Schlagwort: Tierhaltung

  • Statt Verbesserung – Bauernverband für ein “weiter so” bei der Anbindehaltung

    Statt Verbesserung – Bauernverband für ein “weiter so” bei der Anbindehaltung

    Erst kürzlich wurde ein Milchbauer aus dem Schwarzwald zu einer Bewährungsstrafe wegen der ganzjährigen Anbindehaltung verurteilt. Und was macht der Bayerische Bauernverband aktuell? – Eine Infoveranstaltung, wie man am besten ohne solche Unannehmlichkeiten weitermachen kann.

    Genau solche Lobby-Moves sind es, die eindeutig tierquälerische Praxis zu einem Dauerproblem machen, zu dem kaum ein Ende gefunden wird.

    Kuh in Anbindehaltung mit Strick an der Nase
    Kuh in Anbindehaltung mit Strick an der Nase

    Was der Bauernverband rät

    Mindestens 165 Zentimeter Liegefläche. Dazu ein „Bewegungsspielraum an Ort und Stelle“. So zeigt eine Folie des Bayerischen Bauernverbands (BBV), wie Anbindehaltung aussehen muss, damit sie angeblich weiterhin erlaubt ist.

    Vielleicht ist die Logik so: Wenn in Bayern schon die meisten Rinder in Anbindehaltung stehen, dann sollen sie es wenigstens „ohne Ärger“ (für die Landwirt:innen) tun.

    Deshalb lädt einer der größten Bauernverbände Deutschlands gemeinsam mit der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und dem LKV Bayern zu kostenlosen Online-Workshops ein. Angekündigt werden „rechtliche und fachliche Anforderungen“. Was das bedeutet, ist leider weniger Tierschutz, als ein lapidares „Weiter so“ …

    Die Rechtslage laut Bauernverband

    Für Kälber ist Anbindehaltung seit Langem verboten: sie dürfen seit 1998 nicht mehr angebunden werden. Für Kühe über sechs Monate gibt es keine Verordnung.

    Deshalb bedient sich der BBV – und auch die meisten Veterinärbehörden – an den Grundlagen des Tierschutzgesetzes und der sogenannten „Tierschutz-Nutztier-Verordnung“.

    Lapidar gesagt: Hauptsache, es gibt Futter, Wasser und keine Schläge.

    Was die Folge davon ist? – Knapp eine Million Kühe werden noch immer in Anbindehaltung gehalten.

    Skizze zur Anbindehaltung, wie sie der Bauernverband OK findet
    Skizze zur Anbindehaltung, wie sie der Bauernverband OK findet

    Interpretation oder Manipulation?

    Obwohl der BBV selbst einräumt, dass laut Tierschutzgesetz Bewegungsmangel erhebliches Leid verursacht, wird dieser bei der Veranstaltung als „toleriert“ dargestellt:

    Laut Bayerischem Bauernverband: "Bewegungsmangel" ist "tolieriert" (Quelle: Folien zur Infoveranstaltion "Aber Anbindehaltung ist doch erlaubt?")
    Laut Bayerischem Bauernverband: “Bewegungsmangel” ist “tolieriert” (Quelle: Folien zur Infoveranstaltion “Aber Anbindehaltung ist doch erlaubt?”)

    Statt den Landwirt:innen zu raten, sich zumindest in Richtung Lautstall zu entwickeln (oder zu bedenken, ob Tierhaltung für sie noch das Richtige ist) – wird vom bayerischen Bauernverband Folgendes empfohlen:

    (Quelle: Folien zur Infoveranstaltion "Aber Anbindehaltung ist doch erlaubt?")
    (Quelle: Folien zur Infoveranstaltion “Aber Anbindehaltung ist doch erlaubt?”)

    „Machen Sie sich möglichst wenig angreifbar!“ 

    Für die Praxis hat der BBV auch Hinweise parat: Der Betrieb soll sauber sein, die Kühe „wohlgenährt“ und das Futter ansprechend aussehen.

    Wer Betriebe mit (ganzjähriger) Anbindehaltung (zurecht) anzeigt, ist laut Bauernverband oft sehr emotional unterwegs und hat angeblich keine Ahnung.

    So kann der BBV ganz einfach herunterspielen, dass das Leid der Kühe in Anbindehaltung real ist und die Anzeigen gegen Betriebe mit dieser tierquälerischen Haltungsform sehr wohl berechtigt sind.

    Protest am 10.10. gegen die Anbindehaltung

    Ein breites Bündnis hat für den Herbst zu einer Demonstration gegen die Anbindehaltung aufgerufen. Neben „ProVieh“ und „Animals United“ sind auch die „Deutsche Tier Lobby“ dabei und Tierärzt:innen, die ganz sicher Besseres im Sinn haben, als der BBV.

