Kategorie: Episoden

Jede Folge von dreckige Pfoten

  • 06. Deep Dive: Videoüberwachung auf dem Schlachthof

    06. Deep Dive: Videoüberwachung auf dem Schlachthof

    Videoüberwachung im Schlachthof

    Deep Dive

    Die Hölle auf Erden soll nun auch noch videoüberwacht werden: Ein Gesetzesentwurf von Metzgermeister und Landwirtschaftsminister Alois Rainer sieht vor, dass gewisse Schlachthöfe videoüberwacht werden. Doch bei diesem angeblichen „tierschutzfördernden Schritt“, gibt es einige blinde Flecken, die keinem Tier weiterhelfen werden.

    Diese Folge ist ein sogenannter „Deep Dive“. Ich möchte damit ein paar Themen kurz und knapp beleuchten, die vielleicht an anderer Stelle untergehen würden. Wundert euch nicht, wenn die sonst übertrieben gute Qualität heute mal etwas weniger gut ist – das .. ehm … muss so.

    Aber bald geht’s weiter mit investigativ-Stories aus der schlimmsten Industrie der Welt. Versprochen!

    dreckige pfoten

    Warum eine Videoüberwachung keinen Tierschutz bringt

    Im Dezember 2025 hat unser lieber Bundeslandwirtschaftsminister und ehemaliger Metzger, Alois Rainer, der „Rheinischen Post“ ein Interview gegeben und verkündet, dass Schlachthöfe künftig verpflichtend videoüberwacht werden sollen.

    Aber schon der Titel über dem Interview verrät, wie voreingenommen der Minister ist:

    „In einem guten Döner ist alles drin“ – Alois Rainer im Interview mit der Rheinischen Post.

    Wie wohlwollend gegenüber der Tierindustrie Herr Rainer ist, hat er schon öfter bewiesen. Im Februar 2026 gab’s schon den „Milchgipfel“ für Lobbyfreunde, powered by Landwirtschaftsministerium. Und Anfang März wurde der Wolf zum Abschuss freigegeben. Kurz darauf ließ Rainer verlauten: Es ist so weit, es kommt ein Gesetzesentwurf für die Überwachung von Schlachthöfen.

    Nun sollen also bestimmte Schlachthöfe, mit bestimmten Betriebsgrößen mit Kameras versorgt werden. Für mehr Transparenz. Als Qualitätsmerkmal.

    Die Ampel-Regierung ist daran gescheitert. Wir machen das jetzt.

    – Alois Rainer im Interview mit der Zeit.

    Dabei vergisst der CSU-Alois, dass vor allem seine Partei Tierschutz schon oft genug untergraben hat. Denn vor der Ampel-Regierung waren es stets CSU/CDU-Personen, die als Landwirtschaftsminister die Geschäfte der Lobby leiten sollten.

    Stöhn… aber jetzt mal ohne Zynismus.

    Warum Videoüberwachung?

    Jeder Schlachthof ist ein sehr sensibler Ort, an dem Tierleben ihr Ende finden, damit später aus ihnen ein Stück Fleisch werden kann.

    Tiere kommen an. Sie warten. Sie werden betäubt – zumindest ist das die gesetzliche Pflicht. Und dann sterben sie. Durch Ausbluten.

    So rational stellen sich vermutlich viele einen Schlachthof vor.

    Aber so ist es leider nicht: Zwischen dem, was das Gesetz vorschreibt, und dem, was tatsächlich passiert, klafft oft eine Lücke. Eine Lücke, die wir nur kennen, weil Recherche-Aktivisti immer wieder mit versteckten Kameras in diese Betriebe gegangen sind.

    In den Episoden eins bis drei habe ich euch Anna und Hendrik vorgestellt, die gezeigt haben, wie sehr Schweine bei der CO₂-Betäubung leiden. Und die ist für 80 % der Schweine das Standardverfahren!

    Aber auch aus einem der größten Geflügelschlachthöfe in Bayern wurden erst 2025 grausame Aufnahmen veröffentlicht, die Tierquälerei am laufenden Band zeigen – gepaart mit grausamen Übergriffen der Mitarbeitenden.

    Das, was Geflügel-Schlachthöfe von Schlachthöfen für Säugetiere vor allem unterscheidet, ist die große Anzahl der Tiere, die dort getötet werden, aber auch, dass sie viel wehrloser sind. Und diese Kombination führt letztlich zu einer unfassbaren Verrohung der Mitarbeitenden. […] Die Gewalt, die wir dort erlebt haben und die wir für so einzigartig hielten, findet aber in anderen Schlachthöfen genauso statt.

    – Recherche-Aktivist im Interview

    Es ist immer wieder dasselbe Bild: unzureichende Betäubung, Schläge, Panik, Leid. Und immer wieder die gleiche Reaktion: Empörung, eine Staatsanwaltschaft, die vermutlich nur halbherzig ermittelt, und dann – Stille.

    Kaum gibt es Verurteilungen – wenn, dann gibt es für einzelne Niedriglohn-Arbeiter:innen eine Geldstrafe.

    Es wird ernst

    Auch deshalb gab es immer wieder Forderungen von Tierschützenden, dass eine flächendeckende Kameraüberwachung für Schlachthöfe geplant werden soll.

    Die Idee dahinter: dauerhaft installierte und kontrollierte Kameras sollen Übergriffe und Tierleid minimieren.

    In Großbritannien ist eine Videoüberwachung zu Teilen seit 2019 Pflicht und auch in Spanien oder den Niederlanden gibt es das Konzept.

    In der Großen Koalition unter Agrarminister Peter Hauk (CDU) gab es einen Vorstoß. 2020 war das Thema so weit gediehen, dass es fast ein Gesetz gegeben hätte.

    Doch plötzlich kamen datenschutzrechtliche Bedenken dazwischen: Die Verhältnismäßigkeit müsse gewahrt bleiben – und eigentlich sollten Tierschutzverstößen ja besser vor Ort begegnen werden.

    Dann die Ampel-Regierung: Im Tierschutzgesetz-Novellierungsverfahren 2024 war Videoüberwachung vorgesehen – für größere Schlachthöfe.

    Und jetzt, sieht es wieder nach einem Gesetzentwurf aus – aber auch nach einer Umstrukturierung des Landwirtschaftsministeriums, das Tierschutz einen hinteren Rang einräumen will.

    Aber naja – wir warten dann mal.

    Ich will fair sein: Es gibt echte rechtliche Fragen rund um Videoüberwachung am Arbeitsplatz. Die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags haben das mehrfach analysiert. Eine flächendeckende, verdachtsunabhängige Totalüberwachung von Mitarbeitenden – das ist datenschutzrechtlich tatsächlich nicht trivial. Die DSGVO kennt das berechtigte Interesse der Beschäftigten an ihrer Privatsphäre. Auch wer im Schlachthof arbeitet, hat Grundrechte.

    Aber – und das ist entscheidend – weder Großbritannien noch Spanien haben die DSGVO deswegen umgangen. Sie haben Lösungen gefunden: Es gibt Zugriffsregeln und eine klare Zweckbindung. Außerdem Speicherfristen.

    Der Gesetzentwurf

    Was unser Alois hier als großen Wurf verkauft, ist nicht wirklich neu.

    Schon in den Vorarbeiten zur Novellierung des Tierschutzgesetzes 2024 gab es einen Gesetzentwurf für Videoüberwachung, der genauso klingt, wie das Zeug, das jetzt zur Debatte steht:

    Das ganze Skript?

    für supporter

    Dieser Podcast verlangt eine Menge ab von allen Beteiligten. Dafür bietet er euch Content, den es sonst nirgendwo gibt. Deshalb gibt es das komplette Transkript nur für Supporter.

    Das war der erste „Deep Dive“ von dreckige Pfoten.

    „dreckige Pfoten“ bringt Licht ins Dunkle und macht Seilschaften, Lobbyismus, Tierqual und die Arbeit von dutzenden Recherche-Aktivisti sichtbar.

    Und eine Bitte: Wenn ihr von dieser Story nur 10 % interessant fandet, sagt es weiter, schreibt einen Kommentar und bewertet den Podcast! Das hilft eine Menge!

    Außerdem gibt es einen Patreon-Account. Schaut einfach vorbei und sagt „hi!“

    Intro-Musik von: Manuel Rathje

    Für diesen Podcast wurden Stimmen teilweise mithilfe von KI erstellt.

    dreckige pfoten

    Quellen

    Rainers Ankündigung (Dez. 2025) + heutiger Gesetzentwurf (März 2026)

    Tierschutznovelle 2024: Kabinett & Bundesrat

    Tierschutznetzwerk Kräfte bündeln – Stellungnahme (Jan. 2026)

    aktion tier – Hintergrundartikel (Okt. 2025)

    Wissenschaftliche Dienste des Bundestags

    dreckige pfoten

    Die Musik und die KI-Stimmen habe ich von Artlist. Meldet euch unter diesem Link an, um diese Musik, AI-Bilderstellung oder AI-Voice-overs und vieles andere für euren Content zu nutzen.

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    eindringliche
    Geschichten

    Nicht »noch ein Laber-Podcast« – sondern eindringliche Geschichten, mit Haltung und Herz über die grausamste Industrie unserer Zeit.

  • 05. Lobby Schweinerei 2/2

    05. Lobby Schweinerei 2/2

    Lobby Schweinerei 02

    Gerbisbach: Chronik eines Skandals

    Aus DDR-Kombinaten wurden Mega-Ställe, aus SED-Funktionären wurden Agrar-Lobbyisten – und aus 329 Einwendungen wurde: nichts. Die Geschichte eines fast 20-jährigen Kampfes gegen ein System, das Gerichtsurteile ignoriert und damit Behörden zu Komplizen macht.

    Es gibt eine ausführliche Quellenliste mit einer Timeline der Ereignisse und Hintergründen zur Person.

    Unterstützten

    Wenn ihr das Verfahren gegen die Anlage, die niemals existieren dürfte, und Gabriele Wolf unterstützen möchtet, dann spendet gerne an:

    BUND Sachsen-Anhalt e.V.Bank für SozialwirtschaftIBAN: DE 23 3702 0500 0001 7592 01Verwendungszweck: Schweinemastanlage Gerbisbach

    Das könnt ihr natürlich auch online erledigen über die Webseite des BUND.

    dreckige pfoten

    1. Rückblende – DDR & Wende

    Um das alles besser verstehen zu können, muss ich eine kleine Zeitreise machen; so ein paar Hintergründe herausfinden, wieso alles so kam, und mir einen Überblick verschaffen.

    1.1 Exkurs: LPG & Schweinekombinate

    Obwohl in Deutschland die meisten Schweine noch immer in den sogenannten „alten Bundesländern“ gehalten werden, ist Ostdeutschland sehr nah dran: Sachsen-Anhalt ist mit etwas Abstand die Hochburg der Tierindustrie im Osten.

    Vermutlich fallen den meisten Menschen in den schwach besiedelten Gebieten die riesigen Schweinestallungen oft gar nicht so doll auf.

    Außerdem hat es historische Hintergründe: Was hier lange Zeit ein Exportmotor war für die ehemalige Deutsche Demokratische Republik (DDR), kam im Laufe der Wende und der vielen Veränderungen, wieder zu neuem Glanz.

    Riesige Tierfabriken von damals wurden zu riesigen Tierfabriken von heute. Manchmal sogar unter der gleichen Feder geführt, wie im Pseudo-Sozialismus der DDR. Wo die großen Agrarbetriebe keinen Fuß fassen konnten, wurden nicht etwa Kleinbauern bevorzugt, sondern ausländische Investoren.

    Nach der NS-Zeit wurde auf dem Gebiet der DDR der Boden neu aufgeteilt: Die Sowjets haben schon früh nach dem Krieg dem Landadel seinen Besitz abgenommen. Vor allem östlich der Elbe gab es große, landwirtschaftliche Flächen, die nur ein paar adligen Familien gehörten. Dieses „Junkerland“ – Junker nannte man die Großgrundbesitzer – sollte den Bäuerinnen und Bauern gehören.

    Vielleicht habt ihr den DDR-Spruch „Junkerland in Bauernhand“ schon Mal gehört.

    Also wurden landwirtschaftlich nutzbare Gebiete erstmal an Bauern und Bäuerinnen, Umsiedler:innen und Kleinbauern verteilt. Diese „Neubauern“ hatten die harte Aufgabe, ihr Land urbar zu machen, und versorgten sich damit teilweise selbst.

    Als dann in der DDR die Produktion der Landwirtschaft vereinheitlicht wurde – also kollektiviert – gab es eine Menge Unmut: Viele Landwirt:innen wurden nicht nur zur Kollektivierung gezwungen, sie hatten auch Angst, dass sie ihre Lebensgrundlage verlieren würden. Menschen, die als Selbstversorger und Kleinbauern lebten, wurden mit einem Schlag Teil eines großen Netzes an sogenannten Agrargenossen.

    Dazu kam, dass sie ihre Anteile an diesen neuen Genossenschaften kaufen mussten. Wer nur wenige oder keine Maschinen, kein Saatgut, keine Immobilien oder Ländereien hatte – also viele der Bäuerinnen und Bauern – stand in der Kreide bei seinem neuen Arbeitgeber.

    Die ersten Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften, kurz LPG, wurden in den 1950ern gegründet, um das selbst gesetzte Ziel zu erreichen, die Landwirtschaft im kleinen sozialistischen Land zu zentralisieren und zu modernisieren. Bis 1990 gab es insgesamt knapp 4.500 solcher LPG mit verschiedenen Ausrichtungen.

    Das sowjetische Vorbild der Kolchos oder Kolchosen galt also jetzt auch in der DDR. 1961 waren dann letztlich alle Betriebe zwangskollektiviert und knapp 20 % der DDR-Bürger mussten sich erneut umorientieren[i].

    Aus dem an sich guten Gedanken von gemeinschaftlicher, kollektiver Zusammenarbeit, wurde ein Moloch für die diktierte Produktion von Gütern – und Tieren.

