Schlagwort: deutschland

  • 10. Zwei Freunde

    10. Zwei Freunde

    Zwei Freunde

    Betäubungslose Schlachtungen In Hürth

    In einem genehmigten „Schlachthof von Nebenan“ in Hürth bei Köln werden Schafe und Rinder bestialisch abgestochen – ohne die notwendige Betäubung. Aber das Leid ist noch viel größer.

    Wir sind hier irgendwo in der Eifel. Grüne Felder. Jede Menge Hügel und Berge. Und eine ganze Herde Schafe.

    So ganz easy auf der Weide grasen. Das klingt doch nach einem Life. Keine Sorge in der Welt – bisher.

    Schafe sind so friedliebende Tiere. Sie können euer Gesicht erkennen und sind schnelle Lerner. Es gab schon Verhaltensexperimente, in denen sich Schafe über 22 Wochen etwas merken konnten[i]. – Das ist länger, als so mancher Macker sich ein „Nein“ merken können.

    Zwei der Flauschis reiben ihre Köpfe liebevoll aneinander. Schafe sind sowieso dafür bekannt, dass sie untereinander Beziehungen bilden. Je nach Charakter und Persönlichkeiten, bilden sich dann Gruppen heraus[ii].

    Vielleicht sind die Zwei im Grüppchen der Schüchternen und grasen lieber nebeneinander her, statt dem Rest der Herde zu folgen.

    Aber leider wird es hier nicht friedlich bleiben.

    Ein SUV mit Anhänger holpert über den Feldweg. Der Schäfer steigt aus und öffnet das Gatter.

    Dann die Klappe des Anhängers.

    Die zwei Freunde wissen nicht, was passiert. Sie bleiben zusammen.

    Aber auch sie werden vom Schäfer über die Rampe in den Anhänger getrieben.

    Die Tür wird verriegelt. Es ist dunkel.

    Nach einer langen Fahrt rollt der Anhänger auf irgendeinem Hinterhof.

    Sie sind jetzt in einem Industriegebiet in Hürth.

    Der SUV bleibt stehen. Die Klappe des Anhängers öffnet sich.

    Eines der selbstbewussteren Schafe läuft sofort los.

    Aber ein Mann in Weiß packt sie und schleudert das Tier herum.

    Dann kommen andere Männer in den Anhänger und schieben und zerren die Tiere raus. Manche werden am Schwanz oder an den Vorderbeinen rausgezerrt. Andere laufen hinterher – vollkommen verwirrt und voller Angst.

    Wieder wird ein Schaf am Bein gepackt. Sie windet sich, aber der Mann ist zu stark. Andere aus der Herde kommen hinterher – vielleicht wollen sie helfen, oder sie nicht alleine lassen. Das windende Schaf stößt mit voller Wucht gegen die Laderampe – der Mensch hat gewonnen.

    Jetzt laufen alle in einen Schuppen, in dem Stroh ausgelegt ist.

    Die restlichen Schafe der Herde stehen dicht gedrängelt am Rand der Laderampe. Von hinten schiebt der Schäfer sie immer weiter.

    Die Männer wollen schnell fertig werden. Sie pfeifen und rufen.

    Vierundvierzig Tiere werden in den sogenannten Wartebereich oder Wartestall getrieben.

    Auch die zwei Freunde sind jetzt hier. Sie haben vermutlich Angst und wissen nicht was vor sich geht.

    Hier sollen die Tiere zur Ruhe kommen. Stress abbauen.

    Denn „gestresstes Fleisch“ schmeckt nicht…

    1. Der Schlachthof von nebenan

    Wer in Deutschland Fleisch im Supermarkt kauft, kann sich eigentlich sicher sein, dass es in einem zugelassenen EU-Schlachthof produziert wurde. Bis Ende 2009 war das manchmal noch ohne Genehmigung möglich.

    Als Land der Dokumentenberge und Fax-Verbindungen, gibt es eine Menge Dinge, die vor der Eröffnung eines Schlachthofs erledigt werden müssen – egal, wie groß oder klein dieses Horrorhaus nachher ist.

     

    Einerseits muss der Ort entsprechend ausgebaut sein, um Tiere rechtskonform in den Tod zu schicken. Und andererseits müssen auch immer mal wieder Behörden ihren Gang durch die Räume machen.

