte Teil auf die Tierhaltung zurück.

Die Mehrwertsteuer ist nur Posten 1 von 5

Insgesamt beziffert der Bericht die (teilweise) klimaschädlichen Subventionen in der Landwirtschaft auf rund 8,5 Milliarden Euro (Tabelle 5, S. 21):

PostenMio. €
Mehrwertsteuer-Ermäßigung, tierische Lebensmittel4.056
EU-Agrarzahlungen (GAP), teilweise klimaschädlich3.460
Kfz-Steuerbefreiung, landwirtschaftliche Fahrzeuge485
Agrardiesel423
Mehrwertsteuer-Ermäßigung, Brennholz49

Wichtig zur Einordnung: Nur die Mehrwertsteuer-Ermäßigung betrifft ausschließlich tierische Produkte. GAP und Agrardiesel schlüsselt der Bericht nicht nach Tier und Pflanze auf.

EU-Geld für Fläche, nicht für Klima

Die EU-Agrarpolitik (GAP) zahlte 2024 rund 6,5 Milliarden Euro an etwa 300.000 Begünstigte. Der Großteil sind Direktzahlungen (4,32 Mrd. € an 288.921 Betriebe), bemessen nach Fläche, nicht nach Klimaleistung. Die Verteilung ist ungleich: 5.222 Betriebe (1,8 %) erhalten 26,3 % des Geldes, fast die Hälfte der Betriebe (47,5 %) zusammen nur 6,3 %.

Und nicht alles bleibt bei den Landwirt:innen. Laut Thünen-Institut fließen 50 bis 60 % der Direktzahlungen über höhere Pachten an Verpächter:innen. Eine NABU-Studie kommt zu dem Schluss, dass die Produktion ohne GAP-Zahlungen nur gering sänke. Wie stark Verbände ihre Interessen in Berlin und Brüssel durchsetzen, beleuchten wir in unserem Beitrag zur Agrarlobby.

Agrardiesel: Streichung zurückgenommen

423 Millionen Euro Steuererstattung gab es 2024 für Agrardiesel. Ab 2026 war das Aus vorgesehen, die neue Bundesregierung nahm es zurück: Seit dem 1. Januar 2026 gelten wieder 21,48 Cent je Liter. Die Autor:innen des Berichts nennen die Subvention »überflüssig und ungeeignet«.

Was der Bericht vorschlägt

Obst und Gemüse sollen künftig 0 % Mehrwertsteuer zahlen, tierische Produkte 19 %. Der Saldo wäre positiv: +0,5 Milliarden Euro (−3,5 und +4 Milliarden). Der Bericht warnt allerdings, dass die Reform einkommensschwache Haushalte stärker belasten würde und deshalb einen sozialen Ausgleich braucht.

Warum das für uns ein Thema ist

Subventionen sind kein Naturgesetz, sondern politische Entscheidungen. Sie machen Produkte billig, deren Preis andere zahlen: Tiere, Klima und Steuerzahler:innen.

dreckige pfoten

Quellen

  • Klima-Subventionsbericht 2026, Bertelsmann Stiftung / Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (Fiedler u. a.), DOI 10.11586/2026129; Tabelle 5 (S. 21), Kapitel 3.8 bis 3.10 (S. 71–85). Publikationsseite
  • Die im Bericht zitierten Primärquellen (S. 71–85): Destatis 2026a (Steuermindereinnahmen), Agora Agrar 2026a (Emissionsanteile), Plötz u. a. 2024 (2,12 Mio. t CO₂e), BMLEH 2025b/2025d (GAP-Verteilung), UBA 2025d (Tierhaltung), Thünen-Institut 2025 (Pacht), NABU 2026, BMF 2025a, Deutscher Bundestag 2025 und BMLEH 2025a (Agrardiesel)
  • Eigene Berechnung: 4.056 Mio. € ÷ 365 Tage ≈ 11,1 Mio. € pro Tag