    Kleinere Bauernhöfe wurden zusammengelegt und über die Jahre wurden einige Betriebe beinahe zwanghaft auf die Zucht oder Mast von Schweinen spezialisiert.

    Gleichzeitig wurden größere Produktionsanlagen neu aus dem Boden gestampft: Die volkseigenen „Schweinekombinate“ wurden mit moderner Technik ausgestattet und teilautomatisiert.

    In einem der ersten und größten Betriebe dieser Art, dem VEB – also „volkseigenen Betrieb“ – Schweinezucht- und Mastkombinat Eberswalde.
    Wo 1960 rund sechs Millionen Schweine in der DDR für ihr Fleisch gezüchtet wurden, waren es 1980 schon knapp zehn Millionen.[iii]

    Die extrem schnelle Industrialisierung traf auf Umweltprobleme[iv]: Jährlich wurden rund eine Million Liter Gülle „produziert“. Und weder im Osten noch im Westen wusste man damals, wohin mit dieser ganzen Scheiße. – Naja, selbst heute weiß man es so richtig.

    Die industrielle Schweineproduktion gilt laut Forschern als ein wichtiges Projekt in der Deutschen Demokratischen Republik:

    [Die DDR] nahmen hohe Kredite auf, um ihre Wirtschaft und Infrastruktur aufzubauen, in der Überzeugung, dass dies Ostdeutschland zu einem weltweit bekannten Exportmotor machen würde. Und die Landwirtschaft, insbesondere die Schweinefleischproduktion, war ein wichtiger Teil dieses Plans.

    – „Communist Pigs“[v], Thomas Fleischman.

    Neben der Schweinezucht wurden auch andere Tiere zur Versorgung mit Eiern, Milch und Fleisch gehalten. Immerhin waren die Bürger:innen der DDR beim Fleischverzehr mindestens unter den weltweiten Top Ten.

    Dafür mussten riesige Produktionsstätten her. Und einige davon stellen alles bisher Gesehene in Sachen Tierhaltung in den Schatten.
    So stieg allein von 1950 bis 1960 die Anzahl der Legehennen in der DDR von 8,7 auf 28,1 Millionen Tiere an

    Wo die vielen Tiere auf dem doch recht kleinen Land unterkamen? In Käfigbatterien[vii]! Eine recht moderne „Erfindung“, aber auf jeden Fall schrecklich für die Millionen Tiere – ob Ost oder West.

    Nicht nur, als Äcker, Felder und Stallungen als »Volkseigentum« in die Produktionsabläufe der DDR eingegliedert wurden – sondern auch als diese riesigen Produktionsanlagen für Tiere gebaut wurden, gab es reihenweise Proteste[viii].

    2.2 Korruption & Ausverkauf nach 1990

    Als die Grenzen der DDR wieder geöffnet wurden, war der Fall der sozialistischen Republik eigentlich schon so gut wie festgeschrieben.

    Für die Landwirtschaft bedeutete das schon wieder eine Veränderung: Ländereien der LPG sollten zunächst an die Bundesrepublik übergehen, um dann wieder an Bäuerinnen und Bauern verpachtet zu werden.

    Wenn es auch früh schon Bestrebungen gab, Familienunternehmen für solche Pachtverträge zu bevorzugen – also das, was wir uns immer so schön vorstellen, wenn wir das Wort „Bauer“ hören – gab es letztlich eine Menge ehemaliger LPG-Betriebe, die unter neuer Firmierung weiterarbeiteten. Die Großbäuerinnen und -bauern haben also gewonnen, wenn man so will.

    1995 berichtete die Zeitschrift „SPIEGEL“ im Heft mit dem Titel „Bauernland in Bonzenhand“[ix] über den kruden Ausverkauf der ehemaligen DDR-Landwirtschafts-Genossenschaften:

    Die damals lukrativen Produktionsgenossenschaften waren plötzlich auf dem Papier arm. Übrige Produkte und Tiere wurden stillschweigend ins Ausland verkauft und die Millionen-Erlöse wanderten vermutlich in die Taschen von ehemaligen Vorständen oder Produktionsleitern[x].

    Teils wurden damit die neuen Betriebe wieder aufgebaut – aber fast nie wurden die ehemaligen Anteilseigner ausgezahlt[xi]. Die Arbeiter:innen und Bäuer:innen der LPG-Betriebe wurden also wieder über den Tisch gezogen.

    Selbst jahrelange Klagen von einzelnen Landwirt:innen gingen zwar positiv aus – aber gezahlt wurde bisher kein Cent – oder Pfennig[xii].

    Ein ehemaliges Mitglied einer LPG schrieb an den „Wende-Kanzler“, Helmut Kohl:

    Ich erlebe jetzt, wie in dem neuen Staat altes Unrecht weiter ausgeführt werden darf.

    – LPG-Mitglied Inge Horn aus Berthelsdorf in einem Brief an Helmut Kohl[xiii].

    Aus ehemaligen LPG-Vorständen wurden wieder Großgrundbesitzer:innen oder zumindest Verwalter:innen dieses Besitzes. Und sie nutzten das gemeinsam mit den ehemaligen Arbeiter:innen und Landwirt:innen in der DDR erwirtschaftete Erbe, um die eigenen Betriebe zu neuer Größe zu züchten und dann selbst zu profitieren.

    Wie der SPIEGEL berichtet:

    Niemand schützte die unbedarften Traktoristen oder Melker vor ihren gewieften Ex-Chefs. Im Gegenteil: Beamte und Politiker bis hinauf in die Landtage – oft Bekannte aus guten sozialistischen Zeiten – decken bis heute die Machenschaften der roten Barone.

    – SPIEGEL vom 18.06.1995: „Im Zweifel gibt’s Druck” [xiv]

    Mitverantwortlich für diesen, von der FAZ damals „Bauernkrieg“ bezeichneten Raubbau, waren auch Funktionäre der ehemaligen regierungstreuen „Demokratischen Bauernpartei“, kurz DBD (1990 in die CDU übergegangen[xv]). Mitglieder waren unter anderem die langjährige Landwirtschaftsministerin von Sachsen-Anhalt, Petra Wernicke.
    Frau Wernicke werden wir später in Gerbisbach auch nochmal hören.
    Um die landwirtschaftlichen Flächen der DDR nach dem Fall der Mauer in die sogenannte „soziale Marktwirtschaft“, die im Rest von Deutschland herrschte zu integrieren, war einiges Geschick gefragt. Wie es auf der Wikipedia-Seite der Treuhand so schön heißt:

    die Volkseigenen Betriebe der DDR nach den Grundsätzen des Kapitalismus zu privatisieren und die ‚Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu sichern‘ […] oder, wenn das nicht möglich war, stillzulegen.

    – Kurzbeschreibung über die „Treuhandanstalt“ bei Wikipedia[xvi]

    An anderer Stelle geht der Protest weiter – seit fast 20 Jahren:

    Und das ist für mich eigentlich so ein Resümee: Egal, wie es ausgeht, wir haben gekämpft, wir haben allen gezeigt, dass es so nicht geht, dass man so nicht umgehen kann mit der Meinung von Menschen.

    – Gabriele Wolf im Interview

    2. Gerbisbach – die Chronik eines Skandals

    In der letzten Folge haben wir uns eingehend mit Helmut R. und seinen eigensinnigen Geschäftsmethoden beschäftigt.

    Für seine Anlagen dehnt er auch gerne mal ein wenig die guten Sitten und Bräuche. Eine Gemeindevertreterin hat ihn sogar der Bestechung angezeigt.

    Aber Gott sei Dank wurde sogar gerichtlich bestätigt, dass er gar keine ehrenamtliche Bürgermeisterin bestechen kann.

    Aber das sind – so könnte ich das immer wieder fortsetzen, diese Machenschaften und diese Ungereimtheiten. Und immer wieder kam er an, wenn wir Kritik geübt haben: ‚Ach, das kriegen wir schon hin!
    Das richten wir dann schon…’ und so weiter und so fort, also immer mit Ausflüchten.

    – Gabriele Wolf im Interview

    Gabriele Wolf hat einen großen Teil ihres Lebens dem Kampf gegen die Schweineaufzucht in ihrer direkten Nachbarschaft gewidmet. Von ihrem Haus aus kann sie den Gestank jeden Tag im Wohnzimmer riechen.

    Und er wusste genau, wie man vorgehen muss. Wir waren die Betroffenen, Unerfahrenen und standen diesen Profi da gegenüber. Dann seine Seilschaften, die er zum Landesverwaltungsamt immer noch hatte – wie es jetzt ist, weiß ich nicht. Sein falsches Auftreten, also ins Gesicht die Freundlichkeit und hintenrum dann diese Machenschaften, Lügen. Ich bin auch überzeugt, dass der Investor Harry von Gennip und später sein Schwiegersohn auch von Herrn R. nicht transparent in die ganze Materie eingewiesen worden sind. […] ‚es könnte Schwierigkeiten geben. Wir müssen die Anwohner, wir müssen die Stadt mitnehmen. Wir müssen was tun.‘

    – Gabriele Wolf im Interview

    2.1 Erste Pläne

    Dieser jahrelange Widerstand wäre nicht möglich ohne die unzähligen Aktivisti vor Ort. Sie sammeln Berichte, machen eigene Recherchen, stehen im Kontakt mit Behörden und informieren die Öffentlichkeit. Und nebenbei müssen sie noch Spenden für die teuren Gerichtsprozesse sammeln.

    Mit Informationsveranstaltungen in angrenzenden Ortschaften, Unterschriftenaktionen oder Demonstrationen vor den Baustellen möchten sie vor allem die unbedarfte Öffentlichkeit auf die Gefahren von solchen Megaställen hinweisen.

    Und diese negativen Folgen reichen von Umweltschäden durch Gülle, Feinstaub oder übermäßigen LKW-Verkehr, bis zu Fehlern in Bauanträgen und Bedenken wegen des beinahe unmöglichen Tierschutzes in solchen Anlagen.

    Was hierbei besonders wichtig ist: Oftmals werden solche Hinweise und Bedenken erst nach der Intervention von Bürger-Initiativen auch bei Politik und Behörden aufgegriffen. Der Wille der Anwohnenden, die jeden Tag mit diesem Grauen hinter Stalltüren leben müssen, scheint selten zum Einlenken zu führen.

    Mein Mann sagt immer: Die haben Angst vor dir.

    – Gabriele Wolf im Interview

    Das sagt die Aktivistin Gabriele Wolf aus Gerbisbach. Sie kämpft gemeinsam mit ihrer Bürgerinitiative gegen die Anlage, die eigentlich längst verboten ist.

    Ihr Zuhause liegt nur knapp 1 Kilometer entfernt von der Anlage, die ihnen heute noch immer Probleme bereitet.

    Ich habe auch gesagt, dass ich hier eigentlich nicht leben will. Mit dem Gedanken, dass da die Schweine – wenn ich vorbeifahre, oftmals oder im Winter vorbeilaufe – und es quiekt da drin und ich weiß, wie die dahinvegetieren. Und das schlimme ist, dass der Tierschutz hier gar keine Rolle spielt.

    – Gabriele Wolf im Interview

    Früher hieß der Ort »Zwiesigko«, wurde aber von den Nazis 1939 eingedeutscht zu »Gerbisbach« – und naja, blieb dann so. Und der Ort hat heute genauso viel zu bieten, wie die meisten Winz-Dörfer in Deutschland: eine asphaltierte Durchgangsstraße – die passend einfach »Dorfstraße« heißt – viel Geschichte und 191 Seelchen, die mit Landwirtschaft heute nicht mehr viel am Hut haben.

    Die Familie von Gabriele Wolf ist Mitte der 1990er hierhergezogen. Die gebürtig aus der Kleinstadt Jessen stammenden Wolfs kamen hierher, um ihre Hundeschule mit dem Familienleben besser in Einklang zu bringen. In der Stadt wäre der Geräuschpegel der dutzenden Schäferhunde vermutlich nicht lange mit der Nachbarschaft vereinbar gewesen.

    Kurz vor Weihnachten 2004 kam dann eine Art Hiobsbotschaft:

    Wissen Sie, wie wir das erfahren haben, dass die Schweinemast kommt? Es ist eigentlich ein bisschen lustig. Mein Mann war beim Friseur und der Friseur ist Stadtratsvorsitzender. […] Er wurde frisiert und […] Mensch, […] weißt du, was auf euch zukommt? Da wird eine Massentierhaltung gebaut. Da kommen zigtausende Schweine
    in und ein Haufen Gülle – so haben wir es erfahren. […] Es war ihm wahrscheinlich rausgerutscht und er hat die Tragweite sicherlich nicht voraus gesehen.

    – Gabriele Wolf im Interview

    Die seit 1990 leerstehende »Jungrinder-Aufzucht-Anlage« am Rand des Ortes wurde von Helmut R.s Geschäftspartner Harrie van Gennip gekauft.

    Auf dem Gelände der ehemaligen Produktionsgenossenschaft mit dem schillernden Namen »Fortschritt Gerbisbach« soll eine Aufzucht für knapp 3.000 Ferkel entstehen.

    Prinzipiell war die kleine Gemeinde zuversichtlich, dass das brachliegende Gelände auch wieder genutzt werden kann.

    Und ich weiß auch, dass einige aus dem Bereich Interesse hatten dort auch Tierhaltung zu betreiben – im anderen Maßstab, aber hiesige; regionale.

    – Gabriele Wolf im Interview

    2004 geht dann eine sogenannte Bauvoranfrage für eine Erweiterung und ein paar Umbauarbeiten beim Bauamt der Stadt Jessen ein.

    Das gibt den Behörden die Möglichkeit, das Vorhaben grob einzuschätzen und auch wichtige Punkte zu prüfen: Ist das Grundstück im Außenbereich überhaupt für eine Schweinemastanlage geeignet? Können Abstände zu Naturschutzgebieten oder Wohnhäusern eingehalten werden?