    Deshalb ist fast jeder Schlachthof rundum gefliest und hat eine Menge obskurer Gerätschaften: zum Beispiel einen Gitterboden mit Abfluss für das viele Blut. Eine sogenannte „Falle“, in der Tiere fixiert und „betäubt“ werden können. Aber auch Betäubungszangen mit Zacken und einem orangen Spiralkabel oder riesige Bandsägen, um die Körper zu zerteilen.

    Und an der Decke gibt es fast immer eine Art Schienensystem, an dem die Tiere an Haken umhergeschoben werden können. Arbeitsschutz und so…

    Bei verschiedenen Anbietern kann man sogar, Zitat: „optimale Lösungen für jede Schlachtkapazität“, oder sogar ein ganzes „Schlachthausmodul“ ordern.

    Wie in einem Einkaufsladen für empathielose Businessmenschen, kann man bei manchen Herstellern von der „Großviehwinde“ über die „rituelle Schlachtbox mit Drehmechanismus“ bis zum sogenannten „Hohlstechmesser“ alles finden, was zum rechtskonformen Töten von Individuen so nötig ist.

    Was Henry Ford für die Automobilindustrie übernommen hat, wurde zuerst in den Schlachthöfen von Chicago erfunden: Ausgeklügelte Arbeitsteilung half dabei, dass die Tiere lebend angekarrt wurden und in Einzelteilen, fertig verpackt, wieder in die Supermärkte verschifft werden konnten.

    Aber was überall gleich ist, ist, dass sie eben gekachelt sind, dass da eben nachts teilweise Pfützen sind, dass es so metallisch riecht. Schlachthöfe haben so einen ganz eigenen Geruch.

    Im Außenbereich sind dann gegebenenfalls irgendwie Kadaver Tonnen bzw. einfach Mülleimer wo kein aber drin sind oder eben so ganz große, je nach je nach Größe vom Schlachthof ganz große Abfallbehältnisse. Aber im Grunde ist es dieses dieses man ist in einem Raum der nasskalt ist, gekachelt ist, wo irgendwelche Ketten und Schienen rum hängen, Ketten rum, den Schienen entlang sind so komische Fleischhaken. Die Türen sind auch alle. Eben dieses Edelstahl weiß muss.

    Es ist alles auf Hygiene quasi ausgelegt und dann ist entsprechend letztlich das schon alles ähnlich oder vergleichbar. Und auch immer die gekühlt führen dann mit so einem Kippriegel und so. Das ist schon alles sehr miteinander vergleichbar. […] Auch wenn die quasi jeder zu Hause sein Wohnzimmer anders einrichten würde, würde doch trotzdem jeder irgendwie erkennen was ist ein Wohnzimmer.

    Und ein Schlachthof ist halt auch irgendwie zwar im Aufbau, dann unterschiedlich, aber es ist halt schon immer irgendwie erkennbar.

    – Rechercheheini im Interview

    Wer nicht viel Platz in seiner Kaschemme hat, darf sich sicher sein, dass die schlauen Profis der Branche auch dafür eine Lösung haben: So hilft beispielsweise die EG‑Verordnung 853/2004 mit dem „Flexibility-Prinzip“, dass selbst in der kleinsten Bude geschlachtet werden kann. Wer wenig Platz hat, darf in einem einzigen Raum einem Tier das Leben nehmen, es ausweiden und letztlich in Portionen zerstückeln. Es muss nur zwischendrin mal sauber gemacht werden – aber wer guckt da schon so genau…

    Was für zuvorkommende Gesetzgebende wir doch manchmal haben…

     

    So kann man auf jeden Fall sein eigenes Schlachthaus der Träume recht komfortabel einrichten. Ein paar passende Feuchtraumleuchten, genügend Wasseranschlüsse und ein paar Gummistiefel – dann kann’s schon fast losgehen.

    Einen formlosen Antrag beim zuständigen Veterinäramt einreichen. Dann ein paar Details zum neuen Schlachthof notieren und einen Grundriss zeichnen. Und damit keine bösen Jungs einen solchen Schlachthof aufbauen, kann auch ein Führungszeugnis verlangt werden. Am besten der Kollege mit der weißen Weste übernimmt die ganze Beantragung.

    Dann muss noch ein „Hygienekonzept zur Selbstkontrolle“ festgehalten werden – gibt’s sicher schon Vorlagen im Internet.