  • Gerbisbach: Wie ein Fall zum Sinnbild für Behördenversagen wurde

    Gerbisbach: Wie ein Fall zum Sinnbild für Behördenversagen wurde

    True Crime in Deutschland – unterschätzte Fälle

    Ein Dörfchen in Sachsen-Anhalt. Felder, Stille, der Geruch von Gülle in der Luft. Und irgendwo dahinter: tausende Schweine hinter Dämmen aus Bürokratie.

    Nein zur Schweinemast in Gerbisbach

    Stell dir vor: Ein Gericht entscheidet, dass eine Anlage so nicht betrieben werden darf. Die Behörden wissen es. Die Anwohner:innen kämpfen seit Jahren dagegen an. Und die Schweinefarm läuft einfach weiter.

    Das klingt nach einem Krimi. Es ist aber ein realer Fall aus Sachsen-Anhalt – und er zeigt, wie systematisch das Versagen von Behörden, Politik und Rechtsstaat gegenüber der grausamen Massentierhaltung sein kann.

    Was in Gerbisbach passiert ist

    Seit 2014 betreibt ein Unternehmer in Gerbisbach eine Anlage mit zigtausenden Schweinen.

    Die Menschen in der Nähe wollten das von Beginn an nicht einfach hingenommen. Sie haben Akten durchforstet, Anwält:innen eingeschaltet, Petitionen gestartet. Sie haben geklagt, verloren, wieder geklagt – und inzwischen gewonnen!

    Und doch: Der Betrieb läuft. Jahr für Jahr. Die Abgründe der Massentierhaltung bleiben für tausende Schweine pro Jahr Realität.

    Im Zentrum steht nicht nur ein Unternehmen, das Regeln bricht – sondern auch ein früherer Landwirtschaftsminister, der nach seiner politischen Karriere als Berater für eben diese Branche tätig wurde. Ein klassisches Drehtür-Phänomen zwischen Politik und Agrarindustrie.

    Der riesige Schweinestall in Gerbisbach hat bis heute keine rechtsgülitige Genehmigung - aber läuft weiter...

    Warum dieser Fall so symptomatisch ist

    Der Fall Gerbisbach ist kein Einzelfall – er ist ein Muster. Er zeigt:

    • Wie langsam Rechtsmittel gegen industrielle Tierhaltung wirken, selbst wenn Bürger:innen Recht bekommen.
    • Wie politische Netzwerke dafür sorgen können, dass Vollzug ausbleibt.
    • Wie Bürger:innen jahrelang gegen ein System kämpfen – und trotzdem kaum gehört werden.
    • Und wie die Geschichte der DDR-Landwirtschaft bis heute nachwirkt: Viele dieser Megaanlagen entstanden aus ehemaligen LPG-Betrieben – und wurden nach der Wende privatisiert, ohne dass die strukturellen Probleme gelöst wurden.

    Ein Kampf, den kaum jemand sieht

    Man muss sich das vorstellen: Da sitzen Menschen an Küchentischen, wälzen Gerichtsbeschlüsse, schreiben Einsprüche – während ein paar hundert Meter entfernt die Anlage läuft, als wäre nichts. Keine News, keine nationale Berichterstattung. Aber jede Menge Aktenordner und Erschöpfung.

    Während einzelne Tierrettungsaktionen gottseidank viral gehen, bleibt das systemische Versagen oft im Verborgenen. Kein Einzelschicksal, das sich leicht teilen lässt. Nur ein jahrelanger, stiller Kampf gegen Mühlen, die sich einfach weiterdrehen. Zermürbende Realität der Tierfabriken-Gegner:innen.

    Genau das ist der Grund, warum dreckige Pfoten über solche Fälle berichtet. Die systematische Untergrabung von Tierrechten und gezielte Lobbyarbeit muss aufgedeckt werden.

    Den ganzen Fall hören

    In der zweiteiligen Episode „Lobby Schweinerei“ nimmt dreckige Pfoten den Fall Gerbisbach auseinander: die Vorgeschichte, die Gerichtsverfahren, die politischen Verbindungen und den Kampf einer Anwohnerin seit 20 Jahren.

    dreckige Pfoten öffnet Türen. Der Podcast lässt die Menschen zu Wort kommen, die Tierleid dokumentieren. Er erzählt die True-Crime-Fälle, über die niemand spricht – investigativ recherchiert, mit allen Quellen offengelegt.