    In dieser Bauvoranfrage wurde von einer Ferkelaufzucht mit 3.000 Tieren geredet, die in den umgebauten, alten Ställen entstehen.

    Und wir haben dann erfahren, dass all diese Interessenten abgewiesen wurden; keine Chance hatten, weil eben schon ein anderer Interessent da war. Wie gesagt, […] hat hier vorgesprochen und hat sofort das okay von unserem Stadtoberhaupt bekommen. Und wenn so eine Bauvoranfrage gestellt wird, die mit ‚Ja‘ beantwortet wird, dann rollt der Zug.

    – Gabriele Wolf im Interview

    Zunächst war Gabriele Wolf etwas geschockt, dass es so undurchsichtig in der Demokratie zugeht – aber sie hat nicht lockergelassen. Mit Gleichgesinnten aus der Umgebung gründete sie eine Bürgerinitiative, kurz BI.

    Sie machten sich schlau: Sie sprachen mit Fachleuten, machten eigene Recherchen und fragten nach.

    Mein Mann und ich und Leute aus der BI, wir haben sämtliche Möglichkeiten, die es gab, genutzt, um uns zu informieren und um Wissen zu haben, was geht da ab, wie läuft das?

    – Gabriele Wolf im Interview

    Wir waren ja Laien – oder sind wir immer noch – und wollten nicht mit Gewalt gegen etwas vorgehen, wovon wir keine Ahnung haben und haben uns unser Wissen angeeignet: Mit Literatur, mit allen möglichen und Unterstützern aus der Branche. Auch viele Landwirte hier aus der Region, die uns unterstützt haben.

    – Gabriele Wolf im Interview

    Bis nach Halle zur Fachtagung des Instituts für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa sind sie gereist und haben vor allem zugehört:

    Viele Bauern, sag ich mal, Landwirte, Fachleute. Aber es war damals auch eine Vertreterin vom BUND da, die Reinhold Benning. […] Wir haben dann so zum Beispiel in den Pausen Tischgespräche mit angehört. […] Und da wurden solche Dinge gesagt: ‚Na ja, das bringt immer Konflikte, das macht Schwierigkeiten; es stinkt, das kann man nicht verhindern.‘ Und wir haben das aufgesogen und haben unsere Gedanken dazu gemacht, haben es ausgewertet und hatten dann zu diesem Zeitpunkt Kontakt mit der Reinhold Benning, haben ihr unser Problem vorgetragen und sie hat uns sofort empfohlen, Kontakt zum Rechtsanwalt aufzunehmen.

    – Gabriele Wolf im Interview

    Obwohl noch wenig Genaues über die kommende Ferkelaufzucht- und Schweinemast klar war, empfahl auch Bärbel Höhn, die damalige Umweltministerin in Nordrhein-Westfalen (1995-2005) ganz klar:

    Sie [Bärbel Höhn] hat gesagt kämpft, kämpft, kämpft vor Antragsstellung. Also genau das Gegenteil. Die anderen sagten: ‚ist ja noch gar kein Antrag gestellt…‘

    – Gabriele Wolf im Interview

    In Einwohnerfragerunden im Kreistag von Wittenberg oder bei der Aufklärung vor Ort: Wolf und ihre BI geben nicht so leicht auf.

    In der Einwohnerfragestunde habe ich meine Fragen losgelassen. […] Es  gab Anfragen: ‚Wie viel Nitrat / Nitrite hier, wie ist der Stand der Dinge?‘ Dann hat das Amt für Abfallwirtschaft das berichtet und man sah, dass es Ecken gab, wo die Grenzwerte überschritten waren. – Und keiner hat danach gefragt! Das hat die nicht interessiert. Und wenn ich danach gefragt habe: ‚woran liegt’s denn?‘ ‚Na, an der Landwirtschaft.‘ Damals schon – und jetzt ist es noch prekärer. […] Aber eben immer nur auf Druck, auf Nachfragen.

    – Gabriele Wolf im Interview

    wir haben die Jessener Bürger aufgeklärt, wir haben Einwohnerversammlung organisiert, haben das Projekt vorgestellt. Angefangen haben wir mit: ‚Was ist positiv, was ist negativ?‘ Das haben wir dem Bürgermeister- Soll ich es Ihnen mal zeigen?

    – Gabriele Wolf im Interview

    Es ist ein einfaches Schaubild und naja – es gibt nicht viel Positives, sagen wir so.

    So haben wir mal angefangen: Was ist positiv, was ist negativ? Das haben wir unserem Bürgermeister gezeigt. Da war aber die Bauvoranfrage schon gestellt, haben ihm das vorgestellt. Er hat uns abgewiesen.

    – Gabriele Wolf im Interview

    ‘Arbeitsplätze‘, kamen sie damals immer. Totschlagargument. Davon hat dann nachher gar keiner mehr geredet.

    – Gabriele Wolf im Interview

    Aber so sind wir rangegangen. Wir haben Flugblätter verfasst, wir haben die Leute aufgerufen. […] Wir waren in Magdeburg in der Kirche. Die Kirche hat sich ja dann auch da positioniert.

    Die BI ist also keineswegs untätig und sammelt weiter Informationen, macht Veranstaltungen vor Ort und lädt prominente Gesichter ein, um eine noch größere Öffentlichkeit gegen die Tierfabrik zu mobilisieren.

    Unter den vielen Mitkämpfern war auch der Schauspieler Thomas Rühmann: Er bekam Wind von der ganzen Sache und war gleich angetan.

    Rühmann ist für die meisten sicherlich eher bekannt aus der ARD-Krankenhaus-Serie „In aller Freundschaft“, die schon seit 1998 wöchentlich ausgestrahlt wird.

    Es ist in der Nähe von meinem Wohnort, also ich glaube eine halbe Stunde. Aber der Kontakt ist zustande gekommen, weil hier in Zollbrücke, Theater am Rande, das ich seit 27 Jahren betreibe, haben wir gespielt von Annie Proulx, ‚Mitten in Amerika‘.

    – Thomas Rühmann im Interview

    Aber im Stück „Mitten in Amerika“ geht es um etwas weniger schnulzig-romantisches – es geht um die amerikanische Version des Schweinegürtels:

    Das ist ein Stoff also, der sich im weitesten Sinne mit Schweinemast befasst. Junger Mann zieht durch die Panhandels von Oklahoma und ist von einem globalen Schweinemastkonzern beauftragt, Grundstücke zu finden, damit die dort ihre riesigen Anlagen bauen können.

    – Thomas Rühmann im Interview

    die Bürgerinitiative von Gerbisbach, die kam auf uns zu und haben gesagt könnt er nicht bei uns spielen? Wir brauchen praktische Unterstützung. […] Wir haben gespielt und die Bude war voll und man spürte richtig, wie das Problem den Leuten so unter die Haut ging. Also, man hatte auch das Gefühl, die Einwohner begreifen zum ersten Mal, was da wirklich los ist, was da auf sie zukommt.

    – Thomas Rühmann im Interview

    Es gibt so eine kleine Szene, wo eine der Hauptfiguren des Stücks einfach argumentiert und praktisch für die Schweine als gesellige Lebewesen, die praktisch in diesen Tierfabriken so furchtbar behandelt werden. […] [Da] gibt es immer Szenenapplaus.

    – Thomas Rühmann im Interview

    2.2 Verfahren & Aufklärung

    Ende 2006 wurde ein sogenanntes „Scoping-Verfahren“ eröffnet: Da konnten die öffentlichen Institutionen und auch der Naturschutzbund, NABU erste Einblicke in das Projekt erhalten und ihre Bedenken äußern.

    […] das Projekt, was da vorgestellt wurde bei diesem ersten Termin, das bezog sich nur auf 5.000 Tierplätze. Ganz geringfügig vorgestellt – nur lukrativ gemacht. Und da gab es Stellungnahmen zum Beispiel vom NABU. Die haben gesagt: […] ‚mit der Platzzahl ja, aber wenn sich das [ändert] […] dann kann man da nicht einverstanden sein. Die Stadt Jessen war vertreten, haben ihre Belange vorgetragen, Erschließung nicht gesichert, dies nicht usw. […] und danach die Antragsstellung, und dann rollte das lang hin.

    – Gabriele Wolf im Interview

    Der Naturschutzbund hat damals auch schon eine Reduzierung der Tierzahl gefordert und sah Sicherheitsbedenken bei der Nutzung der alten Güllebehälter aus DDR-Zeiten. Auch ein 50 Meter breiter Grüngürtel sollte um die Anlage rundherum sein.

    Doch all diese Bedenken wurden scheinbar recht schnell weggewischt.

    Nach dem ernüchternden Ergebnis des Scoping-Verfahrens, wollten die Gerbisbacher und ihre Unterstützer endlich ihre Haltung auf andere Art darstellen: Insgesamt 5.300 Unterschriften wurden gesammelt[xvii].

    Und dann haben wir die Unterschriften gesammelt: Das waren 2.000- quatsch: 5.300 Unterschriften. Die haben wir dem damaligen Landrat übergeben. […] und er sollte es weiterleiten an die Landwirtschaftsministerin. Und das war damals Frau Wernicke. […] Und die Antwort von ihr war: Sie ist sehr erstaunt und es ist schon beachtlich, wie viel Öffentlichkeitswirksamkeit die Anlage hier hat. Aber rechtlich hat das keine Bedeutung.

    – Gabriele Wolf im Interview

    Jetzt leider noch etwas mehr Beamtensprech:

    Nach dem Scoping-Verfahren hat van Gennip mit seinem Geschäftspartner R. dann den Bauantrag gestellt: Alle Informationen müssen dafür zusammengestellt werden, Baupläne eingereicht und Gutachten in Auftrag gegeben werden.

    Und all diese Schritte – Bauvoranfrage, Scoping-Verfahren, Bauantrag – sollen verhindern, dass trotz schwerwiegender Bedenken etwas einfach durchgewunken wird.

    Dafür wurde sogar extra das Bundes-Immissionsschutzgesetz 1974 verabschiedet. Dieses Monster-von-einem-Namen-Gesetz wurde eigentlich wegen der immer stärker werdenden Luftverschmutzung durch den Autoverkehr ins Leben gerufen. Heute hilft es dabei, die umweltschädlichen Auswüchse von Neubau-Industrie-Anlagen im Zaum zu halten.

    Für Tierhaltung ab einer gewissen Anzahl von Tieren gilt dieses BImSchG genauso, wie für ein neues Kernkraftwerk oder eine Lagerhalle – klar ist ja alles… ähnlich, hm?

    Da unsere Anlage in Gerbisbach auch die kritische Anzahl von 1.500 Ferkel übersteigt, mussten van Gennip und R. die nötigen Beweise erbringen, dass ihre Anlage luft-, lärm-, und umweltschutzzkonform sein wird.

    Vom Bauherrn bezahlte Gutachter zeigen dann, wie gut sich die Anlage in die Umwelt einfügt und, dass mit keiner Lärm-, Geruchs- oder Umweltbelastung zu rechnen ist.

    Diese ganzen Gutachten und Unterlagen werden dann öffentlich ausgelegt und können von jeder Bürgerin, jedem Bürger – deutschlandweit – eingesehen werden.

    Und was hier wichtig ist: Jede oder jeder kann seine oder ihre Bedenken als eine sogenannte „Einwendung“ einreichen.

    Es gab 329 Einwendungen.

    – Gabriele Wolf im Interview

    Und dann kam es ja zum Erörterungstermin im Frühjahr 2007. Da waren zwei Tage anberaumt. Es waren dann sechs. […] Die vorhandenen […] Ämter, die da vertreten sind, nehmen dazu Stellung. Viele Fragen konnten aber gar nicht geklärt werden.

    – Gabriele Wolf im Interview

    Wenn wir dann nachgefragt haben oder gebohrt haben, dann hieß es: ‘ja, es ist ja nur ein Erörterungstermin, wir nehmen die Argumente auf und dann werden wir das im Amt diskutieren’. Und so weiter.

    – Gabriele Wolf im Interview

    Man sieht ja schon, man hat nur das Nötigste gemacht, nicht das Notwendige.

    – Gabriele Wolf im Interview

    Es gab zur Erörterung kein Brandschutz-Konzept. Das war dann der Punkt. Er wollte das so ‚bringe ich morgen mit‘ – so nach dem Motto. Das hat dann unser Rechtsanwalt empfohlen, wir brechen ab und das sollte dann schriftlich erörtert werden.

    – Gabriele Wolf im Interview

    Auch Rühmann war vor Ort:

    Der Rechtsanwalt des BUND, der war so sachkundig, der konnte so viele Details beschreiben: Was passiert mit der Umwelt, was passiert mit dem Grundwasser, was passiert mit der Straßensituation, wenn diese riesigen Gülletransporter dort durch die Landschaft fahren. Der künftige holländische Eigentümer saß immer ein bisschen bedröppelt da und schaute auch mal hilfesuchend zu seinem Anwalt, der dann auch ausholte und es natürlich abgestritten hat. […] Die Fronten waren schon sehr stark da im Saal.

    – Thomas Wolf im Interview

    Aber es gab auch schon zu der Zeit Erfolge: Denn die Erörterung hat ergeben, dass der Schweinemäster eine Luftreinhalteungsanlage einbauen muss, was bisher im Projekt nicht vorgesehen war.

    – Gabriele Wolf im Interview

    Ohne die Initiative von Menschen vor Ort würde es vermutlich also noch mehr stinken in Gerbisbach.

    3. Warum Behörden immer wieder weggeschaut haben

    Wir haben in dieser Episode eine sehr chaotische, sehr konfuse Geschichte gehört von einer Schweinefabrik, die eigentlich nicht mehr existieren sollte. Und vielleicht haben wir jetzt alle eher ein paar Fragen mehr, als vorher.

    • Warum fallen solche Fälle durchs Raster?
    • Welche Rolle spielt Verbraucherverhalten?
    • Was müsste sich juristisch ändern?