     

    Das, was jetzt noch fehlt, trägt einen Titel, den ich irgendwie nicht einfach aussprechen kann. Weil er so vollkommen absurd und falsch klingt: „Sachkundenachweis nach Tierschutz-Schlachtverordnung“.

    Wieder so ein Wortmix, bei dem sich die Erfinder:innen nicht sicher waren, ob sie sich selbst verarschen wollen oder nur die Tiere.

    Anyways: Dieses Unwort-Dokument bekommen zwar auch gelernte Fleischer:innen, aber auch Menschen, die einen dreitägigen Lehrgang mit Theorie- und Praxisteil absolviert haben. Drei Tage. Und dann: tote Tiere.

    Bei Geflügeltieren übrigens nur ein Tag.

    Passenderweise hier eine Erinnerung an die Folge 9: „Allein im Schlachthof“.

    2. Betäubungsloses Schlachten

    Was bei solchen dreitägigen Lehrgängen auf jeden Fall Thema ist: Schlachten ohne Betäubung ist verboten. Das habe ich in der ersten Folge dieses Podcasts schon erzählt.

    Und trotzdem ist es hier passiert…

    In den meisten EU-Ländern gibt es Verbote für die Schlachtung von Tieren ohne Betäubung. Dass diese Betäubung unter Umständen tierschutzwidrig ist, weil sie erhebliches Leid verursacht – ja, ich schaue auf Dich, Du grausame scheiß CO2-Betäubung! – das spielt erstmal keine Rolle. Leider.

    In Deutschland muss in jedem Schlachthof betäubt werden. Egal, für wen da getötet wird.

    Verschiedene Organisationen von Juden und Muslimen behaupten zwar, dass durch eine scharfe Durchtrennung der Blutbahnen das Tier praktisch sofort bewusstlos werde und schmerzfrei sterbe. Aber aktuelle Forschung widerspricht hier vehement. Und selbst der Europäische Gerichtshof hat bekräftigt, dass ein Verbot der betäubungslosen Schlachtung auf Landesebene die Religionsfreiheit nicht einschränkt.

    Auch das Bundesverfassungsgericht hat für eine verhältnismäßige Abwägung zwischen Religionsfreiheit und Tierschutz plädiert. Da die Gesetzgebenden damals zumindest den Anschein erwecken wollten, dass sie aus der Nazi-Zeit was gelernt haben, hat die Religionsfreiheit nämlich einen hohen Stellenwert – aber der Tierschutz ist eben auch ein ausdrückliches Staatsziel im Grundgesetz.

    Diese Abwägung der beiden Grundrechte bedeutet: Wer abgemetzelte Tiere essen muss, weil es die eigene Religion vorschreibt, der kann eine Sondererlaubnis beantragen – oder eben heimlich ohne Betäubung schlachten.

     

    Und sagen wir so viel: Der Schlachthof, um den es jetzt geht – der hatte so eine Sondererlaubnis nicht

    Das ganze Skript?

    Das komplette Transkript gibt es für Patreon-Follower.

    Dieser Podcast verlangt eine Menge ab von allen Beteiligten. Dafür bietet er euch Content, den es sonst nirgendwo gibt. Noch mehr exklusiven Content gibt es bei Patreon.

    dreckige pfoten

    Das war „dreckige Pfoten“ mit „Zwei Freunde“.

    Vielen Dank an rechercheheini für das Interview und die vielen Insights!

    Ihr könnt rechercheheini und auch dreckige Pfoten auf Instagram einfach folgen. Und vergesst nicht „hallo“ zu sagen.

    Wenn ihr von dieser Story etwas mitnehmen könnt, sagt es gerne weiter. Schreibt gerne einen Kommentar oder bewertet den Podcast!

    Ihr wisst nicht, wie sehr mich immer freut, neue Kommentare und Bewertungen zu sehen, DANKE!

     

    Außerdem gibt es einen Patreon-Account. Schaut einfach vorbei und sagt „hi!“
    Ist kostenlos.

    Intro-Musik von: Manuel Rathje

    Viele Quellen und das Transkript findet ihr auf www.dreckige-Pfoten.de

    Für diesen Podcast wurden Stimmen teilweise mithilfe von KI erstellt.