    Die Musik und die KI-Stimmen habe ich von Artlist. Meldet euch unter diesem Link€ an, um diese Musik, AI-Bilderstellung oder AI-Voice-overs und vieles andere für euren Content zu nutzen.
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  • 06. Deep Dive: Videoüberwachung auf dem Schlachthof

    06. Deep Dive: Videoüberwachung auf dem Schlachthof

    Videoüberwachung im Schlachthof

    Deep Dive

    Die Hölle auf Erden soll nun auch noch videoüberwacht werden: Ein Gesetzesentwurf von Metzgermeister und Landwirtschaftsminister Alois Rainer sieht vor, dass gewisse Schlachthöfe videoüberwacht werden. Doch bei diesem angeblichen „tierschutzfördernden Schritt“, gibt es einige blinde Flecken, die keinem Tier weiterhelfen werden.

    Diese Folge ist ein sogenannter „Deep Dive“. Ich möchte damit ein paar Themen kurz und knapp beleuchten, die vielleicht an anderer Stelle untergehen würden. Wundert euch nicht, wenn die sonst übertrieben gute Qualität heute mal etwas weniger gut ist – das .. ehm … muss so.

    Aber bald geht’s weiter mit investigativ-Stories aus der schlimmsten Industrie der Welt. Versprochen!

    dreckige pfoten

    Warum eine Videoüberwachung keinen Tierschutz bringt

    Im Dezember 2025 hat unser lieber Bundeslandwirtschaftsminister und ehemaliger Metzger, Alois Rainer, der „Rheinischen Post“ ein Interview gegeben und verkündet, dass Schlachthöfe künftig verpflichtend videoüberwacht werden sollen.

    Aber schon der Titel über dem Interview verrät, wie voreingenommen der Minister ist:

    „In einem guten Döner ist alles drin“ – Alois Rainer im Interview mit der Rheinischen Post.

    Wie wohlwollend gegenüber der Tierindustrie Herr Rainer ist, hat er schon öfter bewiesen. Im Februar 2026 gab’s schon den „Milchgipfel“ für Lobbyfreunde, powered by Landwirtschaftsministerium. Und Anfang März wurde der Wolf zum Abschuss freigegeben. Kurz darauf ließ Rainer verlauten: Es ist so weit, es kommt ein Gesetzesentwurf für die Überwachung von Schlachthöfen.

    Nun sollen also bestimmte Schlachthöfe, mit bestimmten Betriebsgrößen mit Kameras€ versorgt werden. Für mehr Transparenz. Als Qualitätsmerkmal.

    Die Ampel-Regierung ist daran gescheitert. Wir machen das jetzt.

    – Alois Rainer im Interview mit der Zeit.

    Dabei vergisst der CSU-Alois, dass vor allem seine Partei Tierschutz schon oft genug untergraben hat. Denn vor der Ampel-Regierung waren es stets CSU/CDU-Personen, die als Landwirtschaftsminister die Geschäfte der Lobby leiten sollten.

    Stöhn… aber jetzt mal ohne Zynismus.

    Warum Videoüberwachung?

    Jeder Schlachthof ist ein sehr sensibler Ort, an dem Tierleben ihr Ende finden, damit später aus ihnen ein Stück Fleisch werden kann.

    Tiere kommen an. Sie warten. Sie werden betäubt – zumindest ist das die gesetzliche Pflicht. Und dann sterben sie. Durch Ausbluten.

    So rational stellen sich vermutlich viele einen Schlachthof vor.

    Aber so ist es leider nicht: Zwischen dem, was das Gesetz vorschreibt, und dem, was tatsächlich passiert, klafft oft eine Lücke. Eine Lücke, die wir nur kennen, weil Recherche-Aktivisti immer wieder mit versteckten Kameras in diese Betriebe gegangen sind.

    In den Episoden eins bis drei habe ich euch Anna und Hendrik vorgestellt, die gezeigt haben, wie sehr Schweine bei der CO₂-Betäubung leiden. Und die ist für 80 % der Schweine das Standardverfahren!

    Aber auch aus einem der größten Geflügelschlachthöfe in Bayern wurden erst 2025 grausame Aufnahmen veröffentlicht, die Tierquälerei am laufenden Band zeigen – gepaart mit grausamen Übergriffen der Mitarbeitenden.

    Das, was Geflügel-Schlachthöfe von Schlachthöfen für Säugetiere vor allem unterscheidet, ist die große Anzahl der Tiere, die dort getötet werden, aber auch, dass sie viel wehrloser sind. Und diese Kombination führt letztlich zu einer unfassbaren Verrohung der Mitarbeitenden. […] Die Gewalt, die wir dort erlebt haben und die wir für so einzigartig hielten, findet aber in anderen Schlachthöfen genauso statt.