    Ich muss ehrlich sein: Keine dieser Fragen kann ich mit Gewissheit beantworten. Aber Fakt ist, dass Behörden aktiv weggeschaut haben, als es um die Wünsche der Anwohner ging. Fakt ist auch, dass bei der Genehmigung immens geschlampt wurde. Und Fakt ist immer, dass Gesetze und Verordnungen für manche eher nur Richtlinien zu sein scheinen. Sie zu überschreiten, zu umgehen oder einfach darauf zu hoffen, dass niemand die Grenzüberschreitungen bemerkt, ist einkalkuliert. Außerdem haben Politiker und Lobbyisten dabei geholfen, dass Tierfabriken in Ostdeutschland wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Fabriken, in denen Tiere immer ihrer Freiheit beraubt werden, um für uns Produkte zu werden.

    4. Reflexion & Transfer

    4.1 Schweineindustrie in Deutschland

    Insgesamt leben in Deutschland rund 20,9 Millionen Schweine[xviii]. Das sind so viele Lebewesen, wie in Mexiko-City leben – einer der größten Städte der Welt. Und wir reden hier von Tieren, die nicht nur in einem wahnsinnigen Sprint hochgezüchtet werden, sondern auch von Anfang bis Ende in einem System gefangen sind: In rund sechs Monaten werden Schweine geschlachtet und in mundgerechte Happen portioniert. Dann landen sie in den Supermarktregalen von Deutschland bis Europa. Was dazwischen passiert – besser gesagt, was von ihrer Geburt, bis zum Ende ihres Lebens passiert – ist für einige Menschen so undurchsichtig wie ein Nebelvorhang. Aber wenn sich eine 43-Milliarden-Euro schwere Industrie[xix] in Europa um die Produktion von Fleisch und Wurst aus Schweinen kümmert, können wir davon ausgehen, dass Geld im Vordergrund steht und das Leben und Leiden der Tiere nur noch ein Hintergrundrauschen ist. In ganz Deutschland gibt es rund 15.000 landwirtschaftliche Betriebe mit Schweinehaltung[xx]. Und Landwirt:innen kämpfen im ganzen Land mit Problemen[xxi] wie Tierschutz und dem sogenannten Schweinestau[xxii], wenn man der lokalen Presse und hiesigen Bauernverbänden Glauben schenkt. Aber wie es den Millionen Tieren geht, wissen nur die Wenigsten: Weder gibt es einen „Tag der offenen Tür“ in dieser Industrie noch andere Maßnahmen zur Transparenz. Nur für geladene Gäste und an ausgewählten Standorten wird ab und an ein Spektakel vorbereitet, um das Image der Tierindustrie aufzupolieren. Eine alltägliche, „gläserne Produktion“, in der es nicht nur an ausgewählten Tagen im Jahr „Ponyreiten und Kinderschminken“[xxiii] gibt, wird es wohl nie geben. Und wenn, dann wird das alles sicher mit einem „ab 18“-Filter versehen sein.

    4.2 Verantwortung

    Wenn wir wollen, dass Tiere in der Tierhaltung aufhören zu leiden, können wir nicht auf Ämter, die Politik und schon gar nicht auf Branchen-Initiativen mit schillernden Labels vertrauen.

    Jeder soll essen was er will. Aber ohne Fleisch und ohne Bratwurst ist ein Leben doch garnicht sinnvoll.

    – Söder bei der Bauerndemo[xxiv]

    Statt dem grün-veganem Özdemir, gibt’s jetzt den schwarzen Metzger. Jetzt gibt’s wieder Leberkäse statt Tofu-Tümelei.

    – Bei der Vorstellung des designierten CSU-Landwirtschaftsministers Alois Reiner[xxv] Gerade in Zeiten, in denen Politiker wie Söder am laufenden Band und in der Prime Time Bullshit erzählen, oder wir einen ehemaligen Metzger als Landwirtschaftsminister haben – der auch noch als erste Amtshandlung die Tierschutzbeauftragte kickt – sollten wir nichts mehr von den politischen Amtsträgern erwarten. Keine Politikerin, kein Politiker hat einen Vertrauensvorschuss in Sachen Tierschutz verdient. Wir müssen sie auffordern, ihnen auf die Finger schauen und manchmal auch laut werden. Wir alle haben nur einen kleinen Wirkradius: Wenn wir keinen Unfall bauen wollen, halten zumindest wir uns an Verkehrsregeln. Dass die anderen Scheiße fahren, muss nicht bedeuten, dass wir mitmachen müssen. Und genauso haben wir als Konsument:innen die Möglichkeit, uns aktiv gegen Tierprodukte zu entscheiden. Es gibt auch Möglichkeiten, sich vor Ort zu informieren, ob Tierfabriken geplant sind. Wenn ja: Einwände sammeln und einreichen. Oder im Gemeinderat aktiv werden. – Alles, was in eurer Macht steht, kann einen Unterschied machen. Auch das Umweltrecht hat in den vergangenen Jahren sehr gute Fortschritte gemacht. Dieses Recht können sie nutzen, um schon im Genehmigungsverfahren auf die immensen Konsequenzen für die Umwelt hinzuweisen und so vielleicht eine Tierfabrik zu verhindern. Wenn das gelingt, können wir sehr effizient und nachhaltig Tierleid verhindern: keine Tiere, die in solchen Massentierhaltungsanlagen mehr geboren werden. So haben wir zumindest in unserem Wirkungsradius die Verantwortung übernommen, keinen Scheiß zu bauen. Und Tiere endlich in Ruhe zu lassen. Und natürlich können wir darüber hinaus helfen, Geschichten aus der Tierindustrie zu verbreiten. Menschen zeigen, dass es sich lohnt, zu kämpfen – auch, wenn der Gegner eine Art Goliath ist. Sogar Gabriele Wolf, die seit fast zwanzig Jahren gegen eine Anlage kämpft, die noch immer Tierleid produziert und dessen Genehmigung gerichtlich als „rechtswidrig“ eingestuft wurde, findet positive Worte:

    Das muss ich mal mit den Worten einer Unterstützerin aus den alten Bundesländern beantworten, […] und sie hat gesagt Frau Wolff, ich weiß, worum es geht. Bei juristischen Auseinandersetzungen: recht haben und Recht bekommen sind zweierlei Sachen.  Aber‘, hat sie gesagt: […] ‚Sie haben viel erreicht, egal wie es ausgeht. Jeder weiß, dass so eine Anlage nicht einfach durchzuwinken ist, dass es Widerstand gibt, dass es Leute gibt, die hingucken, die versuchen, sich zu wehren.‘

    – Gabriele Wolf im Interview

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    Das war „dreckige Pfoten“ mit der ZWEITEN Folge über „Lobby-Schweinerei“.

    „dreckige Pfoten“ bringt Licht ins Dunkle der Tierindustrie und macht Seilschaften, Lobbyismus, Tierqual und die Arbeit von Recherche-Aktivisti sichtbar.

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    Die Intro-Musik ist von Manuel Rathje

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    Weitere Infos

    Es gibt eine eigene Seite mit einem Timeline-Überblick für Gerbisbach und Helmut R.

    Quellen

    [i] Laut Michael Beleites: „Stasi und kein Ende?“ in: „Sachsen seit der friedlichen Revolution. Tradition, Wandel, Perspektiven.“ Sonderausgabe der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Konstantin Hermann (Hrsg.). Sax-Verlag 2010. S. 235.

    [ii] Sehr interessanter Beitrag über die Geschichte des „SZME“ („SchweineZucht- & Mastkombinat Eberswalde“): https://wirtschaftsgeschichte-eberswalde.de/agrarwirtschaft/veb-schweinezucht-und-matkombinat-eberswalde-szme/ Archiv: https://archive.is/eXxFW

    [iii] Statistik: https://www.gil-net.de/Publikationen/20_128.pdf

    [iv] Ebenda:

    https://wirtschaftsgeschichte-eberswalde.de/agrarwirtschaft/veb-schweinezucht-und-matkombinat-eberswalde-szme/12/

    [v] Thomas Fleischmann: „Communist Pigs“
    Siehe: https://uwapress.uw.edu/book/9780295750699/communist-pigs/

    [vi] Siehe Statistik: https://buel.bmel.de/index.php/buel/article/view/51/Brade-92-2-html
    Quelle: Statistische Jahrbücher der DDR

    [vii] Hier mit einer Abbildung, wie ein solcher Stall aussah: https://hohpublica.uni-hohenheim.de/server/api/core/bitstreams/65ce9806-4f00-4309-a920-c95ce983b6a9/content

    [viii] Beispiel: https://www.bundesregierung.de/breg-de/schwerpunkte/deutsche-einheit/protest-gegen-riesen-schweinerei-473518

    [ix] Siehe SPIEGEL-Archiv: https://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1995-24.html

    [x] Siehe SPIEGEL: „Belogen und betrogen“, 11.06.1995
    https://www.spiegel.de/politik/belogen-und-betrogen-a-99214427-0002-0001-0000-000009198023 Archiv: https://archive.is/eFiDc

    [xi] Der sogenannte „Inventarbeitrag“ wurde kaum zurückgezahlt.

    [xii] Siehe SPIEGEL: “Im Zweifel gibt’s Druck”, 18.06.1995
    www.spiegel.de/wirtschaft/im-zweifel-gibts-druck-a-b1606245-0002-0001-0000-000009199271 Archiv: https://archive.is/WbWbD

    [xiii] Siehe SPIEGEL: „Belogen und betrogen“, 11.06.1995
    https://www.spiegel.de/politik/belogen-und-betrogen-a-99214427-0002-0001-0000-000009198023 Archiv: https://archive.is/eFiDc

    [xiv] Siehe SPIEGEL: “Im Zweifel gibt’s Druck”, 18.06.1995
    www.spiegel.de/wirtschaft/im-zweifel-gibts-druck-a-b1606245-0002-0001-0000-000009199271 Archiv: https://archive.is/WbWbD

    [xv] Wikipedia: „Demokratische Bauernpartei Deutschlands“: https://de.wikipedia.org/wiki/Demokratische_Bauernpartei_Deutschlands

    [xvi] Wikipedia: „Treuhandanstalt“: https://de.wikipedia.org/wiki/Treuhandanstalt

    [xvii] „Unterschriften kontra Schweinemast“, 05.02.2006 in der Mitteldeutschen Zeitung:

    https://www.mz.de/lokal/jessen/unterschriften-kontra-schweinemast-2771499

    [xviii] Siehe Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat: https://www.bmel-statistik.de/landwirtschaft/tierhaltung/schweinehaltung

    [xix] Statistik des BMEL: https://www.bmel-statistik.de/landwirtschaft/tierhaltung/schweinehaltung

    [xx] Statistik des BMEL: https://www.bmel-statistik.de/landwirtschaft/tierhaltung/schweinehaltung

    [xxi] Die „Probleme“ werden hier angesprochen: „Schwänze kupieren“ ist leider verboten; die tierquälerische „Kastenstandhaltung von Sauen“ ist ebenfalls verboten ab 2029.
    siehe „Aktuelle Herausforderungen in der Schweinehaltung im Hinblick auf den Tierschutz“ vom BMEL:

    https://www.bmleh.de/DE/themen/tiere/tierschutz/herausforderungen-schweinehaltung.html

    [xxii] „Schweinestau schlägt sich in der Schlachtbilanz nieder“, 24.04.2025 in top agrar:
    https://www.topagrar.com/schwein/news/schweinestau-sind-weniger-schweine-geschlachtet-worden-a-20013668.html

    [xxiii] Sehr beliebte Events im Rahmen der „Gläsernen Produktion“ in Baden-Württemberg sind die Hoffeste mit Ponyreiten, Kinderschminken und Vorstellung des Maschinenparks.
    https://gläserne-produktion.de/?page_id=129 Archiv: https://archive.is/Aduta

    [xxiv] YouTube: https://www.youtube.com/shorts/dkgAMtW2NaM

    [xxv] YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=u4Oiipp60QU

    dreckige pfoten

    Hinweis

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    In diesem Podcast werden die Ereignisse so genau und realistisch wie möglich dargestellt, aber ein Podcast ist kein rechtlich urteilendes oder offizielles Dokument.

    Bitte nehmt dreckige Pfoten deshalb vor allem als Anstoß für euren eigenen Weg: Macht eigene Recherchen oder stellt mir gerne auch einfach eure Fragen.

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    eindringliche
    Geschichten

    Nicht »noch ein Laber-Podcast« – sondern eindringliche Geschichten, mit Haltung und Herz über die grausamste Industrie unserer Zeit.

  • 04. Lobby Schweinerei 1/2

    04. Lobby Schweinerei 1/2

    Lobby Schweinerei 01

    Helmut R. und der illegale Stall

    Ein Ex-Landwirtschaftsminister, ein Bestechungsvorwurf und 28.000 Schweine in einer Anlage, die laut Gericht niemals hätte gebaut werden dürfen – und die trotzdem steht. Wie wurde Sachsen-Anhalt zum Nährboden für Deutschlands größte Tierfabriken?

    Es gibt eine ausführliche Quellenliste mit einer Timeline der Ereignisse und Hintergründen zur Person.

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    1. die Anlage, die es nicht geben dürfte

    Nichts könnte dörflicher sein als das 191-Einwohner-Fleckchen Gerbisbach in Sachsen-Anhalt: kein Supermarkt, keine Bäckerei und auch sonst nichts, das auf den ersten Blick sonderlich interessant wirkt. Sogar die Straßen heißen lapidar »Dorfstraße« und »Feldstraße«.
    Bei Google Maps fällt sofort etwas auf: Neben dem alten Dorfkern gibt es eine Ansammlung von Wellblech-Gebäuden. Passt irgendwie nicht dahin.

    Nach ein paar weiteren Klicks sieht man, dass diese 21 Hallen plump mit „Solarstromanlagen“ bezeichnet sind.