    Quellen & Hintergründe

    [i] Hunter, D. S., Hazel, S. J., Kind, K. L., Liu, H., Marini, D., Owens, J. A., Pitcher, J. B., & Gatford, K. L. (2015): „Do I turn left or right? Effects of sex, age, experience and exit route on maze test performance in sheep.“ Physiology and Behavior, 139, 244-253

    [ii] „Crafty sheep conquer cattle grids“ bei BBC News am 30.07.2004 (abgerufen am 05.05.2026)
    http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/3938591.stm

     

    dreckige pfoten
    Die Musik und die KI-Stimmen habe ich von Artlist. Meldet euch unter diesem Link an, um diese Musik, AI-Bilderstellung oder AI-Voice-overs und vieles andere für euren Content zu nutzen.     mit markierte Links sind Affiliate-Links. I know, wir sind keine Fans. Aber: es kostet euch nichts.
    eindringliche
    Geschichten

    Nicht »noch ein Laber-Podcast« – sondern eindringliche Geschichten, mit Haltung und Herz über die grausamste Industrie unserer Zeit.

  • 09. Allein im Schlachthof

    09. Allein im Schlachthof

    Allein im Schlachthof

    Abgrund der Eierproduktion

    Über 700 dokumentierte Übergriffe, neun Beteiligte – und ein Betrieb, der jahrelang ungestört weiterlief. Was wie ein Skandal beginnt, entpuppt sich als Blick in den Abgrund eines ganzen Systems.

    Es ist ruhig. Ein paar Geräte surren vor sich her.

    Der letzte LKW-Fahrer hat die Halle verlassen.

    Irgendwie ist es ihr gelungen, herauszukommen. Nennen wir sie Annika.

    Annika hat ihr ganzes Leben in einem Stall mit tausenden anderen Legehennen verbracht. Und jetzt ist sie frei – zumindest für einen kurzen Augenblick.

    Sie hat keine Ahnung, wo sie hier ist. Aber sie wird bei ihrem kleinen Erkundungsausflug gefilmt.

    Denn versteckte Kameras filmen seit Tagen, grausame Bilder in diesem Schlachthof in Bayern. Dass Annika hier lebend über den Verladehof läuft, ohne von Mitarbeitenden verfolgt zu werden, ist ein Wunder!

    Sie hatte Glück und konnte sich aus einer der vielen Transportkisten befreien, die hier Tag für Tag auf das Fließband geworfen werden. Aus irgendeinem Grund war die Kiste wohl nicht richtig verschlossen: Ihr Weg in die Freiheit.

    Aber, auch wenn hier gerade alles ruhig ist: In wenigen Stunden kommen die LKW und die Arbeitenden wieder. Dann könnte auch Annika, wie all die anderen Legehennen am Fließband, kopfüberhängen. Wenn sie Glück hat, kann sie es noch in eine dunkle Ecke schaffen.

    Annika hat es tatsächlich in eine Ecke geschafft. Sie ist schwach und steht nur da. Das viele Rumlaufen, kein Wasser, kein Essen – seit Tagen.

    Die Tür geht auf. Shit!

    Mit rotem Licht leuchten die Menschen, die reinkommen, umher. Der Lichtstrahl trifft auch Annika. Sie hat eine Scheißangst.

    Ein Mensch kommt langsam immer näher.

    Annika wird gepackt.

    @aninova.org Während des Einsatzes des Undercover-Teams im Luna-Schlachthof ist es gelungen, wenigstens sechs Hennen zu befreien. Diese sechs Glücklichen sind jetzt auf einem Lebenshof und erfahren zum ersten Mal Wärme und Fürsorge von Menschen. 🍀🐔 #suppenhuhn #hennen #fleisch #eier #schlachthof #tierrettung #aninova ♬ Originalton – ANINOVA | Für Tierrechte

    Bis jetzt war Annika nur eine „Produktionsmaschine“. Als sie nur noch wenige Eier „produzierte“, war sie zu einer Art „Abfallprodukt“ geworden.

    Was passiert mit Dingen, die nichts mehr wert sind in dieser grausamen Industrie?

    Wohin verschwinden die Millionen Legehennen, die nicht mehr genügend Eier „liefern“?

    Annika war bisher für die Menschen nur ein paar Cent wert. Ein Abfallprodukt eben.

    Aber ab jetzt ist ihr Leben unbezahlbar.

    1. Der Luna-Schlachthof

    Wassertrüdingen im Landkreis Ansbach in Bayern.

    Es ist kurz nach Ostern.

    Hier im kleinen CSU-geführten Örtchen ist ein wichtiger Betrieb für unsere Lieblingsindustrie ansässig.

    Und genau da herrscht gerade reger Betrieb.