    – Recherche-Aktivist im Interview

    Es ist immer wieder dasselbe Bild: unzureichende Betäubung, Schläge, Panik, Leid. Und immer wieder die gleiche Reaktion: Empörung, eine Staatsanwaltschaft, die vermutlich nur halbherzig ermittelt, und dann – Stille.

    Kaum gibt es Verurteilungen – wenn, dann gibt es für einzelne Niedriglohn-Arbeiter:innen eine Geldstrafe.

    Es wird ernst

    Auch deshalb gab es immer wieder Forderungen von Tierschützenden, dass eine flächendeckende Kameraüberwachung für Schlachthöfe geplant werden soll.

    Die Idee dahinter: dauerhaft installierte und kontrollierte Kameras sollen Übergriffe und Tierleid minimieren.

    In Großbritannien ist eine Videoüberwachung zu Teilen seit 2019 Pflicht und auch in Spanien oder den Niederlanden gibt es das Konzept.

    In der Großen Koalition unter Agrarminister Peter Hauk (CDU) gab es einen Vorstoß. 2020 war das Thema so weit gediehen, dass es fast ein Gesetz gegeben hätte.

    Doch plötzlich kamen datenschutzrechtliche Bedenken dazwischen: Die Verhältnismäßigkeit müsse gewahrt bleiben – und eigentlich sollten Tierschutzverstößen ja besser vor Ort begegnen werden.

    Dann die Ampel-Regierung: Im Tierschutzgesetz-Novellierungsverfahren 2024 war Videoüberwachung vorgesehen – für größere Schlachthöfe.

    Und jetzt, sieht es wieder nach einem Gesetzentwurf aus – aber auch nach einer Umstrukturierung des Landwirtschaftsministeriums, das Tierschutz einen hinteren Rang einräumen will.

    Aber naja – wir warten dann mal.

    Ich will fair sein: Es gibt echte rechtliche Fragen rund um Videoüberwachung am Arbeitsplatz. Die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags haben das mehrfach analysiert. Eine flächendeckende, verdachtsunabhängige Totalüberwachung von Mitarbeitenden – das ist datenschutzrechtlich tatsächlich nicht trivial. Die DSGVO kennt das berechtigte Interesse der Beschäftigten an ihrer Privatsphäre. Auch wer im Schlachthof arbeitet, hat Grundrechte.

    Aber – und das ist entscheidend – weder Großbritannien noch Spanien haben die DSGVO deswegen umgangen. Sie haben Lösungen gefunden: Es gibt Zugriffsregeln und eine klare Zweckbindung. Außerdem Speicherfristen.

    Der Gesetzentwurf

    Was unser Alois hier als großen Wurf verkauft, ist nicht wirklich neu.

    Schon in den Vorarbeiten zur Novellierung des Tierschutzgesetzes 2024 gab es einen Gesetzentwurf für Videoüberwachung, der genauso klingt, wie das Zeug, das jetzt zur Debatte steht:

    Das ganze Skript?

    für supporter

    Dieser Podcast verlangt eine Menge ab von allen Beteiligten. Dafür bietet er euch Content, den es sonst nirgendwo gibt. Deshalb gibt es das komplette Transkript nur für Supporter.

    Das war der erste „Deep Dive“ von dreckige Pfoten.

    „dreckige Pfoten“ bringt Licht ins Dunkle und macht Seilschaften, Lobbyismus, Tierqual und die Arbeit von dutzenden Recherche-Aktivisti sichtbar.

    Und eine Bitte: Wenn ihr von dieser Story nur 10 % interessant fandet, sagt es weiter, schreibt einen Kommentar und bewertet den Podcast! Das hilft eine Menge!

    Außerdem gibt es einen Patreon-Account. Schaut einfach vorbei und sagt „hi!“

    Intro-Musik von: Manuel Rathje

    Für diesen Podcast wurden Stimmen teilweise mithilfe von KI € erstellt.

    dreckige pfoten

    Quellen

    Rainers Ankündigung (Dez. 2025) + heutiger Gesetzentwurf (März 2026)

    Tierschutznovelle 2024: Kabinett & Bundesrat

    Tierschutznetzwerk Kräfte bündeln – Stellungnahme (Jan. 2026)

    aktion tier – Hintergrundartikel (Okt. 2025)

    Wissenschaftliche Dienste des Bundestags

    dreckige pfoten

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    eindringliche
    Geschichten

    Nicht »noch ein Laber-Podcast« – sondern eindringliche Geschichten, mit Haltung und Herz über die grausamste Industrie unserer Zeit.