    Mit meinem kleinen Spielzeug – einer filmenden Drohne – schau ich mir diese „Solarstromanlage“ doch mal genauer an:
    Statt wie andere Drohnen den ganzen Flugverkehr zu irritieren, hilft mir heute die DJI-Drohne , einen Überblick zu verschaffen:

    Na gut: Es sind zwar solche Solarmodule auf den Dächern – aber das ist sicher nicht der Hauptzweck dieser lebensfeindlichen Wellblech-Gebäude.

    Keine einzige der Hallen hat Fenster. Und nur an ein paar Seiten gibt es so etwas wie ein Tor oder eine Art Schleuse.

    Es ist die Anlage, die es eigentlich nicht geben darf. Eine Schweinemast- und Ferkelaufzuchtanlage in Gerbisbach.

    Spätestens beim Anblick der riesigen, ballonartigen Güllebehälter für die Biogas-Anlage wird klar, dass es sich nicht um einen stinknormalen – pun intended – Industriebetrieb handelt.

    Beim genaueren Hinschauen, sehen wir überall Abfall oder Schutt herumliegen. Und an einer anderen Stelle sieht es so aus, als würde Gülle einfach in einen provisorischen See sickern.

    Sowieso sieht alles ein wenig behelfsmäßig aus, für einen Betrieb, der ja eigentlich Lebensmittel produziert.

    in dem Jahr, als ich meinen Schuldienst beendet habe, im Juni 2005 und im Dezember 2005 ereilte uns dann das Ereignis: Hier wird eine große Tierhaltungsanlage gebaut, industrielle Tierproduktion.

    – Gabriele Wolf im Interview

    Das ist Gabriele Wolf. Eine Lehrerin im Ruhestand und eine vehemente Gegnerin der Anlage, die es eigentlich nicht geben darf.

    Sie hat bisher fast 20 Jahre dafür gekämpft, dass die Politik ihre eigenen Regeln einhält, dass Menschen vor Umweltgefahren geschützt werden – und Tiere nicht in Megaställen leiden müssen.

    Inzwischen hat sie mehrere dicke Ordner mit Unterlagen, Flyern und Zeitungsausschnitten über alles, was mit der Schweinemastanlage zu tun hat.

    Ich muss sagen, bis dahin hat uns das Thema gar nicht so berührt. Wir leben mit der Landwirtschaft. Rundherum wird hier angebaut und geerntet. Tierhaltungsanlagen gibt es auch, kenne ich alle. Davon hatte ich die Kinder in der Schule.

    – Gabriele Wolf im Interview

    Aber sie hat auch über die vielen Jahre gelernt, wie Menschen die Regeln biegen und zu ihrem Vorteil nutzen:

    Weil er der skrupellose Schuldige ist, dass man hier so was realisiert hat.  Und er wusste genau, wie man vorgehen muss. Wir waren die Betroffenen, Unerfahrenen und standen diesem Profi da gegenüber.

    – Gabriele Wolf im Interview

    Sie meint den gewieften Projektleiter des Stalls.
    Die Lokalpresse nannte ihn: „Türöffner der Agrarindustrie“[ii].

    Und er ist auch jemand, der wegen eines Bestechungsvorwurfs vor Gericht stand.

    Heute nennen wir ihn …. „Helmut R.“ oder „R.“.

    Helmut R. ist die Person, die alte landwirtschaftliche Betriebe aus der DDR in Megaställe umwandeln ließ.

    Der Mann, der maximalen Profit auf Kosten von abertausenden Lebewesen und ostdeutscher Landstriche angestoßen hat.

    Aber ich will dazu noch eine Sache sagen: Helmut R. ist nur ein Beispiel dafür, wie die Politik und die Tierindustrie Hand in Hand zusammenarbeiten. Von solchen Menschen gibt es alleine in Deutschland Dutzende. Er ist vielleicht ein markantes Beispiel – aber Helmut R. ist keine Ausnahme.

    Gabriele Wolf hat einen großen Teil ihres Lebens dem Kampf gegen die Schweineaufzucht in ihrer direkten Nachbarschaft gewidmet. Von ihrem Haus aus kann sie den Gestank jeden Tag im Wohnzimmer riechen.

    Sie hat mit Hilfe von Naturschutzverbänden gegen die Baugenehmigung geklagt – und mehrfach gewonnen. Und trotzdem stehen die 21 Wellblechhallen hier am „Fischweg“. Und trotzdem werden hier jedes Jahr tausende Schweine „produziert“.

    Da kommen jetzt viele zu mir. Wieso geht denn das weiter? Ist doch rechtswidrig. Habe doch Recht bekommen. Das kann man schlecht erklären.

    – Gabriele Wolf im Interview

    Das ist auch meine brennende Frage, als ich von der Anlage, die nicht existieren dürfte, erfahre:

    Wie konnte eine riesige Schweinemast in dem kleinen Örtchen entstehen, obwohl so vieles dagegenspricht? Gab es hier Politiker:innen, die „ein Auge zugedrückt“ haben?

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    2. Wer ist Helmut R.?

    Unser Helmut R. wuchs als Bauernkind in einem kleinen Dorf bei Wittenberg auf. Sein Vater war sogar Betriebsleiter einer landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG). Also nicht der schlechteste Ausgang.

    Nachdem die DDR zerfiel, erhielt seine Familie ein großes Stück Land zurück als Eigentum und errichtete dort einen Rinderbetrieb.
    R. machte eine Weile den Biobauern und trat zeitgleich in die SPD ein.

    Er kennt seine Heimat in- und auswendig, weiß, wie die Agrarproduktion am profitabelsten funktioniert, und konnte schnell Karriere machen. Wie er selbst sagt, wurde er …

    über Nacht [wurde ich] Landwirtschaftsminister, […][i]

    Er ist einer »vom Fach«, der in die Politik wechselte. Klingt ja erstmal gut.

    Doch leider »stolperte« er – so die Lokalpresse – über seine vielen Geschäfte: Als Landwirtschaftsminister setzte er sich für Fördermittel ein, die er dann seinem eigenen Betrieb zukommen ließ.

    Auch wenn das scheinbar gängige Praxis war – und vermutlich noch immer ist: Es war kein Kavaliersdelikt. Also musste er seinen Posten als Minister räumen[iii] und strebte jetzt eine neue Karriere an.

    Vermutlich dachte er sich: Hauptsache was mit Tieren“.

    Er hat vor, die brachliegenden LPG-Betriebe in blühende Landschaften zu verwandeln. Schließlich weiß der Unternehmer, was er da macht: Schon Mitte der 2000er Jahre betreut seine Beratungsfirma sechs Projekte mit insgesamt 200 Millionen Euro Investitionsvolumen[iv].

    Wie R. das selbst schön nennt:
    neues Leben in alte Ställe [bringen][v]

    2.1 „finanzielle Unterstützung“ oder Bestechung

    Er findet ein interessantes Stück Land auf einem ehemaligen Sowjet-Flughafen in der Provinz.

    All die schönen Werbeversprechen unseres Helmut R. – Arbeitsplätze, Aufschwung, Wachstum – bringen leider nicht das erhoffte „Go!“ aus den Ämtern der Region.

    Bei dem Flugplatz-zu-Schweinemast-Projekt, ist die Krux, dass das Gelände zu vier verschiedenen Gemeinden gehört. Und nicht alle sind besonders erpicht auf das Projekt.

    Sogar eine Bürgerinitiative wurde gegründet, um der »Schweinelobby« etwas entgegenzusetzen.

    Letztlich kaufte eine der angrenzenden Gemeinden den Teil des Geländes auf ihrem Gebiet selbst und legte damit die Pläne des Schweinemästers und seines Geschäftspartners auf Eis. Damit kann der Ort ein starkes Zeichen gegen den Bau der riesigen Schweinemastanlage setzen.

    Wer kann es ihnen verdenken, wenn Helmut R. und seine Geschäftspartner zusammen eine riesige Tierfabrik aufziehen wollen, die so viel Exkremente, wie eine 180.000-Einwohner-Stadt produzieren.

    Vermutlich wurde unser Helmut R. jetzt etwas nervös. Es steht nicht nur eine Menge Geld auf dem Spiel, sondern auch seine Reputation.

    Sein Auftraggeber zieht gegen die Entscheidung der Gemeinde Mahlwinkel vor Gericht. Doch die Stimmung bleibt mies und der Gemeinderat verweigert weiterhin seine Zustimmung.

    Weil das natürlich ziemlich schlecht für das Geschäft ist, versucht R. das Ganze …

    etwas zu beschleunigen[vii]

    … wie sein Anwalt später vor Gericht sagen wird.

    In zwei Gesprächen bietet R. eine … sagen wir: eigentümliche Art der Unterstützung an:

    10.000 Euro hat er der ehrenamtlichen Bürgermeisterin von Mahlwinkel angeboten[viii].
    Dabei wollte der ahnungslose R. doch nur die heimische Infrastruktur unterstützen.

    Bestechung war nie meine Absicht

    sagt R. selbst[ix].

    Aber auch eine ehrenamtliche Bürgermeisterin weiß genau, dass das keine nette Geste zur »Unterstützung für die Gemeinde« war. Sie zeigt R. wegen eines Bestechungsversuchs an.

    In einer ersten Verurteilung 2008 wurde R. sogar zu acht Monaten auf Bewährung und einer Geldstrafe von 5.000 Euro verdonnert.

    Allerdings wird es im Berufungsprozess später heißen, dass R. die Bürgermeisterin gar nicht bestechen konnte – schließlich war die ja nur ehrenamtlich tätig.

    2.2 „Türöffner“ & Gemüsebauer

    Helmut R. hat inzwischen ein anderes Gebiet gefunden. Und das hat zumindest weniger mit Tieren zu tun. Seit einigen Jahren hat er sein Portfolio mit Gemüse diversifiziert.

    In einem der größten Gewächshäuser in Deutschland hilft er, die »Luther-Tomate« anzubauen. Unter der Projektleitung unseres Unternehmensberaters, wirbt das Konterfei des Kirch-Reformers und Vollblut-Antisemiten Martin Luther nun für die angeblich beste Tomate aus Sachsen-Anhalt.

    Leider schafft es die Tomate nicht in die große, weite Welt[x] – aber für den neuen, niederländischen Investor reicht das und damit ist das Standing von Helmut R. als Global-Player und Strippenzieher gerettet.

    Schließlich hat die Lokalpresse hierzu auch einen Süßholz-raspelnden Artikel veröffentlicht, der nur Gutes über R. zu berichten weiß.

    »Türöffner für Agrarkonzerne«[xi]

    Nennt die Mitteldeutsche Zeitung unseren Unternehmensberater für Schweinemast-Investor:innen. Und sie zitieren ihn fleißig, ohne viele Nachfragen:

    Es gibt in Deutschland unglaublich viele Auflagen und Hürden, doch mit Kompromissen findet sich meist auch ein Weg.

    [xii]

    Inzwischen wissen wir ja, wie ein solcher »Kompromiss« aussieht. Aber die Lokalredaktion fragt da nicht weiter nach.

    Nicht erwähnenswert bleibt, dass R. die Projektleitung einer Kaviar- und Störfarm wegen Insolvenz abgeben musste und weiterhin gegen seine Planungen von Massentierhaltungsanlagen in Sachsen-Anhalt geklagt wird.

    Auch die schlimmsten Übertreibungen oder Lügen wurden ihm immer abgenommen, als er über die von ihm „intensive Tierhaltung“ genannte Massentierhaltung redete:

    Dem Schwein, das mit zwölf Artgenossen zusammenlebt, ist es egal, ob in der Gesamtanlage 2.000 oder 12.000 Tiere leben.

    [xiii]

    In Großanlagen sei die Hygiene häufig besser und der Einsatz von Medikamenten geringer als in kleineren Ställen. Das hängt aus [seiner] Sicht damit zusammen, dass es spezialisiertere und professionellere Mitarbeiter gibt.

    Was sind Massenställe? Ob 100.000 oder 10.000 in einem Stall sind, ist für das Einzeltier uninteressant, weil das Einzeltier lebt in einer Gruppe von 10, 12, 14 Tieren. Mehr sieht es in seinem Leben nicht. Das sieht nicht, ob drumherum noch 500, 1000 oder 100 sind.

    – R. bei einer Talkrunde mit dem Thema: „Tiere im Massenstall – Mitgeschöpfe oder Nahrungsmittel“[xiv]

    All das sind Dinge, die ein ehemaliger Landwirtschaftsminister und ständiges SPD-Mitglied einfach so von sich geben durfte und darf. All das sind aber auch Dinge, die recht einfach zu widerlegen sind, beispielsweise, wenn man die Beschäftigten selbst fragt oder die Veröffentlichungen von investigativen Recherche-Teams anschaut:
    Schweine, die sich gegenseitig anfressen. Tiere, die riesige Wunden haben oder gar nicht mehr bewegungsfähig sind. Der unglaubliche Ammoniak-Gestank, der jeder Person sofort in die Nase steigt, wenn sie diese Riesen-Anlagen betritt.

    Solche Zustände sind der Normalzustand und werden immer wieder vorgefunden – auch in den Anlagen der Familie van Gennip und den ganzen anderen.

    Also in genau den Ställen, die unser Helmut R. eigentlich gut kennen sollte und deren Geschäftsführende er stets als erfahrene Schweinemäster auszeichnet, sobald Kritik geäußert wird.

    Für den »Türöffner der Agrarindustrie« passt ein Spruch von einem der Gegner der Schweinemast in Gerbisbach:

    An dem Schlüssel wird so lange gefeilt, bis er ins Schloss passt.

    [xv]

    Denn am Ende geht’s nur ums Geld. Nicht um Tiere, nicht um Menschen, nicht um Umwelt – nur um Geld. Für wenige. So schnell wie irgendwie möglich.

    Da können dann auch mal Regeln und Gesetze etwas lockerer genommen werden.

    Es sieht aus wie Baustelle, also wirklich ganz schlecht, was da auf dem Gelände alles rumliegt. So stelle ich mir ein, ein Betrieb eines erfahrenen Schweinemeisters wirklich nicht vor. […] Und da ist so Desinteresse, das geht nur um Produzieren, Schweine rein und Schweine raus und Geld verdienen, Profit machen und das seit elf Jahren mit einer rechtswidrigen Genehmigung.