    LKWs mit gelbem Anhänger rollen einer nach dem anderen über den Hof. Was sie geladen haben, erkennt man fast nicht.

    Aber wer genau hinschaut, erkennt dutzende Hühner, gequetscht in kleine Gitterboxen aus Plastik. Hunderte davon sind auf die Laster gestapelt.

    Das sind die Hühner, die für diese Industrie nur noch wenige Centbeträge wert sind.

    Sie haben ihren „Legepeak“ erreicht. Sie sind nutzlos geworden für die Eierproduktion.

     

    Die Hennen werden nachts von ausgebeuteten Niedriglohn-Arbeitenden in diese Gitterboxen gequetscht und auf die Lkw geladen.

    Die Arbeitenden müssen unter immensem Zeitdruck ganze Ställe mit tausenden Tieren leeren. Deshalb landen die Hennen oft rabiat in den Gitterboxen, dann auf dem LKW und letztlich hier in diesem Schlachthof.

    [Weil] Hennen und auch ehemalige Elterntiere nur noch wenige Cent wert sind und es sich letztlich nur lohnt, wenn man einen Schlachthof mit entsprechend hoher Kapazität hat, gibt es von diesen Schlachthöfen nur sehr, sehr wenige.

    – Recherche-Aktivist im Interview

    Das sagt einer der Recherche-Aktivisti, die an der Aufdeckung beteiligt waren. Die Stimme wurde anonymisiert.

     

    Recherche-Aktivisti haben im April 2025 diesen riesigen Schlachthof in Bayern besucht. Sie wussten, dass es hier zu brutalen Szenen kommt, noch bevor die „ausgedienten Legehennen“ am Fließband getötet werden.

    Aber weder Veterinäre, noch Mitarbeitende haben sich jemals dagegen aufgelehnt. Es war mucksmäuschenstill, rund um den Schlachthof „Buckl“ in Wassertrüdingen.

    Deshalb wussten die Aktivisti, was sie machen müssen: Endlich der Welt zeigen, was hier passiert! Aber wie?!

    Besonders an den Recherchen zum Schlachthof in Wassertrüdingen war, dass wir bisher keinerlei Erfahrung mit Geflügelschlachthöfen hatten. Das heißt, wir wussten gar nicht genau, wie ist der Ablauf? Wir wussten nicht: wo sind die Punkte, wo es möglicherweise zu Übergriffen kommt? […]
    Noch bei der Vorrecherche wussten wir nicht, ob sie eine Elektrobetäubung haben – also die Hennen kopfüber in ein Wasserbad getaucht werden, welches unter Strom gesetzt ist – oder ob sie eine CO₂-Betäubung haben. […]
    Entsprechend haben wir am Anfang auch erstmal nur eine Kamera in den Außenbereich gehängt und eine in den Bereich, wo die Tiere aus den Kisten genommen und in das Förderband reingehängt werden, um einfach zu verstehen: Was passiert da eigentlich? Wie funktioniert so ein Schlachthof?

    Recherche-Aktivist im Interview

    Wie ich schon in den ersten drei Episoden erzählt habe: Es gibt eine Menge Arten, wie Tiere für ihr Fleisch getötet werden. Je größer ein Schlachthof, desto automatisierter und meist auch brutaler ist der Umgang mit den einzelnen Tieren. Wenn tausende Tiere am Tag getötet werden müssen, dann bleibt für keinen der beteiligten Mitarbeitenden Zeit, Empathie zu empfinden. Ich denke, so weit können wir uns das alle vorstellen. Aber was die Recherche-Aktivisti schon auf den ersten Aufnahmen entdecken, ist noch viel grausamer als unsere Vorstellung:
    […] was Geflügel-Schlachthöfe von Schlachthöfen für Säugetiere vor allem unterscheidet, ist die große Anzahl der Tiere, die dort getötet werden, aber auch, dass sie viel wehrloser sind. Und diese Kombination führt letztlich zu einer unfassbaren Verrohung der Mitarbeitenden. Die Gewalt, die wir dort erlebt haben und die wir für so einzigartig hielten, findet aber in anderen Schlachthöfen genauso statt.
    – Recherche-Aktivist im Interview