    – Gabriele Wolf im Interview

    Gut, es ist so eine allgemeine Erscheinung, das muss ich ja auch sagen: Es ermüdet die Menschen und die Politiker sind froh, wenn Ruhe ist.

    – Gabriele Wolf im Interview

    Unter den vielen Mitkämpfer:innen gegen die Anlage in Gerbisbach, ist auch der Schauspieler Thomas Rühmann: Er ist seit 1998 in der ARD-Krankenhaus-Serie „In aller Freundschaft“ wöchentlich zu sehen.

    Und auch er hat seine Erfahrungen mit Gerbisbach und den Schweinemästern in Sachsen-Anhalt:

    ich komm einfach aus der DDR. Und wir haben das natürlich erlebt, aber haben es natürlich auch verschwiegen und es spielte einfach natürlich keine Rolle. […] Und das wurde einem dann praktisch nach der Wende wurde das einem bewusst, was da eigentlich los gewesen ist.

    – Thomas Rühmann im Interview

    Und das Absurde heute ist natürlich Fahren Sie mal durch Niedersachsen. Also *lacht* das ist, also – ich war da neulich mit dem Auto unterwegs – das ist ein Land aus Gülle, Kann man so sagen.

    – Thomas Rühmann im Interview

    Also die Vorstellung, dass […] praktisch vor allem exportiert wird, das Schweinefleisch praktisch mit diesem schlimmen ökologischen Ergebnis, das heißt, wir sorgen dafür, dass diese Schweine, die bei uns unmenschlich, schweinemäßig aufwachsen – praktisch eigentlich die Welt versorgen. Aber die Folgen, die Gülle, die Beeinträchtigung der Natur, die bleibt bei uns. Und das ist für mich wirklich eine absurde Zuspitzung.

    – Thomas Rühmann im Interview

    2.3 Helmut R. & die Investor:innen

    Zurück zu Helmut R. In den kommenden Jahren wird Helmut R. immer wieder millionenschwere Geschäfte anleiern und dafür seine Kontakte in Politik und Wirtschaft ausgiebig nutzen. Mit seinem Wissen über die eigene Heimatregion und die zerfallene DDR konnte R. seine eigenen Vorstellungen und Träume von erfolgreicher Agrarproduktion anschieben.   Helmut R. wirbt jetzt mit jeder Menge Enthusiasmus bei Presse und den Interessierten: Viele neue Arbeitsplätze wird es geben und die Landwirt:innen der Region brauchen ja sowieso händeringend mehr Gülle für ihre Felder – da kann er Abhilfe schaffen: „Wir haben ja das große Problem genau umgekehrt: Wissen Sie, wir haben gute, große Landwirtschaftsbetriebe. Wir kriegen aber nicht genügend Tiere.“  – R. bei einer Talkrunde mit dem Thema: „Tiere im Massenstall – Mitgeschöpfe oder Nahrungsmittel“[xvi]   Genau wie die Führer der DDR war auch R. total überzeugt von der industriellen Tierhaltung. Die „intensive Tierzucht“ – wie er die Massentierhaltung auch nennt[xvii] – war für ihn vermutlich eine Gelddruckmaschine, jetzt, wo all diese Flächen wieder verfügbar waren. Die Technik, die Infrastruktur und die Gebäude sind da. Arbeitswillige gibt es in der »strukturschwachen« Region sowieso. Und wie wir jetzt wissen, liebt die Politik landauf, landab Anreize für den viel beschworenen Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze.   Was jetzt nur noch fehlte, waren geldschwere Investoren. Am besten Unternehmer, die schon in der Landwirtschaft tätig sind, aber weiter wachsen wollen. Vor allem niederländische und dänische Investoren hatten ein starkes Interesse an den ehemaligen Landwirtschaftsbetrieben der DDR. Vor allem in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt wurden tausende Hektar Land an die Privatwirtschaft verkauft. Knapp 60 Prozent der Schweine-Tierfabriken waren schon in den 2000er-Jahren in der Hand von ausländischen Investoren[xviii].   Ein solcher, ausländischer Unternehmer und Investor war Harrie van Gennip: Schon 1995 machte er sich in der ehemaligen DDR breit und kaufte einen in den 1960er-Jahren erbauten Stall in der Nähe von Magdeburg. 60–65.000 Schweine in sechs, knapp 400 Meter langen Hallen, auf einem knapp 90.000 Quadratmeter großen Gelände im Örtchen Sandbeiendorf. Wöchentlich sollen hier 1.600 Schweine zur Schlachtung abtransportiert werden[xix]. Eine der größten – wenn nicht sogar die größte Schweinemastanlage in Deutschland. Aber selbst das war weder Herrn van Gennip, noch unserem Helmut R. genug.   Van Gennip hat ein persönliches Interesse an neuen Anlagen, meint Gabriele Wolf, die sich eingehend mit der Persönlichkeit und seinem Netzwerk beschäftigt hat:

    und der van Gennip hatte damals zu ihm gesagt: Ich habe fünf Kinder und jedes Kind bekommt so eine Anlage.

    – Gabriele Wolf im Interview Wer möchte nicht auch einen eigenen Stall voller Tiere erben? Anyways: Das Problem im Heimatland des Investors sind die strengen Umweltauflagen und der generelle Drift der Gesellschaft, Massentierhaltung doof zu finden: Seit einigen Jahren gibt es sogar Bestrebungen der Regierung, dass alte Ställe zurückgebaut werden, um die Tierzahlen in den Niederlanden nachhaltig zu reduzieren. Wie sich 2025 zeigt, hat diese Methode Erfolg: 19 % der Schweinehalter wollen aussteigen[xx] und zum ersten Mal seit 45 Jahren ist der Schweinebestand auf unter 10 Millionen Tiere geschrumpft[xxi]. – ja, das sind immer noch verkackt viele. Im Jahr 2008 beschrieb ein niederländischer Mitarbeiter einer Schweinemast in Sachsen-Anhalt seine Perspektive mit:

    Zu Hause wirst du als Schweinezüchter ständig wie ein Krimineller behandelt. Das ist in Ostdeutschland anders. Hier kannst du noch Unternehmer sein. Umweltkosten spielen keine Rolle.

    – Jan Van Genugten, Pelapro Farm [xxii]   Dass van Gennip und Co. diesen Negativtrend mit ihren Ställen in Deutschland umgehen wollen, wurde nicht zuletzt bei einer Aufdeckung der Tierrechtsorganisation „Animal Rights Watch“ de utlich: 2013 bekamen sie grausame Aufnahmen aus einer der van Gennip-Anlagen zugespielt und haben damit ein ganz anderes Licht auf den strahlenden Investor geworfen[xxiii]. Ein Vertreter des Vereins berichtet:

    Das Problem ist zum einen, dass der Betreiber dieser Anlage gegen viele deutsche Vorschriften, die jetzt in der neuen Tierschutzhaltungsverordnung drinstehen, verstößt. Also insgesamt haben wir zehn oder elf verschiedene Verstöße dort gezählt. Das heißt, diese Anlage ist eigentlich echt unterm Standard oder absolut unter dem, was sein sollte. Und dieser Betreiber ist aber gleichzeitig so groß, dass er dann den Marktstandard definiert und mit runterzieht.

    – Ein Vertreter von „Animal Rights Watch“ über die Zustände in der Anlage[xxiv] Und erst nachdem Tierschützer vor Ort Aufnahmen gemacht hatten, kam auch das Veterinäramt und verhängte ein Bußgeld gegen van Gennip[xxv].  

    eindringliche
    Geschichten

    Nicht »noch ein Laber-Podcast« – sondern eindringliche Geschichten, mit Haltung und Herz über die grausamste Industrie unserer Zeit.

    2.3 Helmut R. & die Investor:innen

    Zurück zu Helmut R. In den kommenden Jahren wird Helmut R. immer wieder millionenschwere Geschäfte anleiern und dafür seine Kontakte in Politik und Wirtschaft ausgiebig nutzen. Mit seinem Wissen über die eigene Heimatregion und die zerfallene DDR konnte R. seine eigenen Vorstellungen und Träume von erfolgreicher Agrarproduktion anschieben.   Helmut R. wirbt jetzt mit jeder Menge Enthusiasmus bei Presse und den Interessierten: Viele neue Arbeitsplätze wird es geben und die Landwirt:innen der Region brauchen ja sowieso händeringend mehr Gülle für ihre Felder – da kann er Abhilfe schaffen: „Wir haben ja das große Problem genau umgekehrt: Wissen Sie, wir haben gute, große Landwirtschaftsbetriebe. Wir kriegen aber nicht genügend Tiere.“  – R. bei einer Talkrunde mit dem Thema: „Tiere im Massenstall – Mitgeschöpfe oder Nahrungsmittel“[xvi]   Genau wie die Führer der DDR war auch R. total überzeugt von der industriellen Tierhaltung. Die „intensive Tierzucht“ – wie er die Massentierhaltung auch nennt[xvii] – war für ihn vermutlich eine Gelddruckmaschine, jetzt, wo all diese Flächen wieder verfügbar waren. Die Technik, die Infrastruktur und die Gebäude sind da. Arbeitswillige gibt es in der »strukturschwachen« Region sowieso. Und wie wir jetzt wissen, liebt die Politik landauf, landab Anreize für den viel beschworenen Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze.   Was jetzt nur noch fehlte, waren geldschwere Investoren. Am besten Unternehmer, die schon in der Landwirtschaft tätig sind, aber weiter wachsen wollen. Vor allem niederländische und dänische Investoren hatten ein starkes Interesse an den ehemaligen Landwirtschaftsbetrieben der DDR. Vor allem in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt wurden tausende Hektar Land an die Privatwirtschaft verkauft. Knapp 60 Prozent der Schweine-Tierfabriken waren schon in den 2000er-Jahren in der Hand von ausländischen Investoren[xviii].   Ein solcher, ausländischer Unternehmer und Investor war Harrie van Gennip: Schon 1995 machte er sich in der ehemaligen DDR breit und kaufte einen in den 1960er-Jahren erbauten Stall in der Nähe von Magdeburg. 60–65.000 Schweine in sechs, knapp 400 Meter langen Hallen, auf einem knapp 90.000 Quadratmeter großen Gelände im Örtchen Sandbeiendorf. Wöchentlich sollen hier 1.600 Schweine zur Schlachtung abtransportiert werden[xix]. Eine der größten – wenn nicht sogar die größte Schweinemastanlage in Deutschland. Aber selbst das war weder Herrn van Gennip, noch unserem Helmut R. genug.   Van Gennip hat ein persönliches Interesse an neuen Anlagen, meint Gabriele Wolf, die sich eingehend mit der Persönlichkeit und seinem Netzwerk beschäftigt hat:

    und der van Gennip hatte damals zu ihm gesagt: Ich habe fünf Kinder und jedes Kind bekommt so eine Anlage.

    – Gabriele Wolf im Interview Wer möchte nicht auch einen eigenen Stall voller Tiere erben? Anyways: Das Problem im Heimatland des Investors sind die strengen Umweltauflagen und der generelle Drift der Gesellschaft, Massentierhaltung doof zu finden: Seit einigen Jahren gibt es sogar Bestrebungen der Regierung, dass alte Ställe zurückgebaut werden, um die Tierzahlen in den Niederlanden nachhaltig zu reduzieren. Wie sich 2025 zeigt, hat diese Methode Erfolg: 19 % der Schweinehalter wollen aussteigen[xx] und zum ersten Mal seit 45 Jahren ist der Schweinebestand auf unter 10 Millionen Tiere geschrumpft[xxi]. – ja, das sind immer noch verkackt viele. Im Jahr 2008 beschrieb ein niederländischer Mitarbeiter einer Schweinemast in Sachsen-Anhalt seine Perspektive mit:

    Zu Hause wirst du als Schweinezüchter ständig wie ein Krimineller behandelt. Das ist in Ostdeutschland anders. Hier kannst du noch Unternehmer sein. Umweltkosten spielen keine Rolle.

    – Jan Van Genugten, Pelapro Farm [xxii]   Dass van Gennip und Co. diesen Negativtrend mit ihren Ställen in Deutschland umgehen wollen, wurde nicht zuletzt bei einer Aufdeckung der Tierrechtsorganisation „Animal Rights Watch“ de utlich: 2013 bekamen sie grausame Aufnahmen aus einer der van Gennip-Anlagen zugespielt und haben damit ein ganz anderes Licht auf den strahlenden Investor geworfen[xxiii]. Ein Vertreter des Vereins berichtet:

    Das Problem ist zum einen, dass der Betreiber dieser Anlage gegen viele deutsche Vorschriften, die jetzt in der neuen Tierschutzhaltungsverordnung drinstehen, verstößt. Also insgesamt haben wir zehn oder elf verschiedene Verstöße dort gezählt. Das heißt, diese Anlage ist eigentlich echt unterm Standard oder absolut unter dem, was sein sollte. Und dieser Betreiber ist aber gleichzeitig so groß, dass er dann den Marktstandard definiert und mit runterzieht.

    – Ein Vertreter von „Animal Rights Watch“ über die Zustände in der Anlage[xxiv] Und erst nachdem Tierschützer vor Ort Aufnahmen gemacht hatten, kam auch das Veterinäramt und verhängte ein Bußgeld gegen van Gennip[xxv].  

    2.4 PR-Strategien des Helmut R.

    Super! Kein Grund zur Aufregung! Die Geschäfte müssen halt weiterlaufen…   Und deshalb ging es auch weiter bei einer anderen Tierfabrik im Örtchen Haßleben. Die alte DDR-Anlage sollte wieder in Betrieb genommen werden: 85.000 Schweine sollen hier ihr eintöniges Leben leben – um am Ende als Fleisch zu enden[xxvi]. Was erst mal nicht so überzeugend klingt, ist für Helmut R. nur eine dornige Chance sozusagen… Denn wie schon Edward Bernays wusste – der Guru der „Public Relations“ und Neffe von Sigmund Freud:

    Die bewusste und intelligente Manipulation der Gewohnheiten und Meinungen der Massen ist ein wichtiges Element der demokratischen Gesellschaft.

    – Edward Bernays: Propaganda[xxvii]   Menschen können eben nicht plump dazu gebracht werden, etwas Dummes toll zu finden. Gewiefte Strategen müssen eine Art „Zustimmung fabrizieren“ („Manufacturing Consent“), wie Bernays es später nannte.   Deshalb hat auch unser Helmut R. nicht lockergelassen und versucht, das Bild der Massentierhaltung zu beschönigen:   „Wenn wir immer über Massenställe reden, was sind Massenställe? Ob 100.000 oder 10.000 einem Stall sind, ist für das Einzeltier uninteressant. […] Ein Einzeltier ist das Entscheidende. Und wenn Sie heute Fleisch produzieren, egal ob Hühner, Schweine oder Rinder, wenn Sie Ihren Bestand nicht gesund erhalten, werden Sie das nicht lange überleben. Und das ist eigentlich das Ziel. Und da muss man immer darauf achten Wie geht es den Tieren, wie geht es ihnen? Wie hoch sind die Medikamenten-Einsätze? Wie hoch sind die Verluste? Also das unterhalb der Norm ist, Sprechen wir aus, spreche ich von einer artgerechten Haltung.“ – Helmut R. bei einer Talkrunde mit dem Thema: „Tiere im Massenstall – Mitgeschöpfe oder Nahrungsmittel[xxviii] Diese Aussagen traf Helmut R. in einer Talkrunde zum Thema „Tiere im Massenstall – Mitgeschöpfe oder Nahrungsmittel“ im Jahr 2012.   In der gleichen Sendung pflichtete ihm der damalige Staatssekretär für Landwirtschaft – und übrigens wegen Untreue bestrafter Politiker der CDU, Peter Bleser, bei und unterstellte – natürlich mit akuter Realitätsverzerrung:

    Und da möchte ich noch einmal daran erinnern, dass es in früheren Jahrzehnten nicht besser war: Die Kühe waren angekettet, die Schweine in engen Ställen ohne Licht. Heute sind die Ställe hell, modern, klimatisiert und die Böden trocken. Insofern ist meine Aussage richtig, wenn ich sage: Unseren Tieren ging es in der Nutzti erhaltung noch nie so gut wie heute.

      Na klar: Die Zustände, die schon Upton Sinclair in „Der Dschungel“ porträtiert hat, sind passé … Was Sinclair genau gesagt hat, hört ihr in der zweiten Folge dieses Podcasts.   Aber inzwischen hat sich die Tierindustrie auf eine andere Weise zum Grauen gewandt: Sogar Experten wie Helmut R. gehen von 10 % „Verlust“ in deutschen Ställen aus. Das bedeutet: Bei 20,9 Millionen Schweinen in deutschen Anlagen, sind zwei Millionen Schweine – zwei Millionen Individuen, die fühlen, riechen, schmecken und vor allem leiden können – abgeschrieben und dem Tode geweiht. Abstrakte Zahlen statt eines empathischen Blicks auf fühlende Lebewesen. Auch das wird deutlich bei einer anderen Aussage von R. als es um Exporte geht:

    Dann müssen Sie auch untersagen, dass wir Autos verkaufen nach China. […] Was ist denn der Unterschied zwischen Export von technischen Gütern und von Lebensmitteln.

    – Helmut R. in einer Talkshow   Aber es gibt auch Stimmen aus den Gemeinden, die Massentierhaltung in Haßleben und anderswo gar nicht so kritisch gegenüberstehen: Eine Bürgerinitiative mit dem Slogan: „Pro Schwein – für Arbeitsplätze und sozialen Ausgleich“[xxix] macht tüchtig Stimmung. Mit bunten Schildern und Pappschweinen. Die wenigen Menschen, die sich öffentlich für die industrielle Tierhaltung im Ort einsetzen – vor allem wegen vermeintlicher Jobs – kämpfen laut Zeitungsberichten mit …

    überwiegend unsachliche[n] Argumentation zur geplanten Investition der Schweinemastanlage in Haßleben

    [xxx] Und auch dort hat R. seine Finger im Spiel, wie er selbst zugibt:

    Wir haben bei denen gewisse Kosten übernommen.

    [xxxi] Das sagte R. dem Spiegel. Zu diesen „gewissen Kosten“ gehören wohl ein aufpolierter Internetauftritt, T-Shirts und ein Exklusiv-Besuch bei van Gennips anfangs erwähnter Anlage in Sandbeiendorf mit knapp 60-65 000 Tieren. Wer könnte bei einem so exklusiven Service schon „nein“ sagen?

    2.5 Aktivismus dagegen (und das Ende von Haßleben)

    Letztlich hat auch diese PR-Strategie keinen großen Erfolg gebracht: Inzwischen wurde endgültig gegen die Erweiterung und den Neubau entschieden. Allerdings erst nach mehreren Gerichtsprozessen, die von Umwelt- und Tierschutzverbänden angeführt wurden. Immer wieder unterstützt von Aktivisti, die vor Ort leben oder sogar in den ehemaligen DDR-Anlagen gearbeitet haben und wissen, wie traurig ein Schweineleben in der Massentierhaltung ist. Ein Kräftezehrender Kampf über 16 Jahre, bis es zum endgültigen Beschluss gegen die Schweinemast in Haßleben kam[xxxii]. Und die Gerichte entschieden wohl weniger aufgrund von den immer wieder zutage gebrachten Tierschutzskandalen in solchen Riesenanlagen, fehlenden Evakuierungsplänen bei Bränden oder den immensen Auswirkungen auf Umwelt und Nachbarschaft. Am Ende war es lediglich eine Art Formfehler im Bauplanungsrecht der das Ganze Projekt zum Erliegen brachte.      

    3. Gerbisbach

    3.1 „sofortiger Vollzug“

    Man kann der Stadt Jessen zugutehalten, dass sie scheinbar 2009 den Braten schon gerochen hat und ihre Zustimmung zum Bau der Riesenmastanlage in ihrer Gemeinde Gerbisbach verweigerte. Damit wäre das Thema eigentlich vom Tisch gewesen. Allerdings lassen sich ein Helmut R. und seine Investor:innen nicht durch rigide Ämter ihren Plan durchkreuzen: Sie legten Beschwerde ein. Dann entschied die nächsthöhere Instanz und winkte den Bauantrag durch:

    Im August [2009] wurde dann die Genehmigung erteilt. Und, das war das Schlimmste – [durch] die Gerissenheit von Herrn R., oder in Anführungsstrichen die ‚Erfahrung’ – ‚mit sofortigem Vollzug’.

    – Gabriele Wolf im Interview Durch diesen sofortigen Vollzug, wie es Gabriele Wolf nannte, konnte der Umbau und die Erweiterung sofort losgehen, ohne, dass der Betrieb vollständig dafür ausgerichtet sein musste – eine sogenannte Teilinbetriebnahme. Wie ein neues Mehrfamilienhaus, das nur zur Hälfte umgebaut wurde, aber in dem in der anderen Hälfte schon Mieter einziehen können. So lässt sich schon früher Geld verdienen, ohne lange warten zu müssen. Praktisch.  

    Wenn die Anlage erst mal da ist, gewöhnen sich die Leute schon dran.

    [xxxiii], wie R. schon in einem Interview mit dem Abendblatt sagte.   Was jetzt folgt, ist ein kräftezehrendes Hin und Her durch Verwaltungsgerichte – das sind die Instanzen, die sich vor allem darum kümmern, dass Gesetze und Vorschriften auch in Ämtern eingehalten werden.   Das Landesverwaltungsamt hat Anfang 2009 die Genehmigung zur Schweinemastanlage in Gerbisbach erteilt – vermutlich ohne große Kenntnisse eines mehrere Jahre andauernden Prozesses und voll im Sinne der Betreiber. Dagegen wiederum klagte die Stadt Jessen. Die Straßen wären nicht ausreichend ausgebaut für den aufkommenden Verkehr. Daraufhin entschied nächste Instanz – dieses Mal das Oberverwaltungsgericht in Halle – Ende 2009 gegen die Genehmigung. Und wieder klagte der Betreiber – und übrigens auch das Landesverwaltungsamt – vielleicht waren sie beleidigt, dass sie jetzt selbst übergangen wurden? – who knows?   Endlich wurde dann 2013 die Baugenehmigung vom Landesverwaltungsamt in Halle (an der Saale) erteilt: „Die Stadt Jessen/Elster hatte im Genehmigungsverfahren ihr gemeindliches Einvernehmen für die gegenüber der erteilten immissionsschutzrechtlichen Genehmigung veränderte Ausführung der Schweinemastanlage mit Futterhaus versagt. Nach intensiver Prüfung und Abwägung aller Fakten hat das Landesverwaltungsamt als zuständige Behörde das gemeindliche Einvernehmen mit der Genehmigung ersetzt, weil es rechtswidrig versagt wurde.“[xxxiv]   Eine höhere Instanz, hundert Kilometer weit entfernt und mit – sagen wir, eher theoretischen Kenntnissen über die Region –, hat entschieden, dass es falsch war, dem Unternehmen die Genehmigung zu versagen, und nennt das Verhalten der Ortsgemeinde – also der Menschen, die am Ende von so einem Bau betroffen sind – „rechtswidrig“. Tja…   Die ersten Abrissarbeiten wurden schon 2006 begonnen[xxxv]. Als dann mit dem Umbau in Gerbisbach begonnen wurde, blieb kein Stein mehr auf dem anderen: Alle alten Gebäude wurden dem Erdboden gleichgemacht und über 20 riesige, fensterlose Gebäude mit Blechdach hingepflanzt. Jetzt konnte der Betrieb also richtig losgehen…

    Wie der MZ von mehreren Seiten bestätigt wurde, sollen in der neuen Mastanlage, deren Bau noch nicht abgeschlossen ist, etwa 1 900 Ferkel eingestallt worden sein.

    [xxxvi]

    Die niederländischen Betreiber und ihr Projektmanager lehnten trotz wiederholter Nachfragen der MZ jede Auskunft zum Stand der Bauarbeiten und zu einem möglichen Eröffnungstermin ab. Es hieß lediglich, dass noch Forderungen von Behörden zu erfüllen seien. Darum sei es noch nicht an der Zeit, sich dazu zu äußern, erklärte R..

    „Aus dem Landesverwaltungsamt in Halle, der Genehmigungsbehörde der Anlage, hieß es lediglich: ‚Die Schweinemastanlage in Gerbisbach darf entsprechend unserer Genehmigung Mastschweine und Ferkel halten. Eine Teilinbetriebnahme wurde uns angezeigt. Die Kontrolle der Umsetzung von entsprechenden Auflagen erfolgt durch den dafür zuständigen Landkreis.‘ Der sieht Klärungsbedarf, der Initiativkreis auch.“

    R. bestätigte zudem, dass Schweine aus Gerbisbach bereits zur Schlachtung gebracht wurden. Zahlen nannte er nicht.

    [xxxvii]   Ganz genau wird es wohl nie klar werden, wie viele Tiere schon 2014 bei der sogenannten „Teilinbetriebnahme“ in den Ställen waren: Der Landkreis sieht Klärungsbedarf, das Verwaltungsamt – 100 Kilometer entfernt – meint aber, dass alles tippi toppi ist. Wieder werden also die Bedenken vor Ort ignoriert, damit der Wirtschaftsbetrieb in Gerbisbach weiterlaufen kann. Gabriele Wolf im Sinne von Martin Luther:

    Ich habe das viele, viele Jahre erlebt. Dieses ‚nicht dem Volke aufs Maul schauen‘, um mit Luther zu sprechen, das tut so weh. Bei allen Sachen: mit den Unterschriften von der Frau Wernicke.

    – Gabriele Wolf im Interview Mit „Ihr müsst dem Volk aufs Maul schauen“[xxxviii] meinte er: ihr müsst den Leuten zuhören, wie sie bei euch sprechen. Einen Satz, den Gabriele Wolf nicht nur einmal erwähnt.

    Das ist das Enttäuschende. Und Menschen, die jetzt vielleicht nicht richtig unterscheiden und nur diesen Frust und die Enttäuschung so in sich graben.

    – Gabriele Wolf im Interview

    Also ich meine, ich habe jetzt so viele Beispiele genannt, wo man hätte spüren müssen, sollen als Betroffener, dass man ernst genommen wird und dass man das da was getan wird, was erfolgversprechend ist.

    – Gabriele Wolf im Interview

    Solche Sachen, die waren schon oftmals auch sehr deprimierend und enttäuschend. Wir hatten auch alle Politiker aller Couleur, waren hier. Die haben sich das angesehen, haben sich führen lassen, waren an der Anlage. Alle haben mit dem Kopf geschüttelt und haben [gesagt]: ‘ja, wir werden es ansprechen.’ Nichts.