    Ein ganz normaler Geflügelschlachthof

    […] im Vergleich zu anderen Schlachthöfen [gibt es] bei Geflügel-Schlachthöfen eine ganz, ganz krasse Industrialisierung. So, dass dort eben Bänder sind, die laufen. Das ist letztlich wie man sich ein Autowerk vorstellt: dass man da Schienen hat, da fahren dann die Autos rum und überall stehen Leute und schrauben irgendwas dran oder machen irgendwas. […] Nur, dass es eben dort um Lebewesen geht. Aber genauso durchgetaktet. Von der Rampe bis zur Aufhängung war bereits ein automatisches Förderband. Kisten konnten da als Stapel mit (geschätzt) zehn Kisten übereinander in einen Mechanismus gestellt werden, der dann automatisch die Kisten nebeneinander auf ein Förderband stellt. Auf diesem Förderband sind sie dann bestimmt 20 bis 25 Meter weitergefahren. Dort wurden sie dann von Mitarbeitern des Schlachthofs aus den Kisten gepackt und in ein Hakensystem eingehängt – mit den Füßen, um dann quasi im Förderband zu sein. Man sieht aber insgesamt, dass es dort ganz, ganz krass industrialisiert ist und wirklich jeder Schritt nach Möglichkeit vollautomatisiert läuft, um möglichst wenig Arbeitsschritte zu haben.
    – Recherche-Aktivist im Interview   Die Hühner in den Transportboxen, die gerade mit dem LKW auf den Hof des Buckl-Schlachthofs in Bayern rollen, sind dazu verdammt, zum sogenannten „Suppenhuhn“ zu werden: Ihr ausgemergeltes Skelett, manchmal mit gebrochenen Knochen, schmale Schenkel und Brüste – all das ist für „KFC“, „Burger King“ oder „McDonald’s“ nicht fleischig genug. Stattdessen sollen sie zum Spottpreis von ein bis zwei Euro pro Kilogramm in der Tiefkühltruhe von „REWE“, „Edeka“ und Co. verkauft werden. Nur so kann wieder ein Plus am Ende der Rechnung stehen. Der Schlachthof hier ist eine Art „Entsorgungsstätte“ für einen ganzen Industriezweig. Und dementsprechend scheiße wird hier auch gearbeitet. Die Arbeit an diesem Fließband wird wohl kaum in unsere Vorstellung einer „Work-Life-Balance“ passen. Aber es wird noch schlimmer kommen, als alle dachten…

    Das ganze Skript?

    Das komplette Transkript gibt es für Patreon-Follower.

    Dieser Podcast verlangt eine Menge ab von allen Beteiligten. Dafür bietet er euch Content, den es sonst nirgendwo gibt. Noch mehr exklusiven Content gibt es bei Patreon.

    dreckige pfoten

    Das war „dreckige Pfoten“ mit „Alleine im Schlachthof“.

    „dreckige Pfoten“ bringt Licht ins Dunkle und macht Seilschaften, Lobbyismus, Tierqual und die Arbeit von dutzenden Recherche-Aktivisti sichtbar.

    Wenn ihr von dieser Story etwas mitnehmen könnt, sagt es gerne weiter. Schreibt gerne einen Kommentar oder bewertet den Podcast! Ihr wisst nicht, wie sehr mich das freut!

    Außerdem gibt es einen Patreon-Account. Schaut einfach vorbei und sagt „hi!“
    Ist kostenlos.

    Intro-Musik von: Manuel Rathje

    Viele Quellen und das Transkript findet ihr auf www.dreckige-Pfoten.de

    Für diesen Podcast wurden Stimmen teilweise mithilfe von KI erstellt.

    Quellen & Hintergründe

    dreckige pfoten
    Die Musik und die KI-Stimmen habe ich von Artlist. Meldet euch unter diesem Link an, um diese Musik, AI-Bilderstellung oder AI-Voice-overs und vieles andere für euren Content zu nutzen.     mit markierte Links sind Affiliate-Links. I know, wir sind keine Fans. Aber: es kostet euch nichts.
    eindringliche
    Geschichten

    Nicht »noch ein Laber-Podcast« – sondern eindringliche Geschichten, mit Haltung und Herz über die grausamste Industrie unserer Zeit.

  • Gerbisbach: Wie ein Fall zum Sinnbild für Behördenversagen wurde

    Gerbisbach: Wie ein Fall zum Sinnbild für Behördenversagen wurde

    True Crime in Deutschland – unterschätzte Fälle

    Ein Dörfchen in Sachsen-Anhalt. Felder, Stille, der Geruch von Gülle in der Luft. Und irgendwo dahinter: tausende Schweine hinter Dämmen aus Bürokratie.