    – Gabriele Wolf im Interview  

    3.2 Bilder aus der Hölle

    Fassen wir nochmal kurz zusammen: Helmut R. und seine Clique haben in Ostdeutschland eine Menge umgesetzt: Ehemalige DDR-Schweinemastbetriebe wurden so zu riesigen Produktionsanlagen für Schweine. Aber an einigen Orten gab es Beschwerden und Klagen der Anwohnenden, die Helmut R. und Co. einen Durchmarsch erschwerten.   So wird seit der ersten Planung die Schweinemast im Örtchen Gerbisbach angefochten. Gabriele Wolf ist an vorderster Front. Gemeinsam mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) kämpfen Wolf und Co. seit 2004 gegen die Anlage von Helmut R. und den niederländischen Investor:innen, der Familie van Gennip. Die Genehmigung für den Bau der Schweinemast wird zuerst vom örtlichen Amt versagt und dann von der nächsthöheren Behörde genehmigt. Dagegen klagt der BUND durch alle Instanzen: Schon 2019 hat das Verwaltungsgericht entschieden, dass diese Ställe nicht genehmigt werden durften. Trotzdem wurden weiter Schweine hier gehalten. Letztlich hat sogar das Bundesverwaltungsgericht 2025 festgehalten: Diese Anlage hätte nie genehmigt werden dürfen. Tja. Trotzdem werden Schweine bis heute hier gehalten.   Gabriele Wolf ist inzwischen auch Mitglied des Stadtrats und hat immer wieder nachgefragt, Druck ausgeübt. Aber so richtig zuständig fühlt sich wohl niemand.   „Wir sehen wenig Chancen als Stadtrat Einfluss zu nehmen.”, sagt Dirk Nowak, von der CDU.[xxxix] „Ich würde mir wünschen, dass wir den Druck erhöhen.”, sagt Sindy Stolze von der FDP. „Es gibt dieses Urteil. Aber wir als Stadt sind nicht diejenigen, die es umsetzen müssen.”, sagt Dirk Zarrad von den Linken.   Noch während sich der Stadtrat um die beliebte „Zuständigkeitsfrage“ drückt, gibt es ein Update: Eine Tierrechtsorganisation hat Bildmaterial zugespielt bekommen, in dem deutlich zu erkennen ist, dass die Tiere leiden: Das Wasser ist in mehreren Nächten abgestellt. Das ist ziemlich eindeutig tierschutzwidrig[xl].   Doch statt den grausamen Zuständen in dieser Anlage endlich ein für alle mal einen Riegel vorzuschieben, entgegnet der Pressesprecher des zuständigen Landkreises Wittenberg: „Die Behörde kontrolliert nicht in der Nacht. Deshalb liegen hier keine Informationen vor, ob das Tränkwasser in den benannten Nächten abgestellt war.”[xli] Außerdem bestehen die Bildaufnahmen… “sehr wahrscheinlich auf Erkenntnissen aus unbefugten Betretungen der Stallanlagen”[xlii] Alles, um den Schwarzen Peter den Tierschützenden zuzuschieben, statt sich selbst an der Nase zu fassen. Und das scheint zumindest hier in Gerbisbach mindestens seit 2019 so zu sein. Aber Behörden kontrollieren nicht nur nachts nicht, sondern auch immer wieder nur sporadisch, mit Vorankündigung und sehr oberflächlich. Das ist ja auch logisch, denn niemand will sich wegen zweifelhafter, oft tierquälerischer, aber irgendwie doch legaler Bedingungen einen Haufen Papierarbeit machen. Aufnahmen von verschiedenen Organisationen zeigen die Amtstierärzte auch immer wieder bei diesen Kontrollen: Mal trinken sie Kaffee, schauen nur von der Tür in einen großen Stall oder laufen sogar an Kadavern vorbei. Sie sind auch Teil des Systems, das Tiere ausbeutet. Auch, wenn sie das selbst verständlicherweise nicht so sehen.     In der nächsten Episode werden wir uns ein wenig in die Geschichte der DDR-Landwirtschaft reinfuchsen und dabei ein paar bekannte Namen wiederentdecken. Außerdem gehen wir dann intensiver auf die Schweinemastanlage in Gerbisbach ein – die, die es eigentlich nicht geben sollte.

    „dreckige Pfoten“ bringt Licht ins Dunkle der Tierindustrie und macht Seilschaften, Lobbyismus, Tierqual und die Arbeit von Recherche-Aktivisti sichtbar.

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    Die Intro-Musik ist von Manuel Rathje

    Viele Quellen und das Transkript findet ihr auf www.dreckige-Pfoten.de

    Für diesen Podcast wurden Stimmen teilweise mithilfe von KI erstellt.

    dreckige pfoten

    Weitere Infos

    Es gibt eine eigene Seite mit einem Timeline-Überblick für Gerbisbach und Helmut R.

    Quellen

    [i] „Aqua Orbis in Jessen: Störfarm meldet erneut Insolvenz an“, 08.09.2014 in der MZ

    https://www.mz.de/lokal/jessen/aqua-orbis-in-jessen-storfarm-meldet-erneut-insolvenz-an-2121611 Archiv: https://archive.is/xi0BG

    [ii] Türöffner für Agrarkonzerne: Ex-Minister unterstützt Bau von Mastanlagen, 20.06.2018
    https://www.mz.de/lokal/wittenberg/turoffner-fur-agrarkonzerne-ex-minister-unterstutzt-bau-von-mastanlagen-1450142
    Archiv: https://archive.is/ldXxj

    [iii] Türöffner für Agrarkonzerne: Ex-Minister unterstützt Bau von Mastanlagen, 20.06.2018
    https://www.mz.de/lokal/wittenberg/turoffner-fur-agrarkonzerne-ex-minister-unterstutzt-bau-von-mastanlagen-1450142
    Archiv: https://archive.is/ldXxj

    [iv] „Alternative Ost – Holländische Investoren betreiben in Ostdeutschland riesige Schweineställe“, 05.02.2006 bei Spiegel:

    https://www.spiegel.de/wirtschaft/alternative-ost-a-119751f9-0002-0001-0000-000045774378 Archiv: https://archive.is/dy2NO

    [v] ebenda

    [vi] „Schweinezucht in der Ex-DDR – es riecht nach Korruption”, 31.08.2008 im Hamburger Abendblatt:

    https://www.abendblatt.de/politik/deutschland/article107389298/Schweinezucht-in-der-Ex-DDR-es-riecht-nach-Korruption.html Archiv: https://archive.is/FpW1S

    [vii] „Schweinezucht in der Ex-DDR – es riecht nach Korruption”, 31.08.2008 im Hamburger Abendblatt:

    https://www.abendblatt.de/politik/deutschland/article107389298/Schweinezucht-in-der-Ex-DDR-es-riecht-nach-Korruption.html Archiv: https://archive.is/FpW1S

    [viii] ebenda

    [ix] ebenda

    [x] Mitteldeutsche Zeitung: “Türöffner für Agrarkonzerne: Ex-Minister unterstützt Bau von Mastanlagen”, 20.06.2018

    https://www.mz.de/lokal/wittenberg/turoffner-fur-agrarkonzerne-ex-minister-unterstutzt-bau-von-mastanlagen-1450142 Archiv: https://archive.is/ldXxj

    [xi] Mitteldeutsche Zeitung: “Türöffner für Agrarkonzerne: Ex-Minister unterstützt Bau von Mastanlagen”, 20.06.2018

    https://www.mz.de/lokal/wittenberg/turoffner-fur-agrarkonzerne-ex-minister-unterstutzt-bau-von-mastanlagen-1450142 Archiv: https://archive.is/ldXxj
    Übrigens schreibt der Journalist auch für den „deutschen Landwirtschaftsverlag“, dem Sprachrohr der Tier-Industrie.

    [xii] ebenda

    [xiii] ebenda

    [xiv] „Tiere im Massenstall – Mitgeschöpfe oder Nahrungsmittel?“ – Talkrunde tacheles vom 16.09.2012 (Phoenix)

    https://www.youtube.com/watch?v=cpgt2m8zOSM

    [xv] Berliner Zeitung: “Der Preis für billiges Fleisch im Supermarkt sind Turbomast und Massentierhaltung mit mindestens 40000 Hühnern”, 22.01.2011

    https://www.berliner-zeitung.de/der-preis-fuer-billiges-fleisch-im-supermarkt-sind-turbomast-und-massentierhaltung-mit-mindestens-40000-huehnern-oder-2000-schweinen-in-einem-stall-ekelfutter-tiertransporte-und-medikamenteneinsatz-viele-verbraucher-sind-nicht-mehr-bereit-diesen-preis-zu-bezahlen-sie-kaufen-bewusster-ein-und-kaempfen-hartnaeckig-gegen-grossprojekte-der-agrarindustrie-ein-besuch-der-widerstandsnester-in-der-schlachtzone-li.17720 Archiv: https://archive.is/4YeGl

    [xvi] „Tiere im Massenstall – Mitgeschöpfe oder Nahrungsmittel?“ – Talkrunde tacheles vom 16.09.2012 (Phoenix)

    https://www.youtube.com/watch?v=cpgt2m8zOSM

    [xvii] ebenda

    [xviii] Siehe „Foreign investments successful in Eastern Germany“, 01.05.2017 von Pig Progress: https://www.pigprogress.net/home/foreign-investments-successful-in-eastern-germany/ Archiv: https://web.archive.org/web/20250424192332/https://www.pigprogress.net/home/foreign-investments-successful-in-eastern-germany/

    [xix] „Alternative Ost – Holländische Investoren betreiben in Ostdeutschland riesige Schweineställe”, 05.02.2006 im SPIEGEL

    https://www.spiegel.de/wirtschaft/alternative-ost-a-119751f9-0002-0001-0000-000045774378 Archiv: https://archive.is/dy2NO

    [xx] „NL: 19 % der Schweinehalter wollen Ausstiegsförderung nutzen“, 09.01.2025 in topagrar:

    https://www.topagrar.com/schwein/news/niederlande-uber-1500-viehhalter-beantragen-den-ausstieg-im-jahr-2024-20010372.html

    [xxi] Die „Interessengemeinschaft der Schweinehalter in Deutschland“ berichtet:

    https://www.schweine.net/news/viehzaehlung-in-den-niederlanden-51-weniger-schwei.html

    [xxii] „Schweinereien im Osten“, 25.04.2008 in Der Freitag:

    https://www.freitag.de/autoren/jeroen-kuiper/schweinereien-im-osten

    [xxiii] Siehe: “Massives Tierleid in Schweinezucht Sandbeiendorf” von Animal Rights Watch: https://www.ariwa.org/tierleid-in-sandbeiendorf/

    [xxiv] „Tierschützer schlagen Alarm“ bei ARD Brisant, 17.12.2013:

    https://www.youtube.com/watch?v=eJdRaQtXPQ0

    [xxv] „Tierquälerei in ostdeutschen Schweinebetrieben”, 10.12.2013 von Deutschlandfunk:

    https://www.deutschlandfunk.de/fleischindustrie-tierquaelerei-in-ostdeutschen-10.html

    [xxvi] „Haßleben: Aus für Schweinemastanlage mit 37.000 Plätzen“, 10.07.2020 in agrarheute:
    https://www.agrarheute.com/tier/schwein/hassleben-fuer-schweinemastanlage-37000-plaetzen-570665

    [xxvii] „The manipulation of the American mind: Edward Bernays and the birth of public relations“ in „The Conversation“ von Richard Gunderman
    https://theconversation.com/the-manipulation-of-the-american-mind-edward-bernays-and-the-birth-of-public-relations-44393

    [xxviii] „Tiere im Massenstall – Mitgeschöpfe oder Nahrungsmittel?“ – Talkrunde tacheles vom 16.09.2012 (Phoenix)

    https://www.youtube.com/watch?v=cpgt2m8zOSM

    [xxix] „Über die Gigantomanie in Sachen Schnitzelproduktion“, 18.01.2012 in der TAZ:

    https://taz.de/Ueber-die-Gigantomanie-in-Sachen-Schnitzelproduktion-NORMALZEIT/!624915/

    [xxx] “Regionalkrimis (11): Achsen* des Bösen”, 13.08.2010 in der TAZ:

    https://blogs.taz.de/hausmeisterblog/2010/08/13/regionalkrimis_11_achsen_des_boesen/

    [xxxi] “Alternative Ost – Holländische Investoren betreiben in Ostdeutschland riesige Schweineställe”, 05.02.2006 im Spiegel

    https://www.spiegel.de/wirtschaft/alternative-ost-a-119751f9-0002-0001-0000-000045774378 Archiv: https://archive.is/dy2NO

    [xxxii] Pressemitteilung der Bürger-Initiative „Kontra Industrieschwein“ am 09.07.2020.

    [xxxiii] Siehe [2]: „Schweinezucht in der Ex-DDR“

    [xxxiv] Pressemitteilung der Behörde in Halle: “Baugenehmigung für Schweinemastanlage Gerbisbach erteilt”, 22.07.2013:

    https://presse.sachsen-anhalt.de/landesverwaltungsamt/2013/07/23/baugenehmigung-fuer-schweinemastanlage-gerbisbach-erteilt/ Archiv: https://archive.is/TKO2L

    [xxxv] „Unterschriften kontra Schweinemast“, 05.02.2006 in der Mitteldeutschen Zeitung:

    https://www.mz.de/lokal/jessen/unterschriften-kontra-schweinemast-2771499

    [xxxvi] „Mastanlage: Erste Ferkel in Gerbisbach eingestallt“, 11.07.2014 in der Mitteldeutschen Zeitung:

    https://www.mz.de/lokal/jessen/mastanlage-erste-ferkel-in-gerbisbach-eingestallt-2100645 Archiv: https://archive.is/rACcb

    [xxxvii] „Hauptausschuss: Lokaltermin im Schweinestall Gerbisbach vorgeschlagen“, 03.10.2014 in der Mitteldeutschen Zeitung:

    https://www.mz.de/lokal/jessen/hauptausschuss-lokaltermin-im-schweinestall-gerbisbach-vorgeschlagen-2130343

    [xxxviii] „dem Volk aufs Maul schauen“ im Wiktionairy: „gewöhnlichen Menschen zuhören und daraus lernen, die eigenen Handlungen danach ausrichten“
    https://de.wiktionary.org/wiki/dem_Volk_aufs_Maul_schauen

    [xxxix] „Was kann die Stadt tun?“, 02.01.2026 in der Mitteldeutschen Zeitung.
    https://www.mz.de/lokal/jessen/so-positioniert-sich-der-jessener-stadtrat-zur-schweinemastanlage-4174104

    [xl] „Eine Sauerei“, 16.01.2026 in der TAZ: https://taz.de/Quaelerische-Tierhaltung/!6118526/

    Und das Original-Material bei uncover: https://uncover-recherche.de/systematischer-gesetzesbruch-in-deutschen-schweinebetrieben/

    [xli] Ebenda.

    [xlii] Ebenda.

    dreckige pfoten

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