    Nein zur Schweinemast in Gerbisbach

    Stell dir vor: Ein Gericht entscheidet, dass eine Anlage so nicht betrieben werden darf. Die Behörden wissen es. Die Anwohner:innen kämpfen seit Jahren dagegen an. Und die Schweinefarm läuft einfach weiter.

    Das klingt nach einem Krimi. Es ist aber ein realer Fall aus Sachsen-Anhalt – und er zeigt, wie systematisch das Versagen von Behörden, Politik und Rechtsstaat gegenüber der grausamen Massentierhaltung sein kann.

    Was in Gerbisbach passiert ist

    Seit 2014 betreibt ein Unternehmer in Gerbisbach eine Anlage mit zigtausenden Schweinen.

    Die Menschen in der Nähe wollten das von Beginn an nicht einfach hingenommen. Sie haben Akten durchforstet, Anwält:innen eingeschaltet, Petitionen gestartet. Sie haben geklagt, verloren, wieder geklagt – und inzwischen gewonnen!

    Und doch: Der Betrieb läuft. Jahr für Jahr. Die Abgründe der Massentierhaltung bleiben für tausende Schweine pro Jahr Realität.

    Im Zentrum steht nicht nur ein Unternehmen, das Regeln bricht – sondern auch ein früherer Landwirtschaftsminister, der nach seiner politischen Karriere als Berater für eben diese Branche tätig wurde. Ein klassisches Drehtür-Phänomen zwischen Politik und Agrarindustrie.

    Der riesige Schweinestall in Gerbisbach hat bis heute keine rechtsgülitige Genehmigung - aber läuft weiter...

    Warum dieser Fall so symptomatisch ist

    Der Fall Gerbisbach ist kein Einzelfall – er ist ein Muster. Er zeigt:

    • Wie langsam Rechtsmittel gegen industrielle Tierhaltung wirken, selbst wenn Bürger:innen Recht bekommen.
    • Wie politische Netzwerke dafür sorgen können, dass Vollzug ausbleibt.
    • Wie Bürger:innen jahrelang gegen ein System kämpfen – und trotzdem kaum gehört werden.
    • Und wie die Geschichte der DDR-Landwirtschaft bis heute nachwirkt: Viele dieser Megaanlagen entstanden aus ehemaligen LPG-Betrieben – und wurden nach der Wende privatisiert, ohne dass die strukturellen Probleme gelöst wurden.

    Ein Kampf, den kaum jemand sieht

    Man muss sich das vorstellen: Da sitzen Menschen an Küchentischen, wälzen Gerichtsbeschlüsse, schreiben Einsprüche – während ein paar hundert Meter entfernt die Anlage läuft, als wäre nichts. Keine News, keine nationale Berichterstattung. Aber jede Menge Aktenordner und Erschöpfung.

    Während einzelne Tierrettungsaktionen gottseidank viral gehen, bleibt das systemische Versagen oft im Verborgenen. Kein Einzelschicksal, das sich leicht teilen lässt. Nur ein jahrelanger, stiller Kampf gegen Mühlen, die sich einfach weiterdrehen. Zermürbende Realität der Tierfabriken-Gegner:innen.

    Genau das ist der Grund, warum dreckige Pfoten über solche Fälle berichtet. Die systematische Untergrabung von Tierrechten und gezielte Lobbyarbeit muss aufgedeckt werden.

    Den ganzen Fall hören

    In der zweiteiligen Episode „Lobby Schweinerei“ nimmt dreckige Pfoten den Fall Gerbisbach auseinander: die Vorgeschichte, die Gerichtsverfahren, die politischen Verbindungen und den Kampf einer Anwohnerin seit 20 Jahren.

    dreckige Pfoten öffnet Türen. Der Podcast lässt die Menschen zu Wort kommen, die Tierleid dokumentieren. Er erzählt die True-Crime-Fälle, über die niemand spricht – investigativ recherchiert, mit allen Quellen offengelegt.

    Die Musik und die KI-Stimmen habe ich von Artlist. Meldet euch unter diesem Link an, um diese Musik, AI-Bilderstellung oder AI-Voice-overs und vieles andere für euren Content zu nutzen.
        mit markierte Links sind Affiliate-Links. I know, wir sind keine Fans. Aber: es kostet euch nichts.